Na sowas! Das darf ja nicht wahr sein! Das ausgerechnet Sie jetzt die Hinterseite meines Buches lesen! Wer hätte das gedacht? Gerade Sie, um genau diese Uhrzeit, in exakt dieser Buchhandlung - unglaublich. Wenn mir jemand vor drei Jahren gesagt hätte, dass wir einander hier begegnen, ich hätte es kaum für möglich gehalten. Aber nachdem der Zufall lediglich eine Wirkung ist, deren Ursache offensichtlich nicht in unserem Universium liegt, wundert es mich gar nicht so sehr.
Ich soll Ihnen von den Figuren aus den Geschichten dieses Buches die besten Grüße übermitteln. Reinhard Waldemar, der mitsamt seinem Burnout noch im Wellnesshotel in der Steiermark weilt, würde Sie gerne kennenlernen. Herr Kowalski würde Sie gerne auf seiner Quantenwahrscheinlichkeitswelle durchs Multiversum mitnehmen. Sollte Ihnen die Prinzessin auf der Erbse begegnen, nehmen Sie sich in Acht, sie ist etwas hysterisch. Hannes, er ist erst neunzehn, würde gerne von Ihnen getröstet werden, hat ihn doch seine Freundin vor kurzem verlassen. Der, der auszog das Fürchten zu lernen, lässt fragen, ob Sie Marihuana brauchen? Doreen lädt Sie zu ihrem Konzert ein. Penelope wartet in einem Stundenhotel auf Sie.
Geboren 1968 in Wien begann Michael Niavarani 1986 seine Karriere als Schauspieler im Graumann Theater und wechselte 1989 ins Kabarett Simpl, dessen künstlerische Leitung er 1993 übernahm. Michael Niavarani ist in zahlreichen österreichischen Fernsehserien, in Kinofilmen und natürlich auch in seinen Kabarett-Programmen zu sehen. Er wurde 2006 als beliebtester Serienstar, 2007 und 2008 als beliebtester Kabarettist mit dem österreichischen TV-Publikumspreis Romy ausgezeichnet. Seine Bücher Vater Morgana (Roman, 2009) und Der frühe Wurm hat einen Vogel (vermischte Schriften, 2011) führten wochenlang die österreichischen Bestsellerlisten an. Nach einem Roman, vielen Kurzgeschichten, einer Handvoll Kabarettprogrammen und unzähligen Sketches für den Simpel schreibt Michael Niavarani nun auch Theaterstücke, u. a. die Komödie „Reset – Alles auf Anfang“. Für seine Shakespeare-Komödien „Die unglaubliche Tragödie von Richard III.“ und „Die höchst beklagenswerte und gänzlich unbekannte Ehetragödie von Romeo & Julia – Ohne Tod kein Happy End“, seinem neuen Theaterstück, gründet er 2014 eigens dafür in Wien ein Shakespeare-Theater; das GLOBE WIEN. Michael Niavarani ist Kabarettist, Schauspieler und Autor, er hat eine Tochter und lebt in Wien. (Quelle: http://www.niavarani.at/biografie)
Man hört beim Lesen Michael Niavarani direkt reden ... Die einzelnen Kurzgeschichten sind zum Schmunzeln, zum Nachdenken oder zum Kopfschütteln, je nachdem in welcher Lebenslage man sich gerade befindet. Das Buch ist ein muss für alle Niavarani-Fans!
Ich liebe den Humor von Michael Niavarani. Die Abwechslung von subtilem, brachialem und oft auch fäkalem Schmäh funktioniert ganz wunderbar für mich, wenn ich Niavarani dabei sehe und höre. Wie ich jetzt festgestellt habe, verliert das Ganze aber sehr an Reiz, wenn ich es in Buchform vor mir habe. Der Erzählrhythmus passt nicht, untermalende Mimik und Gestik fehlen. Auch wenn er in der ersten „Geschichte“ (die noch keine ist) versucht, sich an das neue Medium anzupassen, indem er z.B. am Anfang einer Seite dafür lobt, wie toll man als Leser (egtl. Leserin) umgeblättert hat, funktionieren die Witze oft nicht. (Nett war aber der Hinweis, dass man nicht auf Seite 171 blättern muss, weil dort nichts stehen wird: Natürlich hab ich sofort zurückgeblättert um nachzuschauen, und … na ja, wenn Sie es noch lesen wollen, lassen Sie sich überraschen.) Übrigens habe ich seine Hommage an „Per Anhalter durch die Galaxis“ schön gefunden, aber halt leider auch nicht in der Durchführung, sondern nur als Zeichen der Wertschätzung von DNA. Daher für das Buch nur zwei von fünf. Nia auf der Bühne kriegt aber allemal alle fünf von mir, das steht fest.
So so la la. Einerseits passagenweise ganz lustig zu lesen, andererseits strotzt es wieder einmal von gedankenlos (bis manchmal "gedankenarm") verwendeten Floskeln und Formulierungen, die misogyn oder rassistisch sind. Dass der Nia das nicht böse meint, weiß ich. Aber er ist halt auch ein cishet Boomer, und die lernen oft recht schwer dazu. Er macht auch nach wie vor sehr gerne Witze über Körperteile und -funktionen unter der Gürtellinie, das schreibt sich sehr leicht. Und die Märchenland-Geschichte ist mir schon ziemlich lang vorgekommen. Ansonsten, so vom Genre und Stil her, könnte die Welt durchaus mehr wild strukturierte Bullshit-Bücher brauchen. So zum Kaffee.