Rezension bezieht sich auf das Hörbuch.
England, 1933: Als der berühmte Schriftsteller Milo Rycroft an einen gefrorenen Weiher die Mannequin Tessa Nicolson trifft, ahnt keiner, dass diese schicksalhafte Begegnung das Leben dreier Frauen für immer verändern wird. Da ist Tessa selbst, die ihre italienische Jugendliebe lange nicht vergessen konnte und nun nicht mehr an die Liebe glaubt. Getroffen von einem schweren Schicksalsschlag kehrt sie nach Italien zurück. Ihre mit ihr zusammen in Italien aufgewachsene Schwester Frederica, genannt Freddie, anfangs das bloße Anhängsel ihrer berühmten Schwester, die später auf sich allein gestellt in England alles vermeintlicher Sicherheit unterordnet. Und dann ist da noch Rebecca Rycroft, die viel zu lange an der vertrockneten Ehe mit Milo fest gehalten hat und erst spät ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Sie alle suchen ihr Glück in den Wirren vor, während und nach den 2. Weltkrieg.
Die Erzählung begleitet immer jeweils eine der drei Frauen, anfangs auch Milo. Was als harmlose Begegnung am Weiher beginnt, wird zum zerstörerischen Sturm, der ihr altes Leben davon bläst. Die Handlung erzählt, wie jede der drei Frauen versucht ihren Weg zu gehen, nicht frei von Rückschlägen und geprägt durch schmerzhafte Selbsterkenntnis. Sie müssen lernen, dass die Pfade der Liebe steinig und verschlungen sind. Weite Strecken der Handlung spielen in England, doch auch Italien spielt eine Rolle.
Ein echter Lennox. Genauso, wie ich ein Buch von ihr erwartet habe – das ist Stärke und Schwäche zugleich. Starke Gefühle, Irrungen und Wirrungen der Liebe, Frauen machen ihren Weg – das sind nun einmal die klassischen Zutaten von ihr und werden gekonnt mit einer Prise Schuld zusammengemischt. Allerdings fand ich es dadurch auch etwas zu vorhersehbar und zu “konservativ”: Der italienische Freigeist wird gebrochen. Die auf Sicherheit Bedachte erkennt, dass nichts sicher ist. Und die sich selbst in ihrer Ehe Begrabende erkennt, dass sie ein selbstständiger Mensch mit Talenten ist. Das ist ziemlich moralisch. Unpassend dazu fand ich die extreme sexuelle Freizügigkeit der Protagonisten - ich glaube nicht, dass das Buch mit weniger Betonung der zahllosen Liebschaften schwächer gewesen wäre. Das Ganze ist sehr hübsch erzählt und toll übersetzt worden, so dass es sprachlich ein wahrer Genuss ist. Auch das Cover fängt gut die Stimmung des Buches ein.
Juliane Köhler ist eine tolle Sprecherin, welche die Geschichte unaufgeregt und dennoch gefühlvoll erzählt. Dabei schafft sie es, durch ihre Stimme den jeweiligen Charakter der Frauen durchklingen zu lassen. Eine wahre Freude, sich von ihr dieses Buch vorlesen zu lassen.
Ein typischer Lennox mit den üblichen Zutaten, für Fans und alle, die auf dieses Genre mögen, zu empfehlen. Einzig das Fehlen echter Überraschungen und die zahllosen Liebschaften geben einen halben Stern Abzug.
4,5 Sterne