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Bronsteins Kinder

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Damals, 1973, lebte Hans zusammen mit seinem Vater. Mit Martha, der Frau, die er liebte, fuhr er häufig zu dem Häuschen des Vaters vor der Stadt. Eines Tages fand Hans das Haus besetzt. Dies war der Beginn einer Geschichte, die sein Leben veränderte: In dem Haus wurde ein Mann gefangengehalten.

302 pages, Paperback

First published January 1, 1988

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About the author

Jurek Becker

36 books33 followers
Jurek Becker (* vermutlich 30. September 1937 in Łódź, Polen als Jerzy Bekker geboren[1]; † 14. März 1997 in Sieseby, Schleswig-Holstein) war ein deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und DDR-Dissident.

Jurek Becker (probably September 30, 1937 – March 14, 1997) was a Polish-born German writer, film-author and GDR dissident. His most famous novel is Jacob the Liar, which has been made into two films. He lived in Łódź during World War II for about two years and survived the Holocaust.

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Community Reviews

5 stars
65 (19%)
4 stars
131 (38%)
3 stars
108 (31%)
2 stars
28 (8%)
1 star
8 (2%)
Displaying 1 - 26 of 26 reviews
Profile Image for Semjon.
767 reviews503 followers
April 10, 2020
Darf einer, der mit dreißig Jahren geschlagen wurde, mit sechzig zurückschlagen? Ist man als Sohn eines Opfer des Faschismus auch ein Opfer? Bis zu welchem Lebensalter darf man sich noch als Vollwaise bezeichnen, wenn die Eltern nicht mehr leben?

Dies sind nur einige der vielen Fragen, die sich der 19jährige Hans Bronstein zwischen den beiden Sommern 1973 und 1974 stellt. Hans lebt mit seinem Vater in Ost-Berlin. Sie sind Juden, er macht gerade sein Abitur, der Vater ein ehemaliger KZ-Häftling, die Mutter früh verstorben und Hans ältere Schwester mit einer psychischen Erkrankung dauerhaft in einer stationären Einrichtung. Eines Tages entdeckt Hans, dass der Vater mit zwei weiteren Freunden seiner jüdischen Gemeinde einen ehemaliger KZ- Aufseher in Bronsteins Waldhaus gefangen halten und ihn regelmäßig brutal zu verhören. Hans überrascht die Männer bei ihrem Verhör und daraufhin bricht das labile Verhältnisse zwischen Vater und Sohn endgültig. Das ist die Handlungsebene im Sommer 1973.

Auf der zweiten Zeitebene genau ein Jahr später erfährt man bereits gleich im ersten Satz, dass Vater Bronstein plötzlich verstarb und Hans bei den Eltern seiner Freundin Martha eine Bleibe gefunden hat. Ich fand die ständigen Perspektivwechsel sehr gelungen. Hans stellt nicht nur die wesentlichen Fragen zu Schuld und Vergebung, sondern beantwortet sie auch für sich. Neben der Thematisierung der Verarbeitung der Familienvergangenheit ist es auch ein Buch über das Älterwerden, das Erwachsenwerden, der schwierigen Findung der Selbstverantwortung und ein Buch über Liebe und Hass.

Ich hatte keine große Erwartungen an den Roman, obwohl ich Jurek Becker aus Jugendzeiten noch gut in Erinnerung hatte. Irgendwann fiel mir die alte Suhrkamp-Ausgabe mal in einem öffentlichen Bücherschrank in die Hände und ich musste sie alleine schon wegen der farbigen Cover-Gestaltung zu meiner bestehenden Sammlung mit nach Hause nehmen. Der Roman war überraschend gut geschrieben, hatte einen tollen Spannungsbogen bis zum Ende und ließ der Phantasie aufgrund der wenigen offenen Punkte am Ende auch noch Platz zur Entfaltung. Ich kann nichts gegen das Buch aussetzen und daher bekommt es auch die volle Sternenzahl.
Profile Image for Dennis.
271 reviews16 followers
December 6, 2019
Bronstein's Children is a brilliant book about post-war Germany and it deserves more attention - both in Germany and internationally.

Set in the 1970s in East Berlin, the plot focuses on the 17-year-old Hans, the son of parents who survived the Holocaust, Elle, his 36-year-old sister who was hidden by her parents in the late 1930s to avoid deportation and was reunited with her parents only after 1945, and on Hans' and Elle's father Arno who has a strained relationship with his teenage son. One day, the shocked Hans discovers that his father and two other survivors kidnapped a man who worked as a concentration camps guard in Nazi Germany to torture and interrogate him...

