Liebe und Tod an der Eigernordwand – und eine außergewöhnliche Frau, die ihrer Zeit voraus ist
Oberbayern, 1936: Die junge Lehrerin Hedi hat die Leidenschaft fürs Bergsteigen von ihrem verstorbenen Vater geerbt. Zusammen mit ihm und den beiden Brüdern Thomas und Anderl, den Söhnen eines guten Freundes ihres Vaters, hat Hedi bereits viele Gipfel und Wände der Alpen bezwungen. Als sie eines Morgens in der Zeitung liest, dass eine natürlich ausschließlich männliche französische Seilschaft im Juli 1936 zum ersten Mal die Eigernordwand, die in Fachkreisen als das »letzte Problem der Alpen« bezeichnet wird, durchsteigen will, ist sie wie elektrisiert. Sie sieht die Chance, der Welt zu zeigen, dass eine Bergsteigerin nicht weniger kann als ihre männlichen Kollegen. Gemeinsam mit Anderl, Thomas und derem Bekannten Hias stellt sie sich der Herausforderung – doch nicht nur der Berg birgt viele Gefahren. Das politische Klima im Land ist angespannt, und als Hedi und Thomas sich endlich näherkommen, scheint ihr Glück nur von kurzer Dauer ...
Dieses Buch macht mich wahnsinnig. Meine Meinung über die Geschichte hat sich während des Lesens regelmässig um 180° gedreht und leider muss ich sagen, dass das Ende dann wirklich HART REINGESCHISSEN HAT. Wär mir mein Tolino nicht so viel wert, hätt ich ihn durch den Zug geschmissen, ganz ehrlich…
Also, warum dann trotzdem 3 Sterne? Weil ich solche Geschichten doch irgendwie mag. Ich hatte von Anfang an die Erwartung, dass das ein Friede-Freude-Eierkuchen-Buch wird und bis zu einem gewissen Punkt war ich wirklich davon überzeugt, dass ich damit absolut richtig liege. Aber dann passierte die Eigernordwandbesteigung und sie endete dramatischer als gedacht. Ich hätte dem Buch wirklich nicht zugetraut, dass „zwei“ Personen sterben, eine davon sogar der Verlobte der Protagonistin. Als Thomas abstürzte war ich wirklich schockiert - und die Szene war verdammt gut geschrieben, das muss man ihr lassen. Aber ich hab mir die ganze Zeit gedacht… das könnte jetzt so ein Buch sein, wo er wie durch ein Wunder doch überlebt… Wer würde schon in so einem Unterhaltungsbuch den Verlobten der Protagonistin sterben lassen? Aber es vergingen Wochen und Thomas wurde weder tot noch lebendig gefunden… Und Hedi hat ständig das Gefühl, dass er noch lebt. Und dann finden wir raus, dass sie von ihm schwanger ist. Die perfekte Erklärung für ihr Gefühl, denn er lebt ja irgendwie in ihr weiter! Ich fands schon ein bisschen over the top, dass sie Schwanger war, aber okay, irgendwie machts Sinn. Und sie heiratet Thomas‘ Bruder, um keine alleinerziehende Frau zu sein, so während dem aufsteigenden Nationalsozialismus und so… Thomas‘ Bruder wiederum heiratet sie als Alibi, um nicht auffliegen zu lassen, dass er actually schwul ist. Als das rausgekommen ist, war ich übrigens auch echt überrascht. Gewisse Wendungen waren halt wirklich nicht so vorhersehbar, und das habe ich echt gemocht. Auch der Schreibstil ist sehr einfühlsam und packend. Aber dann kamen die letzten 20 Seiten. Ich war wirklich schon überzeugt, dass mich das Buch positiv überrascht hat & es realistischer und lebensnaher ist als ich ursprünglich dachte. UND DANN STEHT FUCKING THOMAS NACH MOOONATEN RANDOMLY VOR DER TÜR UND IST DOCH NICHT TOT!!! Und die Begründung ist einfach so absolut konstruiert und unrealistisch, dass es mir wirklich das ganze Buch kaputtgemacht hat. Das hätte echt nicht sein müssen. Die Geschichte wäre gut gewesen, so wie sie war… Und dass auf der allerletzten Seite Hedis beste Freundin sich auch noch als lesbisch outet, damit es aber auch wirklich für JEEEEDEN ein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende gibt, hat mir echt noch den Rest gegeben. Ohne die letzten 20 Seiten wären es 4 Sterne geworden, aber dieser Scheiss hats echt verkackt. Aber ich weiss, es gibt Leser, die genau ein solches Ende brauchen und gut finden, weil sie nicht auf das wahre Leben klarkommen & und für die ist das genau das richtige Buch. Noch eine kleine Anmerkung zur Kapiteleinteilung: Die war auch absolut random, manchmal behandelt ein Kapitel einen Tag auf 5 Seiten, manchmal werden 2 Monate in einem 50-seitigen Kapitel beschrieben. Hätte man auch ein bisschen einheitlicher machen können…
This entire review has been hidden because of spoilers.
Auch wenn Paul Preuss ein großer Bergsteiger war, lag er glücklicherweise mit seiner Meinung falsch. In Hedis Zeit waren allerdings noch viele Menschen dieser Meinung. Hedi hat von ihren Eltern die Liebe für die Berge geerbt und sich in ihrem kleinen Heimatort als Bergführerin einen Namen gemacht. Als sie liest, dass eine französische Seilschaft als Erste die Nordwand des Eigers besteigen will, fühlt sie sich ihres großen Traums beraubt. Denn eigentlich wollten ihr Vater und sie dieses gefährliche Unternehmen zusammen angehen, mit ihrer großen Liebe Thomas und dessen jüngerem Bruder Anderl.
Aber seit sie diese Pläne geschmiedet haben, ist viel passiert. Hedis Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen und Thomas hat sie verlassen und ist nach Berlin gegangen. Aber sie schafft es, ihn für den Plan ihres Vaters zu begeistern und die alte Seilschaft wiederzubeleben. Gemeinsam mit Anderl und seinem Freund Hias machen sie sich auf in die Schweiz, um noch vor der Seilschaft aus Frankreich als Erste die Eigernordwand zu durchsteigen.
Birgt Zimmermann erzählt viel in ihrem Buch: zum einen die Geschichte von Hedi und Thomas, die trotz der Trennung noch nicht vorbei ist. Dann ist da das Rennen um die erste Durchsteigung der Eigernordwand und die Frage, wie und ob Frauen am Berg überhaupt einen Platz haben. Die Geschichte spielt 1936 und die immer größer werdende Bedrohung durch den Nationalsozialismus spielt auch eine Rolle. Besonders, weil Hedi als Bergsteigerin von der Partei als Vorbild für die deutschen Frauen missbraucht wird. Eine Rolle, in der sie sich mehr als unwohl fühlt.
Jede dieser drei Geschichten wäre ein eigenes Buch wert gewesen. Dass sie in einem erzählt werden, führt dazu, dass keine von ihnen ausreichend erzählt wird. Mir hat bei jeder das kleine bisschen Mehr gefehlt, dass für mich die Erzählung wirklich rund gemacht hätte. Es ist nicht so, dass mir das Buch nicht gefallen hat, aber mir hätte es besser gefallen, wenn sich die Autorin auf eines der Themen konzentriert hätte.