Dieses Buch ist basically Wekwerths Antwort auf eine Frage, die nie gestellt wurde. Aber fangen wir von vorne an. Ich las Teil 1 dieser Dilogie vor circa 8 Jahren und habe ihn innigst geliebt. Ich weiß nicht genau, ob ich es heutzutage auch noch so feiern würde...aber dieses Buch war alles, was mein 14jähriges Ich sich gewünscht hat..und mehr. Und dann das Ende.woha, es hat mich zerstört.
Dieser zweite Band setzt nun relativ nahtlos an den Begebenheiten von Band I an. Meine Angst, nicht mehr in die Geschichte rein zu kommen war dabei unbegründet, da die wichtigsten Personen und Begebenheiten noch einmal geschildert werden - ich habe nicht da Gefühl, Aspekte der Handlung nicht verstanden zu haben.
Der Schreibstil war wieder sehr flüssig und durch die kurzen Kapitel konnte das Buch in Rekordzeit weggesuchtet werden. Generell erachte ich den Autoren im Vergleich zu anderen deutschen Autoren als sehr verkannt und unterschätzt, da er es wirklich vermag, spannende und mitreißende Settings mit nur wenigen Worten zu erschaffen.
Die Handlung bewegt sich weitgehend im Rahmen dessen, was wir alle im Zuge des Twilight/CityofBones-Hype gelesen und geliebt haben: Urbanfantasy mit tooooollleeem Hauptprotagonisten, der ahnungsloses Mädchen in seine Welt zieht - hier allerdings vermischt mit Engelaspekten (die aus theologischer Sicht ziemlich gut ausgearbeitet sind; die Theologin in mir ist zufrieden, eine derart gut ausgearbeitete Darstellung vorgelegt zu bekommen). Die Protagonisten lara und Damian haben mir im großen Ganzen wieder sehr gut gefallen, auch wenn Damian insgesamt etwas blass und stereotyp wirkte. Auch die anderen Charaktere, deren POV man immer wieder einnahm, waren interessant, auch wenn auch sie mir teilweise etwas zu klischeehaft und konstuiert wirkten. Klassisches Beispiel: Ben und Danas - gerade der Gesinnungwechsel von Danas ging mir vieeeel zu schnell.
Ein weiterer Kritikpunkt besteht eindeutig in der doch recht altbackenen Sprache des Autoren bzw seiner eigenwilligen Art, Dinge zu formulieren....kennt ihr das, wenn man ein Buch liest und direkt merkt: Der Autor ist Deutsch :D Hier war dieses Gefühl für mich wieder seeeehr präsent, was sowohl an einigen merkwürdig dialektalen Wendungen als auch daran ersichtlich wurde, dass ALLE Protagonisten ausnahmslos "typisch deutsche" Namen hatten...ob nun Fabian, Ben, Lara, Isabel, Mona, Jessi oder Martha...die ganze typische Klasse 5a war vorhanden :D In Zeiten einer gewissen Diversity-Kultur hätte es mir gut gefallen, vielleicht auch mal von einem nicht "typisch deutschen" Charakter zu lesen, wenngleich der Autor insofern schon fortschrittlich war, als dass eine seiner Protagonistinnen lesbisch zu sein schien (dies wurde aber nicht konsequent ausgearbeitet). Zu den merkwürdigen Wendungen des Autoren kommt auch hinzu, dass er sehr stark versucht, die jungen Leser moralisierend zu beeinflussen (was ich generell sinnvoll finde, da Wertevermittlung immer gut ist, hier jedoch über das Ziel hinausschoss). Vieles war einfach nur stumpfsinnig und erinnerte an typische Elternsprüche "Ihre Lederjacke war cool, keine Frage, aber für die tiefen Temperaturen ungeeignet" - UFF. Danke Papa, für diese Lebensweisheit...was für ein bullshit. Als ob IRGENDJEMAND im Winter vor seinem Schrank steht und sich denkt "Herr Wekwerth hat mich in Damian daran erinnert, dass es uncool ist, zu frieren! Dann mal schnell meine dicke Jacke herausholen".
Mein größtes Problem mit diesem Buch allerdings war der Plot selbst. Er war spannend, weitgehend sinnvoll (wenn auch mit einigen Plotholes) und interessant...aber im Wesentlichen unnötig. Die einzig relevante Frage, die hier am Ende abgearbeitet wird hätte man LOCKER noch in 1-2 Kapiteln in Band I unterbringen können...wirklich, mehr war da nicht, da etwa 90% dieses Buches zwar nett zu Lesen aber für den Fortgang der Handung absolut irrelevant war. Das ganze Buch bereitet auf die abschließende, krasse Situation vor....die dann in 3 Sätzen (und ohne jede Logik) abgearbeitet wird. Wirklich..diese 3 Sätze hätte man in Band I auch noch unterbringen können. Generell gibt das Ende einfach 0 Sinn und dient einzig dazu, ein Happy End zu simulieren, das so nicht zur Geschichte passt. Ich wünschte mir wirklich, der Autor hätte den Mut gehabt, es bei Band I zu belassen...denn das Ende war einfach perfekt. Stattdessen wurde hier mehr schlecht als recht versucht, alles irgendwie zum Guten zu wenden, was tatsächlich 400 Seiten erfordert hat, die man sich hätte sparen können.
Fazit also: Wer eine lockerleichte Urbanfantaygeschichte für zwischendurch sucht, ist hier genau richtig und sollte definitiv zu dieser Reihe und dem genialen ersten Band greifen. Die Reihe ist insgesamt spannend, interessant und süchtig machend. Wer aber mit dem Ende von Band I leben kann, sollte nicht zu Band II greifen, da der wenig Neues bringt und das dagewesene irgendwie ein wenig runterzieht.