PORTISCH, Hugo: „Was jetzt“, Salzburg 2011 Ein sehr beeindruckendes kleines Buch. Portisch erklärt hier die historische Entstehung der Europäischen Union mit ihren Vorläufern. Wie nach dem Zweiten Weltkrieg die Amerikaner die europäischen Länder über den Marshallplan zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit gezwungen haben. Wie daraus die Montanunion entstand. Zuerst verwalteten die beiden Kriegsfeinde Frankreich und Deutschland die Stahlindustrie und den Kohleabbau – damals der wichtigste Energieträger. Damit wurde ein weiterer Krieg verhindert, weil ohne diese beiden Zweige eine militärische Aufrüstung nicht möglich war. Da dies sehr gut funktionierte schlossen sich andere Länder, wie die Benelux Staaten und Italien an. Daraus entstand dann der EWR, ein Wirtschaftsbündnis. Europa war noch unter politisch zweigeteiltem Einfluss und die Sowjets erlaubten einigen Ländern keine Teilnahme. Sie schlossen sich dann zur EFTA zusammen, die sich wieder an die EWG anlehnte. Später kam es zur Vereinigung. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus war es kein wirtschaftlicher, sondern ein friedensbildender Akt, dass die osteuropäischen Länder aufgenommen wurden. Aber Portisch erinnert auch an Österreichs Geschichte und die Wirtschaftspleite der 20er und 30er Jahre. Ohne einer finanziellen Unterstützung des Völkerbunds wäre Österreich unregierbar geblieben. Die gewährten Kredite wurden zurückgezahlt. Bis zum Zweiten Weltkrieg und noch nach dem Krieg – bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Auflagen der Kreditgeber waren mit der Situation Griechenlands vergleichbar: Entlassung von 100.000 Staatsbeamten, Einschränkung des Gesundheitswesens, Reduzierung der Schulen, Einführung von Schul- und Studiengeldern, Auflassung von Postämtern, Zusammenlegung der föderalistischen Finanzämter etc. Nach dem Zweiten Weltkrieg half der amerikanische Marshallplan den verarmten europäischen Staaten und das war ein nicht rückzahlbares Geld. Ein Vorgang, den die heute reichen europäischen Länder dem verarmten Griechenland nicht gewähren. Dabei – so Portisch – war der Marshallplan kein Nachteil für die USA. Auch sie profitierten daraus. Die Schuld für die heutige Situation der EU und das Erstarken der nationalistischen Europagegner sieht Portisch im schlechten Informationssystem der Europapolitiker und –beamten. Die Bürger seien schlecht informiert. In unserer globalen Welt sei Europa aber mit einer reinen Währungsunion nicht schlagkräftig genug. Es müsse zu einer Wirtschafts- und Währungsunion kommen. Nur so können die 500 Millionen Europäer gegen die USA und China bestehen oder sogar eine Weltwirtschaftsführung übernehmen. Im Nachwort wird der Autor dann sehr persönlich und berichtet, wie er im Jahr 1946 als Student im Wiener Rathaus im Schutt nach Büchern der Stadtbibliothek suchte. Nur wer 4 Wochen bei der Beseitigung der Bombenschäden mitgearbeitet hatte durfte an der Universität inskribieren. Portisch legt hier ein historisches Dokument vor, anhand dessen man die heutige Gegenwart besser verstehen kann. Es sollte ein Schulbuch werden und für alle Politiker sollte es eine Zwangsliteratur werden.
Sehr interessante kurz dargestellte Geschichte der EU, angereichert mit einigen Anekdoten Interessant wäre eine mehr elaborierte Ausarbeitung der Fragestellungen gewesen, da ich finde, dass diese zu kurz gekommen sind Das legitimations und Transparenz-Problem innerhalb des losen Staatenbunds wurde nur sehr kurz dargestellt, wobei diese für eine vermeintlich engere Integration absolut unabdingbar sind Tatsächlich jedoch sehr interessante Blickwinkel und positive Aussichten in Bezug auf die Zukunft der EU
Empfehlenswert für alle, die eine geschichtliche Auffrischung brauchen, und deren Glauben in die EU einer Stärkung bedarf.
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Eine nette und kurzweilige Zusammenfassung der Geschichte der EU, und ein Verteidigungsplädoye derselben. Das Buch hat gerade einaml 77 Seiten, die durch persönliche Anekdoten weiter aufgelockert werden. Für viele bietet diese Aufarbeitung der historischen Entwicklung von EGKS, EWG und EU wenn nicht neues Wissen, so doch zumindest eine willkommene Auffrischung.
Offensichtlich wurde "Was jetzt" geschrieben, um der so präsenten, oft wenig fundierten und kurzsichtigen, Kritik von Opposition und Boulevard entgegenzuwirken.
Auf den eigentlichen Titel des Buches, "Was jetzt?", wird aber kaum eingegangen. "Die Vereinigten Staaten von Europa", also eine noch stärkere Integration der EU-Staaten, erwähnt Portisch aber mehrmals.
"Die Jahrzehnte des Friedens, der Sicherheit und des Wohlstandes wären ohne die EU in Europa nicht möglich gewesen. Darum lohnt es sich, für sie zu kämpfen und sie voran zu treiben."
So wohl die Hauptaussage des Buches. Auf die vielen Kritikpunkte an der EU wird nur am Rande eingegangen. Bei unter 80 Seiten erwarte ich mir allerdings keine umfassende kritische Analyse.
Die Geschichte der EU und des Euro auf weniger als 100 Seiten ganz gut zusammengefasst. Nicht mehr und nicht weniger. Ich bin nicht der Meinung, dass der Austritt eines einzelnen Landes aus der Eurozone den Zerfall Europas nach sich ziehen wuerde. Unterm Strich traegt Herr Portisch nichts neues zu den noch immer ungeloesten Problemen Europas bei. Fuer Leute die keine Ahnung von der Entstehung der EU haben aber sicher zu empfehlen.
Ein Buch, das jeder Europäer lesen sollte, vor allem jene, die glauben, ohne EU wären wir besser dran. Es wäre auch eine effiziente Pflichtlektüre an den Schulen, ein konziser Überblick über Geschichte, Wirtschaft und Politik und viel Hintergrundwissen.
Dieser Essay wurde während der Euro-Krise 2011 verfasst und beschreibt in kurzen Zügen das Entstehen der EU und des EURO als Friedensprojekt in Europa. Der Zeitzeuge und renommierte - mittlerweile verstorbene - Journalist Hugo Portisch umreißt auch die Mängel und Schwächen zu diesem Zeitpunkt in der EU. Mir ist es ein wenig zu oberflächlich geblieben. Mittlerweile ist sehr viel passiert (Brexit, Pandemie, Ukrainekrieg, Hamas-Terrorismus) und die Welt ist in einem schlimmeren Zustand als damals. Portisch hatte mit seinen Ansätzen und Gedanken durchaus recht, nur ist leider nichts daran verbessert worden und die Demagogen und Populisten haben leider Hochkonjunktur.