Eher 3,5. Fritz Reuters Leben auf dem Lande ist vielleicht mein Lieblingsbuch, weil es genau meinen Geschmack trifft: 19. Jahrhundert, tolle Charaktere, viel Tiefe und ein unglaublicher Humor. Aus der Franzosenzeit ist drei Jahre früher entstanden und in allen Bereichen schwächer. Musste zwar auch teilweise laut lachen über die trotteligen Leute, aber weniger. Mein größtes Problem war dieses episodenhafte Durcheinander. Ich konnte die vielen Charaktere kaum auseinanderhalten, weil sie manchmal mit Namen aber hauptsächlich mit Jobbezeichnung genannt wurden. Ist vielleicht auch subjektiv, aber ich mochte den klaren Aufbau bei Leben auf dem Lande. Die Zeit ist natürlich sehr interessant. 1813 nach dem katastrophalen Russlandfeldzug und während französischer Besatzung. Da hätte ich mir gerne mehr gewünscht. Wie kamen die Franzosen zurück? Wie war die Stimmung? Auch die Völkerschlacht wird nur kurz abgehandelt. Beeindruckend aber wieder wie humorvoll und locker das Buch geschrieben ist, aber dass Reuter von einem zum anderen Moment die Stimmung kippen kann und emotional wird. Im Großen und Ganzen schon ein schönes Buch, aber hatte mir mehr gehofft.