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O.S.

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Perfect Paperback

First published January 1, 1929

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Profile Image for Tom K..
73 reviews10 followers
January 31, 2026
Dieser Roman erschien 1929. Sein Thema ist der Kampf um Oberschlesien nach dem Ersten Weltkrieg. Im Versailler Vertrag war festgelegt worden, dass in den Industrie- und Bergbauregionen Oberschlesiens, in denen auch ein erheblicher polnischer Bevölkerungsanteil lebte, eine Volksabstimmung abzuhalten sei. Diese wurde 1921 unter alliierter Aufsicht durchgeführt, das Ergebnis war, dass 60 % beim Deutschen Reich verbleiben wollten, 40 % einen Anschluss an Polen erstrebten. Für die Deutschen war das Ergebnis erfreulich, jedoch war die Sache damit nicht beendet. Von polnischer Seite aus drangen Aufständische gewaltsam vor, die einen Anschluss an Polen erzwingen wollten. Zugleich bildeten sich deutsche Freikorps, die die Region für Deutschland verteidigen wollten. Es kam zu gewaltsamen und brutalen Zusammenstößen. Die Alliierten drängten auf eine Teilung des Abstimmungsgebiets. Zwar gab es im östlichen Oberschlesien Regionen, die mehrheitlich für Polen votiert hatten. Mittendrin lagen aber deutsch dominierte Städte wie Kattowitz, Beuthen oder Königshütte, die bei der erzwungenen Teilung an Polen fielen, ebenso wie 90% der Kohlevorkommen.
Die Reichsregierung wurde bezichtigt, eine Erfüllungspolitik gegenüber den Siegermächten zu verfolgen. Es sind Berge von Papier darüber geschrieben worden, ob die Teilung des Gebietes rechtmäßig war oder ein himmelschreiendes Unrecht. Durch die spätere Geschichte und den völligen Verlust Schlesiens wurden diese Diskussionen überdeckt. Für viele Jahre aber war die erzwungene Teilung Oberschlesiens eine offene Wunde und eine Ursache für deutsche Ressentiments gegenüber Polen und den Alliierten.

Der Roman von Arnolt Bronnen ist ein Zeugnis dieser Ressentiments. Er ist aus einem Geist der Empörung geschrieben, aber zugleich ein beeindruckendes Dokument der Ereignisse und des Furors, der seinerzeit in Schlesien wütete. In rasantem Tempo, mit expressionistischer Verve folgt man einigen Figuren durch die blutigen Kämpfe. Die Identitäten verschwimmen, Menschen mit deutsch klingenden Namen schlagen sich auf die Seite der Polen, Menschen mit polnischen Namen auf die der Deutschen. Im Zentrum stehen der Staatsanwalt Dr. Hoffmann, der Mechaniker Krenek und der Kämpfer Bergerhoff. Die Handlung ist rasant, verwirrend, temporeich und zugleich fragmentiert. Immer wieder werden Frontverläufe und mögliche Demarkationslinien diskutiert. Das macht es etwas schwergängig.

Fazit: ein wichtiges Dokument einer heute (fast) vergessenen Episode der Zwischenkriegszeit. Vieles hat mich an die Romane von Szczepan Twardoch erinnert, den großen polnischen (schlesischen!) Autor, der besonders in seinen Romanen "Demut" und "Drach" die schlesische Geschichte aufgreift. Diese halte ich heute für ungleich lesenswerter.
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