Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769) war ein deutscher Dichter und Moralphilosoph der Aufklärung und galt zu Lebzeiten neben Christian Felix Weiße als meistgelesener deutscher Schriftsteller. Seine Werke - besonders seine Fabeln - zählten in der Übergangszeit zwischen Aufklärung, Empfindsamkeit und Sturm und Drang zu den meistgelesenen in Deutschland. Durch seine breite Wirkung trug er zur Bildung eines allgemeinen Lesepublikums in Deutschland bei und ebnete so den Weg für die Dichter der folgenden Generationen. Seine Lustspiele brachten erstmals bürgerliche Figuren und deren Milieu auf die Bühnen; der Roman Leben der schwedischen Gräfin von G*** hatte die Ethik bürgerlicher Moral zum Gegenstand und war Wegbereiter des Romans in Deutschland. Aus dem Buch: "Als ich mich den Morgen darauf noch mit dem Grafen beratschlagte, was wir unserm Paare heute für ein Vergnügen machen wollten, trat ein Bedienter herein und sagte, daß ein Engelländer meinen Gemahl sprechen wollte. Sobald er die Tür öffnete, so sagte uns sein Gesicht, daß es Steeleys Vater wäre. Er hatte ein eisgraues Haupt; aber seine muntern Augen, sein rotes Gesicht und trotziger Gang widerlegten seine Haare. "Ich suche", fing er auf französisch an, "meinen Sohn bei Ihnen; oder da ich in meinem Leben wohl nicht so glücklich sein werde, ihn wiederzusehen: so will ich wenigstens hören, ob Sie nicht wissen, wo er ist. "
Man stellt schnell fest, dass Gellert in dem Werk sein eigenes Tugendideal vermittelt. Das Verhalten der Hauptperson ist in allen Belangen von Selbstbeherrschung und Disziplin bestimmt. Die erzieherischen Versuche Gallerts zeigen sich darin, dass er immer wieder das tugendhafte Handeln der Protagonisten betont und ihnen eine Vielzahl triebhaft handelnder Charaktere entgegenstellt. Über 40 Figuren treten in dem kurzen Roman auf, und mehr als die Hälfte von ihnen stirbt im Lauf der Geschichte. Durch diese Überhäufung der Charakteren entsteht schnell Verwirrung und der Lesefluss wird erheblich gestört. Die Überhöhung der stoischen, christlich-tugendhaften Protagonisten sowie der häufige und abrupte, nicht wirklich zu ende ausgeführte Abgang der unwichtigeren Charaktere trüben ein wenig die Lesefreude, die der Roman bei den überraschenden und spannenden Stellen durchaus zu vermitteln weiß.
Erbaulicher Roman- gewöhnungsbedürftig für den heutigen Leser: nahezu alle Figuren handeln ethisch vorbildlich. Gellert führt vor, wie eine tugendhafte Welt aussähe. So hat der Roman eine gewisse Verwandtschaft zum Sozialistischen Realismus.
“‘Vielleicht’, sprach er, ‘lassen Sie sich durch die Wohltaten bessern, wenn sie boshaft gewesen sind; lasst sie auch der Wohltat Unwert sein, sie sind doch Menschen.’” (S. 110)
1.0 Sterne Mein Gott, war das eine schwere Geburt. Es tut mir leid es so sagen zu müssen, aber ich bin wirklich froh, dass es vorbei ist! Wenn es keine Pflichtlektüre meines Seminars gewesen wäre, hätte ich früher oder später das Handtuch geworfen.
Den ersten Teil des Romans habe ich als erträglich empfunden (noch freundlich ausgedrückt). Ich habe zügig den Anschluss zur Sprache gefunden, konnte mich aber nicht mit den Charakteren anfreunden. Mir kam es vor, als hätte sich der Autor zwanghaft darum bemüht, alle Figuren miteinander zu verbinden, was es für mich (zusammen mit etlichen an den Haaren herbeigezogenen Wendungen) sehr unrealistisch wirken lassen hat. Ich konnte keine Etappe der Erzählung ernst nehmen.
Ich kann beim besten Willen nichts Besonderes an diesem Werk herausstellen. Vielleicht aber verstehe ich einfach nicht viel von der damaligen Schriftstellerei. Was ich aber verstanden habe ist, dass diese Geschichte unfassbar zäh und langweilig auf mich, den heutigen Leser, gewirkt hat.
Vergnüglich! Dieser kleine zweigeteilte Roman nimmt uns mit ins blühende 18.Jh, vielmehr noch auf die ein oder andere Reise der schwedischen Gräfin G. über Flur und Wiese, durch Stadt und Hinterland - zu Kutsche oder zu Schiff... aber auf jeden Fall durch stets tugendhafte und moralisch einwandfreie gute und auch durch bedauernswerte aber ebenso tugendtreue schlechte Zeiten. Eine Seifenoper aus der Epoche der Empfindsamkeit. Ganz eindeutig! Unverhoffte Zusammenkünfte und Trennungen, Eheschließungen, Familiengründungen, Geschwisterliebe, Mord, Auferstehung, Krieg, Gefangenschaft, Flucht, Freiheit, Fieber und andere Seekrankheiten... auf jeden Fall aber ganz viel Liebe und Zuneigung - bekundet durch zahlreiche Worte, wortreiche Briefe und Lippenbekenntnisse im buchstäblichen Sinne. Herr Gellert schreibt, was und wie die Frau empfindet und erzählt es- erstmalig in der Literaturgeschichte - aus ihrer Perspektive.
2🌟 Nachdem ich das Buch so lange aufgeschoben habe wie ich nur konnte muss ich sagen dass es garnicht so schlecht war 🤷♀️ ich bin schneller durchgekommen als erwartete und die Geschichte war relativ interessant 💪
Entertaining from the beginning but her husband's account was rather useless for the progression of the story and could've been left out, but overall a fun book