Wenn Metin nach Feierabend mal wieder an seine Kühlschranktür klopft, weiß er, dass an diesem Tag sehr viele Patient*innen nach ihm gerufen haben – Er ist Krankenpfleger durch und durch, und ohne diese Leidenschaft geht das in seinen Augen auch gar nicht. Denn das kaputtgesparte Gesundheitssystem, der stressige Klinikalltag und die mangelnde Wertschätzung machen seinen Job zu einer Herausforderung.
Doch die Patient*innen stehen immer an erster Stelle und das Team hält zusammen. Metin kennt sie. Die kratzbürstige Schwester Rabiata, ihre Kollegin Uschi, die gute Seele der Station, oder die jungen Auszubildenden, die angesichts des täglichen Wahnsinns versuchen, nicht durchzudrehen. Sie alle entscheiden sich jeden Morgen aufs Neue dafür, ihrem Beruf mit Professionalität und Engagementnachzugehen.
Dieser Buch war leicht und schnell zu lesen, besonders weil es nicht sehr lang ist. War gut für zwischendurch und ist auch definitiv lesenswert. Ich bin selber Pflegekraft und kenne viele hier beschriebene Situationen aus meinem eigenen Arbeitsalltag. Ein zugleich trauriges aber auch schönes Buch. Die einzigen Stellen im Buch, die mich weniger interessiert haben, sind die in denen über TikTok gesprochen wird. Das ist aber persönliches Empfinden und es ist nur ein kleiner Anteil im Buch.
Metin selbst, oder eher seine Onlinepräsenz, kannte ich bereits von TikTok. Während der Pandemie habe ich ihn hier und da mal auf meiner for you page gesehen. Verständlicherweise, bei 517.4K Followern auf TikTok (Stand Juli 2024) und unserer eine Gemeinsamkeit: Dem Beruf.
Der Inhalt
Pflegers Diary ist in viele kleine Kapitel und Unterkapitel kategorisiert, wovon einige dieser Unterkapitel nur eine Seite umfassen. Hinzu kommen, meistens unabhängig vom Thema des Kapitels, Geschichten aus dem Alltag, die wohl den Buchtitel rechtfertigen und zwei Doppelseiten mit anonymisierten Zitaten weiterer Kolleg:innen, die ihre Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft formulieren.
Metin schreibt in einfachen Worten von seinen diversen Erfahrungen in verschiedensten Fachbereichen. Von Geschichten aus dem Alltag. Einige davon signifikanter als andere, doch die Probleme bleiben immer die Gleichen.
Pro & Kontra
Das Buch beginnt mit einer Einleitung, die konfrontativer nicht sein könnte. Er betitelt die angesprochenen Politiker:innen als Menschenfeinde, System-Kaputt-Sparer. Ich stelle hier einmal die vorlaute These auf, dass kein Politiker, den er meint, Pflegers Diary gelesen haben wird. Wer es allerdings anhand diverser Rezensionen liest, sind unsere Kolleg:innen und Menschen, die er im gesamten Buch durchgehend als "die Bevölkerung" und "die Menschheit" bezeichnet. Generell kann ich sagen, strotzen die 218 Seiten dieses Buches vor Verallgemeinerungen und Rundumschlägen gegen alles und jeden, den er zu treffen vermag.
Bevor ich jedoch zu tief darin eintauche, warum ich Pflegers Diary als nicht lesenswert empfinde, kommen wir zunächst zu den positiven Dingen. Den Wahrheiten zwischen den subjektiven Wahrnehmungen, die der Autor beschreibt.
In der Pflege, ob nun im Krankenhaus, in der häuslichen Pflege oder in weiteren Einrichtungen fehlt es an vielem. Ressourcen wie Zeit, Geld, Hilfsmitteln und leider eben auch Mitarbeitenden. Der Pflegenotstand war abzusehen und wurde nicht abgewendet. Die Menschen, die darunter leiden, sind wir alle, denn irgendwann wird der Moment im Leben von jedem von uns kommen, an dem wir auf Hilfe angewiesen sind. Wenn nicht im Krankenhaus, dann vielleicht in einer Rehabilitation oder sogar in den eigenen vier Wänden.
