Johnny Haeusler, 1964 in Westberlin geboren, schreibt mit geradezu britischer Trockenheit und Spaß über sein Leben als Mann, Musiker, Autor und Vater. In "I live by the river!" dokumentiert er in 15 Kurzgeschichten skurrile Erlebnisse in einem SM-Club, gibt hilfreiche Tipps zum Älterwerden, erinnert sich an die 1987er Moskau-Reise seiner Band, erklärt, wie er 1977 zum Punk kam und verzweifelt an Kindern, die in einem englischen Restaurant unbedingt über Hitler diskutieren wollen. Haeuslers Erzählungen sind dabei meistens wahr und oft spannend, vor allem aber nie langweilig.
Ich habe nie ernsthaft Spreeblick gelesen; wahrscheinlich deshalb musste ich mich an die Schreibe von Johnny Haeusler erst ein bisschen gewöhnen. Ich mag auch keine fortwährenden Kalauer -- ist einfach nicht meine Wellenlänge.
Trotzdem muss ich sagen, dass ich mit fortschreitendem Lesen immer mehr das Gefühl hatte, dass die Kalauer gedeckt sind von der Persönlichkeit dessen, der da schreibt. Und er hat ein paar wirklich schöne Miniaturen zustande gebracht damit, die sogar historischen Wert haben dürften.
(Es gab damals nämlich noch gar kein Internet.)
Vor allem wird mir einiges davon im Gedächtnis bleiben, und das ist für mich eins der einfachsten aber auch wichtigsten Kriterien bei einem Buch.
Zum Auftakt gibt es zwar ausgerechnet eine (trotzdem unbedingt lesenswerte und grandios lustige) Geschichte, die ich bereits als ersten Teil einer Trilogie von Spreeblick.com kenne - doch spätestens bei der zweiten und dritten Geschichte war ich kichernd versöhnt. Mit 99 Cent unfassbar günstig, dafür inzwischen bereits #6 bei Amazon. Faszinierend trocken, distanziert selbstironisch, erbarmungslos in der Selbstanalyse, amüsanter Zeitreisender in Sachen Punk-, Musiker-, Mann- und Vaterwerdung. Großer Lesespaß: kaufen! Nicht nur weil es ein Experiment ist.
Hat eine Weile gebraucht, bis ich mich auf den Stil einlassen konnte und vom "ich lese ein Buch (und hab allerlei Meinungen darüber)" auf den "ich höre mal Johnny zu, was er so zu sagen hat"-Modus umschalten konnte. Dann war's ein Genuss. Ich habe nie viel Spreeblick gelesen und auch keinen besonderen Bezug zu Johnny, so war's eine besondere Freude, ihn auf diese Weise kennenzulernen. Danke für's Schreiben, danke für das Kindle-Buchexperiment, große Empfehlung.
(Oh Rezension. Ja. 15 Geschichten aus Johnny Haeuslers Leben, erzählt von ebenihm. Macht Spaß. Kurzweilig. Lehrreich und weise manchmal auch, oho. Rock n Roll.)
Witzige Geschichten, die tatsächlich aus dem Leben des Autors zu stammen scheinen, locker geschrieben und kurzweilig zu lesen. Was sich hier jedoch von manch anderen witzigen Kurzgeschichten unterscheidet, ist, dass Johnny Häussler nie wirklich spöttisch wirkt, sondern auch Dingen, mit denen er nicht viel anfangen kann, ihren Platz und ihre Daseinsberechtigung, ja Verständnis, einräumt und niemanden verurteilt (bis auf die Wähler einer bestimmten Partei ;-) ).
Wirklich unterhaltsam, manchmal zum kichern komisch (sozusagen lol, im eigentlichen Sinne) ungewöhnlich und vielleicht auch gewöhnungsbedürftig aber keinesfalls unangenehm geschrieben. 15 Geschichten die mir gefallen haben, für nur 99 Cent absolut empfehlenswert z.b. für eine kurze bis mittlere Zufahrt.