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Hexentanz: Roman

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Stefanie und Christian fliehen vor den hohen Münchener Mietpreisen und kaufen sich ein bescheidenes Reihenhäuschen im erweiterten Münchener Umland. Die seltsamen Hinterlassenschaften der Vorbesitzerin, die sie in ihrem neuen Haus finden, und der mysteriöse Tod einer Nachbarin schrecken die beiden zunächst nicht ab. Alles scheint Das Paar findet schnell Anschluss, und die geknüpften Kontakte beflügeln Christians Karriere. Als sich jedoch mysteriöse Ereignisse häufen, muss Stefanie feststellen, dass ihr neues Umfeld weniger beschaulich ist, als es zunächst den Anschein hatte.Dunkle Ängste beginnen die junge Frau zu plagen, und irgendwann ist sie sicher, dass die ungelösten Morde, die im Verlauf der letzten Jahrzehnte in der Stadt begangen wurden, mit dem seltsamen Verhalten ihrer Nachbarinnen zusammenhängen. Als Stefanie beginnt, Nachforschungen anzustellen, stößt sie auf ein Geheimnis, das ebenso unglaublich wie gefährlich ist.

255 pages, Paperback

First published January 1, 1997

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Frank Goyke

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Profile Image for Klaus Mattes.
730 reviews10 followers
February 21, 2025
Ost-Berliner Bezirke wie Friedrichshain und Prenzlauer Berg, Ende April, Anfang Mai, zum Ende der neunziger Jahre hin; Genre: Mord-Krimi im Umfeld der Walpurgisnacht-Unruhen der Autonomen.

Tja, da hatte ich mir die in Goodreads angezeigte Inhaltsangabe durchgelesen, bevor ich dieses Buch, antiquarisch, bestellte. Hätte ich nicht tun sollen, denn das oben beschriebene Buch mit einem Ehepaar ist gar nicht dieses. Mag schon sein, dass der Text sich auf die angeblich zweite Ausgabe des Romans bezieht, aber die meine ich auch nicht, denn es gibt gar keine andere Ausgabe von Frank Goykes „Hexentanz“ als die mit dem nebenan angezeigten Titelbild.

Ich dachte, es würde sich um etwas mit einem Ehepaar und um einen Okkult-Thriller handeln. Doch es ist, ganz einfach, der siebte von den Dietrich-Kölling-Krimis, also ein weiterer Ossi-Krimi. Zwar ist der seit ewigen Zeiten verwitwete ältere, dicke, barsche Kommissar aus Hannover gekommen, hat aber erst einmal in Leipzig Dienst getan, wo der Autor studiert hatte, und dann im Osten Berlins, wohin der Autor und sein Verlag gezogen waren. Kölling-Krimis sind aber keine „Berlin-Bücher“, sondern sie sind Post-DDR-Bücher, die was mit der zunehmenden Unzufriedenheit von ehemals noch an Fortschritte der Humanität glaubenden Ostdeutschen mit dem Umbau ihrer Heimat ab 1990 zu tun haben. So nun auch hier. Man wohnt noch in den mächtigen Betonblocks am Ende der Karl-Marx-Allee, schickt die Söhne auf die „Erste Oberschule“ und wird von einer von westdeutschen Gangstern aufgezogenen Beschäftigungsgesellschaft für sozialen Umbau übers Ohr gehauen.

Übrigens steht außen auf dem Buch zwar viel Lob von Journalisten über frühere Arbeiten des aus Mecklenburg stammenden Serienschreibers Goyke, auch ein der Spannungsmache dienendes Zitat aus dem Roman, aber absolut nichts von dessen Handlung. Das Umschlagbild ist nicht übel, hat mit dem Buch, das man dann liest, aber kaum noch was zu tun. Auf der ersten Seite lässt Goyke zwar die Hexen gleich aufmarschieren, um Hexen geht es danach aber überhaupt nicht mehr, sondern, wenn überhaupt, um Vampire vielleicht noch.

Ich bezweifle, ob ich dieses Buch gewollt hätte, wenn ich hätte ahnen können, was sein Hauptthema ist. Ich habe schon länger einen regelrechten Hass auf deutsche Krimi-AutorInnen entwickelt, die sich wüste, extrem brutale Hirn-Filme vom sexuellen Missbrauch von Kleinkindern ausdenken, sodass sie also „engagiert“ schreiben und doch auch noch „sehr hart“ sind – und dann dient das aber nur dazu, einen schwachen Mord-Plot abzustützen, der ohne Tragödien-Brei von Anfang an sehr durchschaubar und dazu auch noch unglaubwürdig gewesen wäre. Ich fürchte dieser, der vierte Kölling-Krimi, den ich in letzter Zeit gelesen haben, überzeugt mich gerade davon, vom Serienautor Frank Goyke besser nichts mehr zu kaufen.