Too few novels have been written (and read) in post-war Germany that focus on Jewish experience during or after the war. Jurek Becker, himself a Holocaust survivor, is an important voice in this discourse. At the same time, his writing refuses to be easily categorized.
Profile Image for Tilmann.
73 reviews3 followers
December 1, 2020
3,5 weil es cool ist.

Der Roman hat seine Stärken und Schwächen. Wo der Stil sehr ansprechend und readable war - mit Jurek Becker würde ich am liebsten ein Bierchen trinken gehen, so wie er schreibt - klang der Plot doch vielversprechender, als der Roman am Ende hergibt. Es fehlt an wesentlichen Hintergrundinfos zu den „Opfern“ und „Tätern“, zu 99% begleitet man den Protagonisten dabei, ob er die Tat seines Vaters aufdeckt oder nicht. Am besten war dann doch die in der Psychiatrie untergebrachte Schwester mit ihren irrwitzigen und zugleich authentischen Briefen.
Profile Image for Irinita.
173 reviews1 follower
May 13, 2025
Wunderschön geschrieben, ich konnte Bronsteins Kinder nicht aus der Hand legen. Fragen der Mittäterschaft werden hier in einer großen Bandbreite an Nuancen und in ihrer historischen Komplexität behandelt. Themen sind Gewalt, Rache und die Schwierigkeit des Sprechens über Traumata zwischen den Generationen. Ich bin besonders von der Metapher der Schlüssel fasziniert.

Der Roman zeichnet sich durch die Vielschichtigkeit der Charaktere aus. Die Familiengeschichte der Bronsteins hat mich sehr bewegt, insbesondere die Geschichte von Elle. Vater Arno Bronstein, der das Konzentrationslager Neuengamme vermeintlich "unversehrt" überlebt hat und eine Identifikation als Opfer des Faschismus ablehnt, wird in hoher emotionaler Komplexität dargestellt und seine Leidensgeschichte wird erst nach und nach enthüllt. Das jüngste Familienmitglied, Hans Bronstein, aus dessen Perspektive wir die Geschichte lesen, durchläuft eine interessante Coming-of-Age-Entwicklung: während er sich selbst anfangs als "fügsamer Kerl" beschreibt, überwindet er sich letztendlich, nach seinem eigenen moralischen Kompass zu handeln.

Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber Romane, die vor Smartphones und Digitalisierung geschrieben wurden, enthalten für mich eine ganz besondere Magie. Vielleicht war es auch die spezielle Zeitspanne an der Schwelle zwischen Abitur und Erwachsenwerden, die Hans hier durchlebt: Das Leben erscheint langsamer, verankert im Moment und nicht so gehetzt wie heute. Ich werde auf jeden Fall noch weitere Bücher von Jurek Becker lesen!
Profile Image for Natia Morbedadze.
838 reviews83 followers
May 19, 2025
მეორე მსოფლიო ომზე დაწერილი წიგნების უმეტესობა უშუალოდ ბრძოლის ველს ან საკონცენტრაციო ბანაკებს ეხება. ომის შემდგომი პერიოდი შედარებით იშვიათად გვხვდება. იურეკ ბეკერმა, რომელმაც თავად გამოსცადა ჰოლოკოსტი, გადაწყვიტა ეს თემა განევრცო, თუმცა, ვფიქრობ, ებრაული გეტოსა და მასში გამომწყვდეული "მატყუარა იაკობის" ისტორია ბევრად უკეთ გამოუვიდა. ჰანს ბრონშტეინის, მისი დისა და მამის ამბავი თითქოს პირველივე გვერდებიდან დაუმთავრებელია. კითხვისას გვიჩნდება სურვილი, რომ მეტი გავიგოთ მათ წარსულზე (რომელმაც მათ ფსიქიკას გამოუსწორებელი ზიანი მიაყენა), დატყვევებულ ნაცისტზე, წიგნის ყველა გმირზე, მაგრამ ეს არ ხდება...
5 reviews1 follower
November 21, 2023
Ein Roman welcher das Thema der Aufarbeitung der NS-Zeit in der Nachkriegszeit auf eine andere – unkonventionelle Art und Weise thematisiert. Kann ein Machtverhältnis was auf Menschenleben beruht umgedreht werden? Kann Rache den Schmerz schwächen oder gar ablösen?
Welche Maßstäbe erheben wir für die Legitimierung von Rache?
Unmengen an Fragen die sich durch den Roman gestellt haben und erneut anders auf den Umgang mit Tätern und Opfern in der Nachkriegszeit blicken lässt, die Komplexität ansatzweise versucht aufzuzeigen.

