Ich bin mir nicht sicher ob dieses Buch schon schlimm genug für the-poop-shelf ist, denn da verfrachte ich normalerweise nur Bücher hin, von denen ich mich persönlich beleidigt fühle. Dabei ist die größte Last, die sich Drachenklingen zu schulden kommen lässt, dass es furchtbar langweilig ist. Gut, es ist auch noch furchtbar geschrieben, aber der Inhalt ist wenigstens lediglich öde und nicht derart frei von Verstand, dass es mich gegraust hätte, das Buch in die Hand zu nehmen.
Also Hut ab, Buch, du hast es immerhin geschafft mich nicht menschlich anzuwidern. Auch wenn es ab und zu sehr knapp war.
Dass es noch schlimmere Bücher gibt ist aber wiederum auch nicht unbedingt ein Kompliment für dieses Machwerk. Eigentlich hätte das ein cooles Buch sein sollen. Keine hohe Literatur, und definitiv hätte ich auch keine hohe Schreibkunst gefordert, aber: Drachen in Verbindung mit Musketieren hätten zumindest unterhaltsam sein sollen, unabhängig davon, wieviele gerade Metaphern der Text stricken kann. Allerdings, hier stimmt einfach gar nichts: Die Charaktere sind halbe Klischees! Nicht mal vollkommene Klischees, denn die meisten Klischees haben noch irgendwelche Seiten, denen man etwas Interessantes abgewinnen kann. Der klischierteste, albgehalftertste Grübel-Antiheld hat meistens noch den fatalen Fehler -- der dann oft heiter gering ausfällt, aber wenigstens kann man sich darüber amüsieren.
Die Helden dieses Romanes meistern jede Hürde mit Bravour. Selbst schwerverwundet metzeln sie noch Gegner in Scharen nieder, erfüllen ihre Mission und sehen selbst verschrammt und blutbefleckt allesamt noch supersexy aus.
Und während sie das alles tun, bleiben sie vollkommen seelenlos. Da helfen auch die vielen Anspielungen auf ihre stets dramatischen, verworrenen Vergangenheiten nichts, die allesamt so vage bleiben, dass es den gleichen Effekt hätte, als hätte man nie auch nur einen Satz darüber verloren.
Überhaupt geizt das Buch nicht mit Anspielungen auf Vergangenes, die allesamt ins Leere laufen, da sie wohl erst für die Folgebände relevant werden würden (wenn überhaupt. Ich glaube nicht, dass ich die Muße habe, herauszufinden, ob das wirklich so ist). All das führt nur dazu, dass man beim Lesen das Gefühl bekommt, dass diese angedeuteten Handlungen sehr viel interessanter sein müssen, als die eigentliche Handlung des Buches. Dumm nur, dass die eigentliche Handlung dadurch nicht spannender oder interessanter wird, sondern diese halbgaren Bezüge dem Leser nur deutlicher machen, dass in Drachenklingen nicht wirklich was passiert. Oder, na ja, das ist nicht ganz die Wahrheit: Es passiert schon etwas, aber das ganze wird so versatzstückhaft präsentiert, dass der Leser über 400 Seiten vergeblich darauf wartet, dass der Plot endlich durchstartet.
Spannung wird eher dadurch versucht aufzubauen, dass wirklich jeder Textabschnitt mit einem Mini-Cliffhanger endet, oder zumindest einem Satz der so formuliert ist, als würde er auf irgendwelche ominösen Geschehnisse in der Zukunft hindeuten, weil dieser Satz mit dem vorangehenden Inhalt eines Absatzes rein gar nichts zutun hat.
Letztlich war ich so auf diese Mini-Cliffhanger-Sätze dressiert, dass mir auch bei Abschlusssätzen wie "Marciac ging in den Pferdestall" der Dramatic-Chipmunk im Kopf rumspukte (wer weiß schon, was Marciac mit den Pferden so macht, wenn er allein ist? WER WEISS??).