Fragen wir mal, wieso ich Goyke überhaupt mehrfach gelesen habe, wenn ich doch nie wirklich happy dabei wurde. Es liegt daran, dass er ein sehr solider Handwerker ist. Er weiß genau, wie man Milieus schildert und wie man Spannung weckt. Er arbeitet zielgerichtet und funktional. Ein Profi, der, wie auch die Kritiker sagten, international mithalten kann.

Dann aber auch noch wegen der schwulen Untertöne oder Randepisoden, die es öfters gab. Dieses wiederum, auch hier, im Zusammenhang mit Goykes Hinblinzeln zu männlichen Minderjährigen, Jugendlichen, Schülern, die selbst dann gar nicht schwul sind. (Vor 30 Jahren gefiel mir mal eines dieser Bücher sehr gut, ich weiß aber nicht mehr, war es „Felix mon amour“, war es „Dummer junge, toter Junger“, war es „Knaben Liebe“? „Der kleine Pariser“ war es nicht, wie ich inzwischen gemerkt habe.) Und in diesem Zusammenhang schaut man sich ein wenig um und liest noch einen Martin Arz aus München, der seine Bücher extrem aufbauscht und mit viel sprachlicher Redundanz verstopft. Oder den (West-)Berliner Markus Dullin, der auch die ostdeutsche Provinz entdeckt hat, aber zu stilistischer Schwächlichkeit neigt und sie mit lächerlich übersteigerter Brutalität kurieren möchte. Kurz: Im Zweifel nehmen wir dann den, der schreiben kann – und das kann Goyke.

Ich war beim „Hexentanz“ schon mal erlöst, als ich sah, dass Goyke auf die vermaledeite Serienkiller-Geschichte und die wechselnden Erzählerperspektiven verzichtet hat. Mit dem erotisch inaktiven, optisch unscheinbaren, mental ziemlich zynisch unterwegs seienden Kommissar, der sich einen Spaß daraus macht, das von ihm durchaus geschätzte Team mit Scherzen über deren DDR-Vorleben aus der Reserve zu locken, haben wir noch einmal das alte Kommissar-Maigret-Schema. Der Ermittler ist der genialste nun wirklich nicht, aber er ist rechtschaffen und er opfert seine Freizeit, um die in den Akten auftauchenden Zeugen und Verwandten der Mordopfer zu Hause in den Wohnzimmern und Kneipen zu besuchen und „Atmosphäre“ zu schnüffeln. Diesem Konzept steht das Anfang der 1990-er Jahre von den Amerikanern übernommene Serial-Killer-Format entgegen. Naturgemäß ist der Serial Killer eben nicht ins sozialen Umfeld seiner Opfer eingebunden, er hat an sich auch gar kein valides Motiv, sondern er ist gaga, rücksichtsloser Sadist.

Indem die Konzeption einer „Serie des Schreckens“ zu Objektewahl nach Zufallsprinzip führt, müsste so ein Killer-Thriller sich den „Jeder könnte es gewesen sein“-Täter als dauerhafte Möglichkeit offenhalten. Dagegen will ein Maigret-Buch, dass dem Leser eine leicht überschaubare Zahl von Figuren erst vorgestellt und dann mehrfach befragt wird - und einer, aber auch nur einer, von diesen es am Ende dann auch wirklich war. Wenn dann die Goyke-Romane ziemlich lange auf der Stelle treten, der Autor derweil Frotzelei und Zynismus seiner Polizisten abfährt, so eine Art ins ungezogene Fäustchen grinsender Comedy, was ja der Aufklärung nicht unbedingt dienlich ist, dann geht dem professionellen Schreiber auf, dass er den Herzschlag des Lesers beschleunigen sollte, also: Griff in die Horror-Kiste (Arz und Dullin taten es auch, sogar noch mehr, nur schlechter geschrieben). Kapitel kommen dazwischen, wo der Lesende sich im Hirn des Killers findet, der sich überlegt, was er als Nächstes töten könnte. Genau besehen bringen solche Kapitel aber gar nichts, weil der Autor sich nicht gestatten kann, diese Person je wirklich Kontur bekommen zu lassen. Er soll ein Monster, die Hexe, der Vampir bleiben.