"Aber war zwischen Tat und Gegentat nicht so viel Zeit vergangenen, daß ein Affekt als mildernder Umstand nicht mehr in Frage kam? Darf einer, der mit dreißig Jahren geschlagen wird, mit sechzig zurückschlagen?" S.33.
Profile Image for Inga.
1,603 reviews63 followers
March 7, 2022
Audiobook-Rezension:

Bronsteins Kinder von Jurek Becker (1938-1997) erschien erstmals 1986. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des 19jährigen Hans Bronstein, ein Jahr nach dem Tod des Vaters 1973. Hans ist bei der Familie seiner Freundin Martha untergekommen, inzwischen sind die beiden nicht mehr zusammen und er findet seine Situation unerträglich und will ausziehen.
Gleichzeitig erinnert er sich an die Ereignisse vor dem Tod des Vaters. Eines Nachmittags trifft er im Wochenendhaus des Vaters auf eine für ihn unbegreifliche Situation: Der Vater quält dort zusammen mit zwei Freunden einen Gefangenen! Er findet heraus, dass dieser Gefangene ein ehemaliger KZ-Aufseher war, den die drei jüdischen Männer nun zu einem Geständnis bringen wollen. Hans begreift nicht, warum sein Vater dies tut, alle Versuche, mit ihm darüber zu sprechen, schlagen fehl. Die ohnehin schwer angeschlagene Familie - die Mutter schon lange verstorben, die Schwester in einer "Irrenanstalt" - zerbricht immer mehr.

Während Hans in der Gegenwart vorsichtig versucht, seine Zukunft in den Blick zu nehmen, durchlebt er in den Erinnerungen erneut, wie der Vater nicht bereit ist, mit ihm über die Ereignisse der NS-Zeit zu sprechen und dem Sohn jegliches Recht auf eine eigene Meinung verbietet und ihm gleichzeitig keine Chance gibt, seine Erinnerungen und jüdische Sichtweise auf die Vergangenheit kennenzulernen. Er grenzt den Sohn bewusst aus und zerstört damit die familiären Bande, die Hans sowieso kaum empfindet. In die Opposition getrieben und mit der Selbstjustiz der älteren Männer nicht einverstanden, entschließt er sich, den Gefangenen zu befreien. Im Wochenendhaus angekommen, findet er den Vater tot am Boden vor, vermutlich ist er an einem Herzinfarkt gestorben.

Die beiden Ebenen wechseln sich stets ab und werden noch ergänzt durch die Briefe der Schwester, die einen ganz eigenen, fast sphärischen Gestus haben. Trotz der vielen Zeitbrüche bleibt die Geschichte durchgehend im Fluss, entwickelt eine Dynamik, die den Leser mitnimmt. Es bleiben Leerstellen, Fragen nach dem Warum müssen selbst beantwortet werden, und ob Hans sein Leben erfolgreich wieder aufnehmen kann nach dem einen Jahr der Starre nach dem Tod des Vaters bleibt ebenfalls unklar. Er wirkt nach wie vor verloren - und zeigt damit eine fast unheimliche Ähnlichkeit zu seinem Vater, der nach seinen Erlebnissen im KZ nie wieder zu sich und seiner Familie zurückgefunden hat.