Auszubildende sowie examiniertes Fachpersonal werden händeringend gesucht, vielerorts sogar mit Versprechungen gelockt, die allerdings niemand einzuhalten vermag. Die Realisation kommt je nach Person früher als gehofft und je nach Typ Mensch kann es sein, dass falsche Versprechen und die Realität, die Missstände innerhalb der Pflege, sie oder ihn unseren Beruf den Rücken kehren lassen. Für immer.
Doch was sind diese Missstände, die Metin beschreibt? In ein paar Stichpunkten zusammengefasst ergaben sich mir beim Lesen folgende Hauptprobleme:
• Respektlosigkeit der Bevölkerung gegenüber dem Berufsfeld • Minimalversorgung durch bestehenden Pflegenotstand • Rechnen mit der Profitabilität des Gesundheitswesens
Und, ja. All diese Dinge sind problematisch, sollten viel mehr besprochen werden und gehen jeden Einzelnen etwas an. Denn ohne arbeitendes Personal gibt es keine Gesundheits- und Krankenversorgung. Doch die Präsentation dieser Probleme hat mir nicht nur die Lust am Lesen dieses Buches genommen, sondern auch daran vorerst einen Gedanken daran zu verlieren, wie es eben doch besser ginge.
Was bleibt, sind Fragezeichen
Die Oberflächlichkeit mit der er seinen, unseren Alltag beschreibt, lässt sicherlich bei vielen Leser:innen Fragen zurück, die auf den folgenden Seiten nicht beantwortet werden können, da Metin zwischen den Themen hin und her springt, als hätte er das gesamte Buch in einer Schreibsession hinter sich gebracht. Die Prosa lässt zu wünschen übrig, viele Sätze wiederholen sich sogar innerhalb der Kapitel. Ich weiß nicht, wie häufig man 'zum Waschen zurückkommen' will. Es gibt diverse Rechtschreibfehler, die Kommasetzung ist ähnlich miserabel wie meine und insgesamt liest sich Pflegers Diary als hätte es weder ein (ausreichendes) Lektorat noch Probeleser gegeben.
Wer Metins Videos kennt, weiß von seinen Stereotypen der Pflegekräfte. Besonders hervorgehoben sind hier 'Schwester Rabiata' und 'Schwester Uschi', die sowohl innerhalb dieses Buches als auch in seinen Videos die unterschiedlichen Extreme der nicht mehr so breiten Masse an Pflegepersonal abbilden sollen. Beide sind zutiefst problematische Darstellungen, sind unprofessionell und manchmal sogar übergriffig. Ein wichtiges Thema, also, dass es solche Personen gibt, wie die beiden Fantasiepersonen geschrieben sind, ist wohl aber einfach nichts für mich. Mittlerweile nerven mich solche Stereotypen einfach nur noch. Und nein. Nicht in "jeder von uns" steckt eine Uschi, oder Rabiata. Oder wen es noch so gibt. Zu guter Letzt möchte ich noch klarmachen, dass ich persönlich nichts gegen den Autor habe. Ich kenne ihn nicht, aber ich bin mir sicher, er leistet gute Arbeit am Patienten. Die Empathie, die er laut diesem Buch für fremde Menschen aufzubringen vermag, ist der Grundstein unseres Berufs.
Daher frage ich mich nun um so mehr, wie es zu einigen Aussagen innerhalb des Buches kommen konnte. Wie man ohne Triggerwarnung die eines jungen Menschen im Zusammenhang mit ihrem Tod mal eben so beschreiben kann. Wie man Schüler:innen, die sich an die Regeln halten als Oberklug diffamieren muss.
Und für mich bleibt die Frage: Für wen wurde dieses Buch geschrieben? Ich stelle die These auf: Für Metin Dogru.
Viele Berufe sind heutzutage leider zu selten oder auch in den Voraussetzungen zu schwer, dass man sie sich aussucht. Genau in so einem Beruf gehört der Kranken- oder Altenpfleger. Jeden Tag auf neues müssen diese wunderbaren Menschen in viel zu langem Schichtdienst bei Personalmangel um zu viele Patienten kümmern.
