Resturlaub
Oh, wie schön ist Panama! Und die Moral von der Geschichte?
„Ihr meint, dann hätten sie doch gleich zu Hause bleiben können. Ihr meint, dann hätten sie sich den weiten Weg gespart? Oh nein, denn sie hätten die Maus nicht getroffen,
sie wären nicht vom Bauern in seinem Wagen mitgenommen worden, sie hätten nie den Fuchs mit der Gans tanzen sehen, sie hätten nie gelernt, wie man eine Kuh melken muss und nicht das tolle Plüschsofa von Hase und Igel kennen gelernt. Auch hätte ihnen die kluge Krähe nie das Land ihrer Träume gezeigt. Und schließlich hätten sie niemals das Panamalied miteinander gesungen.
Und: Kann man die Geschichte auch für Erwachsene erzählen? Jaud versucht’s und scheiter kläglich. Der kleine Bär und der Tiger, die Maus und Hase & Igel heißen jetzt Mausbär, Summbiene, Seppelpeter, Keks und Pitschi, und das ist ja schon einmal ein verflucht schlechter Start.
Im Original geht es noch gemütlich zu:
"Sie lebten unten am Fluss neben dem großen Baum. Sie wohnten in einem kleinen gemütlichen Haus mit Schornstein. Beide waren die besten Freunde. Der kleine Tiger besaß eine Tigerente, die er überall mitnahm, wohin er auch ging. Der kleine Bär und der kleine Tiger führten zusammen ein schönes Leben und waren sehr glücklich."
In der Coverversion ist es einfach nur spießig: Die Thirtysomethings haben einen Job, ein Häuschen „eine Viertelstunde von der Stadt entfernt“, Respekt vor dem Pfarrer und ein pfiffiges Lebensmotto, das auch verrät, wo der Jahresurlaub regelmäßig hingeht: Mallemallemum. Die Männer trinken Bier, und die Frauen wollen ein Eigenheim, einen Mann und Kinder. Könnte also eigentlich alles ganz schön sein, wenn es den Kleinen Bär nicht unwiderstehlich nach Panama ziehen würde, das hier Buenos Aires heißt. Und da trifft der Kleine Bär, ähnlich wie der Kleine Prinz, die absonderlichsten Typen: eine schwäbelnde Cindy aus Marzahn, ein Mondgesicht, das „mal echt gemodelt hat“, Pedro, der jeden Tag denselben Film sieht, paar durchgeknallte Taxifahrer (soviel zu Jauds Recherche vor Ort), eine Katze namens Taxi und den Besitzer einer deutschen Kneipe (siehe Recherche), der – au weia! – nicht einmal richtig Deutsch spricht. Und der Kleine Bär erlebt eine Menge lustige Abenteuer, und lässt es ordentlich krachen: Erst fünf Gläser Nutella, ganz allein für sich selbst! Dann einen dicken Kuss von Keks, dann sogar Mehrfachsex mit einem Ex-Model, und Schluss sogar Drogen und eine richtige Entführung!! Und was stellt der kleine Bär dann fest, und was ist sein eigentlicher Traum?
Sie leben unten am Fluss neben dem großen Baum. Sie wohnen in einem kleinen gemütlichen Haus mit Schornstein. Beide sind die besten Freunde. Pitschi geht jeden Tag beim Seppelpeter zur Arbeit und Summbiene strickt einen Strampler für den kleinen Dennis.
So weit, so schlecht. Aber richtig peinlich wird’s erst, wenn’s zur Sache geht.
„Doch als ich nach einem kurzen Besuch im Bad zurück ins Wohnzimmer komme, und sich mir eine nackte Luna auf der Ledercouch präsentiert, da verschlägt es mir doch die Sprache. In ihren kniehohen schwarzen Lederstiefeln und einem schwarzen Spitzen-BH lächelt sie mich an… Der winzige schwarze Spitzenslip mit einer handgroßen Tätowierung…: all dies ist ein bisschen viel für den kleinen Pitschi.“ (Seite 202)
Wow, so viel Leder, soviel Spitze, und was die Nackte, die auf Seite 207 dann sogar „splitterfasernackt“ ist, so alles anhat! Und ein Slip mit Tattoo drauf… schon verrückt, diese argentinischen Ex-Models.