Obwohl mir der Erzählstil durchaus gefallen hat, bin ich dennoch froh, dass ich mir die Geschichte von Christoph Grube sehr bequem vorlesen lassen konnte und mich nicht durch das minimalistische Schriftbild meiner SZ Edition (Band 45) kämpfen musste.
Profile Image for Anni Kramer.
Author 3 books2 followers
February 8, 2022
I'm basically undecided on how to rate this book justly. Although it is a very well-written book, and I can't say that I didn't enjoy it in parts, much of the story seemed to be unfinished and even confusing. The book is about 18-year old Hans Bronstein (the name Bronstein wasn't mentioned at the beginning. I kept wondering when Brontstein's children would make an appearance), who finds out that his father is holding a former concentration camp supervisor hostage in a house in the forest, together with two other men. They even seem to be torturing the man. Hans' father had been in a concentration camp during the war, it is now 1973 and the father and his friends want to take revenge for their experiences in the concentration camp. Hans finds out about the "hostage" in the forest, but is undecided about what to do.
Hans' sister is in a physchiatric institute, she plays a small part in Hans' decisions and seems to be lucid at time, and confused at others.
The story skips back and forth in time, from before Hans' father dies to after he dies.
Becker deals with the horrors of the concentration camps for Jews during the war.
Yet there are many loose ends, and the story comes to a very unsatisfactory ending.
If I could, I would give it three and a half stars.
Profile Image for Giorgio.
17 reviews2 followers
September 10, 2022
Drei jüdische KZ-Überlebende rechnen viele Jahre nach Kriegsende ab mit ihrem früheren Wärter: Sie locken ihn in ein verlassenes Waldhaus nahe Ostberlins und machen ihm über Wochen den (aussergerichtlichen) Prozess. Der Sohn eines der Überlebenden deckt die Sache jedoch auf und erkennt auch die Sackgasse, in die sich die drei Erwachsenen manövriert haben, denn einerseits wollen sie ihre Geisel nicht töten, anderseits können ihn aber auch nicht freilassen.
Ansonsten dreht sich das Buch, das der Sohn in der Ich-Form erzählt, vor allem um die Freuden und Leiden eines Teenagers. Seine Mutter ist vor langer Zeit gestorben, seine Schwester ist psychisch krank und seit Jahren interniert und mit dem Vater hat er eine konfliktreiche Beziehung. Als dieser schliesslich stirbt, wird er, nunmehr ein Vollwaise, von der Familie seiner Freundin aufgenommen. Später trennt er sich von seiner Freundin und seine Wohnsituation wird ungemütlich.
Der Plot ist gut, aber einige Figuren wirken etwas blass, weil sie zu wenig entwickelt werden. Mir schien daher, dass der Roman einige Sprünge und Lücken aufweist. Insgesamt aber eine lohnende Lektüre.
Profile Image for marlmaeh.
5 reviews
July 9, 2024
- Zu viel versprochen -
Die Sprache, der Schreibstil, die kleinen Einzelheiten und die zeitlich hin- und herspringende Narrationen haben mir gut gefallen. Der Plot schien mir zudem höchst interessant, aber entpuppte sich im Laufe des Lesens als antiklimaktisch. Ich hatte erwartet, dass die Fragen nach Schuld, Verantwortung und Opfer sein viel mehr aufgegriffen würden. Stattdessen baut sich der Plot eingangs auf eine vielversprechende Weise auf und verliert dann mit jeder Seite stark an Brisanz. Ehrlicherweise ist der Protagonist auch einfach recht uninteressant. Ich habe während des Lesens die ganze Zeit darauf gewartet, dass er sich endlich etwas reflektierter und tiefgreifender zum Vorfall des Kidnappings äußert. Allerdings beschäftigt ihn hauptsächlich seine Liebschaft zu Rahel (in den Vergangenheitskapiteln) und die Wohnungssuche (in den Gegenwartskapiteln).
15 reviews1 follower
September 11, 2019
Had to read it for school and back then I did not like it.
After 10 years I think the book is a great novel which shows
how much the WWII can effect the people.
The chapters switch between years and I would suggest to always write down
which year the chapter is. The chapters themselves do not have any titles.
Profile Image for Elias K.M..
57 reviews1 follower
June 17, 2024
Damn. I don‘t know why but this was amazing. Horrible and very relatable narrator, lot of everyday thoughts made into literature. Even though not that much happened, I will be thinking about this one for quite a while. Elegant, beautiful German, I can‘t express it better. I should buy an extra copy just to beat up anyone who says German is an ugly language.
Profile Image for Ženija.
189 reviews3 followers
August 12, 2018
Dieses Werk ist gar nicht schlecht. Es gibt hier vor allem eine spannende Handlung und mehrere zitierbare Passagen. Habe auch manches über die jüdische Mentalität erfahren, wenn ich so sagen darf.
37 reviews2 followers
June 19, 2020
A wonderful example of confused loneliness. You can't like it. You can just say, it crept under your skin and lingered there till the end of the book.
16 reviews
May 22, 2022
Liest sich sehr spannend und kurzweilig, der Konflikt zwischen einem Juden aus dem Lager und seinem Sohn 1973 in der DDR .
Profile Image for Bozhidara Yotova.
14 reviews1 follower
February 27, 2025
would've been so easy to just add one paragraph telling us what tf happened 🙈
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Jodi.
2,295 reviews43 followers
June 28, 2015
Inhalt:

Vor einem Jahr ist Hans' Vater gestorben. Die Ereignisse, die dazu führten, waren die denkbar merkwürdigsten und treiben den jungen Mann noch immer um. Hans' Leben hat sich seither stark verändert und er kann nicht loslassen. Deshalb erzählt er, was damals 1973 geschehen ist...