Genau das hat uns Metin in verschiedensten Stresssituationen, dem Alltag auf der Station als auch in den verschiedensten Charakteren aufgezeigt. Natürlich wie in seinen Videos, mit etwas Humor, aber der ganz wichtigen Botschaft, dass so viel verbessert werden müsste.
Taucht also in dieses tolle Buch ein und bestärkt die Meinung, wie wichtig Kranken- und Altenpflege ist und wir in Zukunft noch mehr so tolle Menschen in diesem sehr stressigen, aufopferungsbereiten Beruf brauchen.
Ein tolles Werk, was mich perfekt unterhalten, ab und an schmunzeln ließ, doch am wichtigsten nochmal auf die Schwierigkeiten im Berufsalltag hingewiesen hat.
Ich bleibe daher begeistert, beeindruckt von der unglaublichen Arbeit der starken Menschen, ihrem Einsatz für ihre Patientinnen beflügelt zurück.
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag. Trotz der Bereitstellung hat dies in keiner Weise meine ehrliche Meinung zum Buch beeinträchtigt.
Ich folge Metin schon länger auf Social Media und mag seine Beiträge sehr.
Sie sind witzig, ehrlich und ernst. Dieses Buch ist nicht witzig, auch wenn man hier und da schmunzeln kann, sondern aufschlussreich und interessant.
Es öffnet dem Leser weiter die Augen für ein Thema, was eigentlich Jedem, schon mehr oder weniger bewusst sein sollte und das uns Alle, früher oder später, durchaus selbst betreffen kann. Den Mangel an Pflegepersonal bzw. der Umgang mit diesem.
Ich glaube, dass nur den Wenigsten bewusst ist, wieviel Verantwortung in diesem Beruf getragen wird und wie schlecht er sowohl bezahlt, als auch angesehen ist. Und wie sehr unsere Gesellschaft und Politik daran arbeiten, dass es immer weniger Menschen werden, die diesen Beruf ausüben können und wollen.
Metin hat absolut Recht damit wenn er sagt, dass sein Berufsstand mehr Respekt von der Gesellschaft verdient hat.
Danke für dieses ehrliche Buch, das auf die Missstände im Pflegebereich noch einmal hinweist. Danke für den Einblick in dein Leben. Danke dafür, dass du deine Stimme einsetzt, um auf Alles öffentlich hinzuweisen. Und das größte Danke und meinen größten Respekt dafür (das gilt auch für alle Anderen in Bereichen, die mit Menschen arbeiten, aber vor allem die sich um die Gesundheit derer kümmern), dass du deinen Job dennoch gern machst.
Es ist unser erstes Buch von Metin und wir haben es sehr gemocht. Er spricht die schönen und nicht so schöne Aspekte der Pflege an und teilt seine Erfahrungen mit uns. Diese auch teilweise ungeschönt, die pure und reine Realität. Manche schon traurig und erschreckend zugleich.
Ehrlich, authentisch und super geschrieben. Das Buch war sehr aufschlussreich und interessant zu lesen. Die Missstände in der Pflege betreffen uns alle irgendwann einmal. Egal wie wir es drehen und wenden, wir alle werden alt und brauchen dann die Pflege.
Im Buch werden natürlich nicht nur schiefstände gezeigt, sondern auch die schönen Seiten des Berufs und wieso Metin Dogru nicht aufgibt und alles hin schmeißt.
Von uns gibt es eine klare Lesempfehlung für das Buch, jeder sollte sich der Missstände bewusst werden.
Schreibstil
Der Schreibstil ist sehr angenehm, locker und leicht gewesen. Das Buch konnte man sehr gut lesen und die Themen waren gut ausgearbeitet und "schön" geschrieben. Es wurden endlich mal nicht nur die sonnenstunden in dem Beruf hervorgehoben.
Cover
Das Cover passt perfekt zum Thema und ist natürlich auch sehr gur gewählt worden. Auch die farben passen gut.
Ein geniales Buch. Es zeigt den Alltag in der Pflege sehr gut und ist eine tolle Mischung zwischen Witzigen Anekdoten und den erschreckenden Missständen.