Das gehört zu einer Subkategorie des Show-don't-tell-Prinzipes gegen das Drachenklingen mit großer Leidenschaft verstößt. Das zieht sich hin bis zu den Talenten der Hauptcharaktere. Angeblich sind die Klingen die besten auf ihrem Gebiet, aber ganz ehrlich: Ich will gar nicht ihre minderbegabten Kollegen treffen. Die Klingen sind ein dummer, arroganter Haufen, die zahlreiche Fehler begehen (siehe meine Status-Updates).
Die Missachtung des Prinzips steckt aber auch bereits einfach im Schreibstil. Hier nur ein Beispiel:
Dort erwartete ihn bereits ein zwielichtiger Mann.
Wer über diesen Satz nicht lacht, tut mir Leid. Einzelne Adjektive und Adverbien ersetzen auf jeder Seite, was bessere Bücher in liebevoll konstruierten Beschreibungen über ganze Absätze verteilen. Das einzige, wozu der Leser tatsächlich ein paar Details vor die Füße geworfen bekommt, die wenigstens versuchen so etwas wie eine Atmosphäre aufzubauen, sind historische Lokalitäten: Etwa Straßen oder Paläste, an denen die Helden vorbeikommen. Die jeweiligen Infodumps entlarven sich aber auch ziemlich schnell lediglich als Versuch Dumas' Schreibstil zu kopieren. Dummerweise sind solche Beschreibungen und Blicke in Vergangenheit und Zukunft der Schauplätze bei Dumas auch immer mit Informationen verbunden, die für das jeweilige Kapitel eine gewisse Revelanz oder zumindest einen Unterton mitliefern, der zur Stimmung der folgenden Szene passt. Diese Ebene fehlt den Beschreibungen in Drachenklinge.
Dass das Buch es sich dabei nicht nehmen lassen konnte auch halb fiktive Charaktere aus Dumas' Werk zu übernehmen wirkt eher wie blanker Hohn als wie eine Hommage. Die armen Kerlchen haben in diesem Schund nun wirklich nichts verloren.
Die kopierten Historienelemente und original erdachten Charaktere sind also schon mal nicht unterhaltsam. Wie sieht es da mit den Fantasyelementen aus? Immerhin handelt es sich hier um einen Drachenroman? Drachen kann man doch gar nicht öde gestalten?! Leider doch. Die Drachen in Drachenklinge tun nie irgendwas Drachiges. Sie sind Nachfahren von Drachen in Menschengestalt und verhalten sich auch wie Menschen. Die Oberschurkin, der wir begegnen, verfügt zwar über ein wenig Magie, aber mehr als ein Blutbad zur Verjüngung zu nehmen, und ein wenig Kauderwelsch aufsagen um einen Spruch zu wirken, der am Ende eh zu nichts führt, bringt auch sie nicht zustande. Die Schurken dieses Werkes hätten auch verkappte Werschnecken sein können und es hätte sich nichts verändert.
Dann gibt es noch drachenartige Tiere: Wyverne, die als Reittiere fungieren, im ganzen Buch aber nur zweimal auftauchen, das nur sehr am Rande. Und Dragune, im Prinzip kleine Drachen, die sowohl Brieftauben als auch Drachen sind. Letzteres ist eigentlich ne ganz coole Idee, aber wirklich viel sieht man von den Draguns auch nicht.
Oh, und dann gab's noch Dracs, die,... ööh, hab ich schon wieder vergessen. Die sind im Prinzip sowas wie ein herkömmliches Alien aus Star Trek, wo jeder Angehöriger einer Spezies dieselbe Persönlichkeit hat -- nur noch flacher. Sowas wie mid-series TNG-Klingonen aber ohne Sprechrolle oder Kultur.
Kurz und knapp: World-building bezüglich der Fantasyelemente ist so gut wie gar nicht vorhanden.
Drachenklingen ist der erste Roman einer Reihe, und wer weiß, vielleicht bessert sich alles im zweiten Teil. Aber Teil 1 hat mir nicht wirklich viele Gründe geliefert, um das wirklich herausfinden zu wollen.