Und hier endlich mal kein Serienmörder und kein ständiges Hin- und Herschalten zwischen einem Verrückten und den im Dunkeln tappenden Polizisten. Das Buch bewegt sich voran an der Seite Köllings und seiner Assistenten Becker und Blessing. Los geht’s in der Nacht vom 30. April auf den Tag der Arbeit, wenn die Berliner Chaoten sich für den Straßenkampf mit den „Bullen“ aufstellen und dem ersten (von schließlich mehreren) Schuljungen ein Stahlstift vom Rücken her ins Herz getrieben wird.

Das sieht interessant aus. Um Autonome geht es Goyke aber gar nicht, das wäre ihm zu westlich. Kölling gerät mit seinen Vorgesetzten in Konfrontation und in Gefahr, sich in die knabenhaft wirkende Mutter eines der ermordeten Jungen zu verknallen. Und dann wird eine grausame, arg platte Kindesmissbrauch-Story durchgezogen, die Täter, aber ja doch, aus dem Westen. Und wieder die Sache mit der staatlich geförderten Schwindler-Firma, die junge Problemkinder ausbeutet, wie das in „Grüße vom Boss“ auch schon mal so ähnlich war. Und noch weniger Kriminalpolizisten-Arbeit als in anderen Kölling-Geschichten. Nämlich bloß, dass der Kommissar nicht einschlafen kann, nachts im Auto vor dem Block wartet, in dem besagte Mutter wohnt, dort fällt ihm ein mit Drogen vollgepumpter Jüngling auf, der sich auf der Straße auszieht und zu tanzen (Hexen?) beginnt. Als Kölling ihm beispringt, brabbelt er wirres Zeug, das auf sexuellen Missbrauch hinweist und somit den ganzen Fall sofort dreht. Bravo, tolle Arbeit, Chef!

Und das war noch nicht alles. Erstmals bei diesem Buch beschlich mich der Verdacht, ob Frank Goyke damals schon, über Jahre verteilt, auf einer Art Post-DDR-Mentalitätsverschiebungs-Pfad zu finden war, der zu den exorbitanten Erfolgen faschistischer Politiker bei ostdeutschen Wählern führte. (Denen Kindesmissbrauch-Meldungen nie brutal-sadistisch genug sein können, weil sie das erwünschte Wasser für die Mühlen des rechtsextremen Populismus liefern.) Da macht er uns erst klar, dass die DDR die Berliner mit guten Wohnungen, guten Schulen, guten Lehrern versorgt hat, der Westen die Kinder dann mit Drogen und Arbeitslosigkeit überschwemmt. Dann kommt eine von Journalisten und Sozialarbeitern unter Druck gesetzte Bürokratie ins Bild, kommen kapitalistische Profitschneider, Steuermillionen werden in mehr oder weniger sinnlose Jugendanimationsprojekte gebuttert, bei denen irgendwelche behördlich gedeckten Pädophilen ihre Finger drin haben.

Und dann setzt Kölling zu einem seiner gewollt aneckenden Bürovorträge an. Das mit dem Multi-Kulturellen funktioniere schon mal überhaupt nicht, werde es nie, könne es nicht. Wenn zwei Kulturen extrem unterschiedlich sind in ihren Werten, können sie nicht friedlich koexistieren. Wenn die einen das Grundgesetz und das Strafgesetzbuch haben, die anderen die Scharia, wo man Dieben die Hand abhackt, untreue Frauen auspeitscht, Schwule steinigt, sind die Rechtsvorstellungen unvereinbar, die Menschen passen also nicht hin.

Und wo genau lesen wir so was? In einem Buch, in dem kein einziger Muslim jemals auftaucht. In dem es keinen einzigen Berliner Türken gibt. Nur einen kaffeefarbenen, schönen Jungen, weil sein Vater, als DDR-Vertragsarbeiter, weit aus dem Westen, nämlich aus Kuba gekommen war und eine Berlinerin geheiratet hatte. Treffsicher wie ein stählerner Stich von hinten ins Herz. (Geraume Zeit schreibt Goyke keine Krimis mit schwulen bzw. päderastischen Anklängen mehr, sondern hat einen ihm eigenen Post-DDR-Heimatstil entwickelt. Historische Rostocker Hanse-Krimis, Fritz-Reuter- und Theodor-Fontane-Krimis. Ich glaube, die schenke ich mir dann.)
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