Meine Meinung:

Zu Jurek Beckers "Bronsteins Kinder" habe ich ein zwiegespaltenes Verhältnis. Während mir "Jakob der Lügner" von Anfang an gefiel, hatte ich mit diesem Werk etwas mehr Mühe.

Natürlich merkt man auch hier sogleich Beckers erzählerisches Talent. Noch kein Buch, das ich bisher gelesen habe, hat die Nachkriegsgeneration so deutlich dargestellt wie dieses. Hans' Vater hat das Lager überlebt, aber den Sohn interessiert das nicht. Nach 20, 30 Jahren sollte das vergessen sein. Oder nicht? Wie lange dauert es, bis solche Wunden geheilt sind? heilen sie überhaupt jemals?

Dies ist das zentrale Thema dieses Werks. Hans und seine zerstörte Beziehung zu seinem Vater. Die Fragen, die aufgeworfen werden. Hans' Schwester Elle, die seit dem Krieg in der Irrenanstalt lebt. Dennoch erwähnt Becker die Geschehnisse des Krieges mit keinem Wort. Auch dieser Schriftsteller geht davon aus, dass der Leser eine gewisse Mündigkeit besitzt und weiss, was während des Zweiten Weltkrieges geschehen ist. Ausserdm zeigt dies auch Hans' Sichtweisen darauf - er geht dem Thema aus dem Weg. An keiner Stelle setzt er sich wirklich mit der Vergangenheit seines Vaters oder seiner Schwester auseinander.

Damit schafft Becker eine sehr dichte Stimmung und eine gewisse Faszination. Dadurch ist man fast gezwungen weiterzulesen. Doch genau da setzten meine Kritikpunkte an. Denn becker verlor mich als Leserin nach den aufwühlenden Szenen immer wieder.

Die ruhige erzählweise passt zwar dann, wenn etwas Wichtiges geschieht, doch langweilt, sobald Hans beginnt, von seinem momentanen Alltag zu berichten. Diese momente zeigen zwar seine Verlorenheit auf, zu lesen sind sie jedoch ziemlich dröge.

Auch der Übergang von Vergangenheit zu Gegenwart ist schlecht geglückt. Es wechselt meist mitten im Text und mehr als einmal wurde mein Lesefluss dadurch gestört. Plötzlich stellt man fest, dass man bisher in der ganz falschen Zeit gewesen war und muss nun blitzschnell umwechseln. Da holpert es beim Lesen ziemlich.

Hinzu kommt noch das Ende. Ich gehöre nicht zu jenen, die offene Enden grundsätzlich ablehnen. Teilweise gefällt mir das sogar. Aber hier ist das Ende nicht offen, sondern die Geschichte endet einfach. Praktisch mitten im Satz. Als wäre der Autor während des Schreibens ohnmächtig geworden. Das hat Becker gut inszeniert, denn so bleibt das Buch im Kopf, aber wohl eher auf eine negative Art und Weise. Becker als talentierter Schreiber hätte das bestimmt anders und genauso eindrücklich erledigen können.

Fazit:

Ein Buch, das sich trotz allem zu lesen lohnt. Ein überaus interessantes Thema, das ganz speziell aufgegriffen wird. An der Umsetzung hapert es teilweise etwas, dennoch würde ich vier von fünf Punkten vergeben, da die starken Szenen wirklich stark und mächtig sind.
87 reviews26 followers
September 1, 2016
Protagonist dieser Geschichte ist der 18jährige Hans. Er hat sein Abitur so gut wie geschafft und er hat eine hübsche Freundin. Die beiden treffen sich heimlich immer wieder in der Waldhütte von Hans Vater, um ungestörte Minuten zu verbringen. Doch eines Tages entdeckt Hans, dass sein Vater gemeinsam mit anderen Männern in der Hütte einen Mann gefangen hält und foltert. Hans Vater und seine Freunde sind Juden und haben das KZ überlebt. Ihr Gefangener war Aufseher in einem KZ. Eine Geschichte um Schuld und Rache nimmt ihren Lauf…

Dieses Buch war völlig anders als erwartet. Ich bin davon ausgegangen, dass die Geschichte um die Folterung des ehemaligen KZ-Aufsehers absolut im Mittelpunkt steht. Und das tut sie auch, jedoch auf andere Art und Weise, als ich erwartet hatte. Denn hier steht weniger die Tat an sich, sondern die Frage wann Mitwisserschaft zu Mitschuld führt und ob ehemalige Opfer zu Tätern werden dürfen im Vordergrund. Jurek Becker hat um diese Begriffe ein feines Netz gesponnen welches sich zu einer guten Geschichte entwickelt.

