Eine wunderbare Kulisse. Ein großartiges Stück. Ein Held zum Verlieben.Veneto, 1594: Sie sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen - eine hinreißende Hauptdarstellerin, ein waffenstarrender Zwerg, ein schlitzohriger Intendant und dessen bockige Enkelin. Mitten hinein in dieses schillernde Ensemble gerät der völlig unerfahrene, achtzehnjährige Marco. Begeistert von der faszinierenden Welt des Theaters zieht er mit der Truppe nach Venedig, wo es bald um Sein oder Nichtsein Nur ein neues Stück kann das Ensemble noch retten. Langsam entwickelt sich Marco vom einfachen Kulissenschieber zum Autor seines eigenen Stücks - doch bis er dieses auf die Bühne bringen kann, muss er noch viel lernen. Über das Schreiben. Über die Liebe. Und vor allem über das Leben selbst...
Der junge Marco ist tief betrübt als sein Ziehvater stirbt. Auf dem Landgut hat er es gut gehabt und er hätte sich hier noch eine glückliche Jugend erträumt. Doch Marco ist noch nicht volljährig und für den Fall des Falles hat Vittore den Prior und einen Advokaten als gemeinsamen Vollmund bestimmt. Und nun wird Marco ins Kloster gebracht, dort gefällt es ihm nicht so gut. Zusammen mit dem alten Vittore wollte er immer in die Stadt, es ist jedoch nicht mehr so weit gekommen. Jetzt steht auch noch zu befürchten, dass sich jemand sein Erbe unter den Nagel reißen will. Marco flieht aus dem Kloster und gerät an eine fahrende Schauspielertruppe, mit der er nach Padua gelangt.
Welch eine neue Welt, vom Land in die Stadt, vom Kloster ins Theater. So viele Eindrücke stürzen auf Marco ein. Er kann sich garnicht sattsehen oder fühlen. Der alte Intendant ist manchmal nicht mehr ganz Herr seiner Gedanken, aber er reimt begnadet aus dem Stehgreif und seine gewitzte Bauernschläue lässt ihn auch aus unangenehmen Situationen herauskommen. Auch wenn es so scheint als müsse man auf den Alten aufpassen, wird er doch eine Art väterlicher Freund für Marco. Seine Enkelin Elena entgeht Marcos Blicken beinahe, sie wirkt noch sehr jung. Catrina dagegen, die rassige Schöne, hat es Marco angetan.
Ein wenig vermischt sich die Handlung des Romans mit dem Schauspiel auf der Bühne. Das Theaterleben um 1594, das Schicksal des jungen Marco, das manchmal einem Stück zu gleichen scheint. Heiter wirkt dieser Roman durch die wohlgewählten Worte, die ihm diese Stimmung verleihen. Zwar gibt es auch ernste Momente, doch eher wird eine Komödie gegeben denn eine Tragödie. Und das ist ausgesprochen erfreulich, denn möchte man dem Alltag entfliehen und für ein paar Lesestunden ins Padua und Venedig des 16, Jahrhunderts eintauchen und etwas über die Commedia dell` Arte lernen, ist dieser Roman gerade das Richtige. Mit schönen Anspielungen auf den anscheinend damals auch schon über die Grenzen seines Landes hinaus bekannten Shakespeare, so dass man bei vielen Sätzen rätseln kann, auf welches Stück Bezug genommen wird.
"Der König der Komödianten" erzählt die Geschichte von Marco, der bisher ein recht abgeschiedenes Leben geführt und nun, da er sein Zuhause verlassen hat, viele neue Erfahrungen sammelt - unter anderem, da er sich einer Theatertruppe anschließt. Man merkt deutlich, wie behütet der Protagonist bisher gelebt hat, da er oft ziemlich naiv handelt, was manchmal überzeichnet wirkte und mich deshalb gestört hat, obwohl ich es unter den gegebenen Umständen bis zu einem gewissen Grad verstehen konnte.
Das Leben der Theatergruppe und ihre Arbeit wurden sehr interessant, schillernd und farbenfroh dargestellt. Die Autorin scheint gut recherchiert zu haben und die Schilderungen kamen mir authentisch vor, gerade, was die Commedia dell’arte und das Venedig des 16. Jahrhunderts an sich betrifft. Die Kulisse wurde wunderbar beschrieben und es war leicht, sich in die Situationen hineinzuversetzen. Der Schauplatz und die Umstände der Charaktere sind sehr ergiebig, weshalb die Autorin verschiedene Facetten beleuchten kann; sie zeigt auch die Schattenseiten und Schwierigkeiten der damaligen Zeit auf und das war meiner Meinung nach eine Stärke des Buches. Die Handlung selbst fügt sich gut in die realen Umstände ein, allerdings muss ich sagen, dass sie mich nicht immer packen konnte, da sie stellenweise ein wenig vorhersehbar war und es zwischendurch ein paar Längen gab. Der Schreibstil lässt sich aber auch dann sehr angenehm lesen und es gibt einige amüsante Momente, die die Geschichte wieder aufgelockert haben.
Die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet, auch wenn sie teilweise ein wenig stereotyp gezeichnet sind und ich zunächst ein paar Probleme hatte, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Positiv zu erwähnen ist, dass sie alle ihre Stärken und Schwächen hatten, da sie so greifbarer und echter wirkten. Auch Marco selbst war mir weitgehend sympathisch, obwohl ich sein Handeln nicht immer verstehen konnte und seine große Naivität, so verständlich ich sie auch aufgrund seiner mangelnden Erfahrung fand, nach einer Weile anstrengend wurde.
"Der König der Komödianten" bekommt von mir 3,5 Sterne. Das Buch konnte mich nicht hundertprozentig überzeugen, aber alles in allem habe ich es gerne gelesen und die Darstellung der damaligen Zeit war sehr interessant.