Die Erzählung erfolgt auf zwei verschiedenen Zeitebenen. Zum einen begleitet der Leser Hans bei der Entdeckung der Tat und seiner Frage danach, wie er sich jetzt am besten verhält. Zum anderen begleitet man Hans auf seinem Lebensweg ein Jahr nach dem Ereignis. Dabei kam für mich der Teil während der Tat etwas zu kurz und ich hätte hier gerne doch mehr erfahren. Die Zeitebene nach der Tat hätte hingegen etwas kürzer sein können. Auch das Ende der Geschichte kam für mich etwas zu schnell und etwas zu plötzlich. Aber davon abgesehen hat mir Jurek Beckers Erzählstil gut gefallen. Er schreibt flüssig und gut verständlich und bietet dem Leser jede Menge Raum, sich eigene Gedanken zu machen.

„Bronsteins Kinder“ war für mich kein Buch, welches ich mal eben so nebenbei lesen konnte. Ich musste mich wirklich auf die Geschichte konzentrieren, damit sie ihre volle Wirkung entfalten konnte. Dennoch hatte ich die 249 Seiten recht schnell gelesen, da der Autor es versteht, einen Spannungsbogen aufzubauen.

Fazit:

Bronsteins Kinder war anders als ich es erwartet habe, konnte mich jedoch schnell fesseln. Die Art, wie der Autor die Geschichte aufgebaut hat, hat mir trotz einiger Kritikpunkte, insgesamt gut gefallen. Vor allem hat mir gefallen, wie er mit den Themen Rache, Schuld und Mitwisserschaft umgegangen ist.
Profile Image for Julia.
160 reviews52 followers
October 8, 2011
Becker schreibt eindrücklich, präzise, nachvollziehbar, ohne große Schnörkel. Der Autor verschwindet gekonnt hinter dem Ich-Erzähler, der abwechselnd vor und nach dem Tod seines Vaters zu Wort kommt. Dieser hat gemeinsam mit Freunden, alles ehemalige KZ-Lagerinsassen, einen Ex-Aufseher entführt. Selbstjustiz, der Umgang mit allem Jüdischen in der ehemaligen DDR, das Selbstbild der "Opfer", aber auch nicht verwandte Themen wie das Ende einer Jugendliebe und das komplexe Verhältnis zwischen Vater und Sohn werden gekonnt behandelt. Ein wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt, ähnlich wie Schlier's The Reader, doch möglicherweise psychologisch glaubhafter als dieses. Empfehlenswert!
Profile Image for Nbt.
25 reviews2 followers
January 16, 2017
Die Geschichte ist mit der schlichten Sprache geschrieben, wodurch am Anfang das Werk simpel erscheint. Die Kunst in diesem Werk besteht im Komposition der Handlung. Es sind mindestens zwei Zeiten, in denen der Protagonist erzählt. Die Erzählungen aus zwei Zeiten konvergieren sich auf ein einziges Ereignis, das am Beginn der Geschichte kurz angesprochen wird und das erst am Ende näher beschrieben wird.
Das Ereignis ist somit das Zentrum des Erzählens und des Lebens des Protagonist.

Der Leser verwechselt manchmal diese Erzählzeiten - m.E. Ist dies wahrscheinlich die Intention des Erzählens, den Bann des Ereignisses zum Ausdruck zu bringen...
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Svenja.
164 reviews
January 11, 2009
Tough stuff written in simple language. Took it apart in school - many stylistic devices, although not obvious ones that bother the reading process.
23 reviews4 followers
April 10, 2011
Mein Vater hat eben keinen Kämpfer aus mir gemacht. Zwar hat er mich nicht dazu erzogen, den Mund zu halten, aber er hat mich auch nie ermutigt, ihn aufzumachen....
50 reviews1 follower
June 19, 2023
SEHR SEHR SEHR SEHR interessant. Guter Einblick in das Leben der Nachkriegsgenerationen [ aus beiden Perspektiven]
Profile Image for Hanna.
646 reviews86 followers
December 28, 2013
Spannend, gut geschrieben und flüssig zu lesen. Sehr empfehlenswert.
Displaying 1 - 26 of 26 reviews

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