ADS (ADHS) ist kein Schicksal, sondern eine Herausforderung. Man kann etwas tun!
Das Buch gibt konkrete und leicht umsetzbare Anleitungen nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen und das gesamte soziale Umfeld, und es berücksichtigt dabei die Entwicklung und Veränderung des ADS/ADHS von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter.
Edison und Leonardo da Vinci, Mozart und Tschaikowsky sollen es gehabt haben, aber auch Hemingway und Klaus Kinski. Jedenfalls steht fest, dass in Deutschland ca. 400 000 Kinder an ADS leiden und dass der Absatz des Medikaments Ritalin in den letzten Jahren um mehr als das 40fache angestiegen ist. ADS wird in der Regel zuerst bei Kindern diagnostiziert, die in der Schule auffällig werden. Erst bei näherem Hinsehen zeigt sich, daß häufig auch Vater oder Mutter betroffen sind. Doch bei Erwachsenen sind die Symptome andere. Und sie ahnen häufig nicht einmal, dass ihre Depressionen, ihre Unruhe und Stimmungsschwankungen auf ADS zurückzuführen sind.
Was leistet dieses Buch besonderes: - Während andere Bücher das Problem auf das betroffene Kind reduzieren, betrachtet dieses die gesamte Familie und das weitere soziale Umfeld.- Es betrachtet ADS im gesamten Lebenslauf. ADS gibt es eben nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Gezeigt wird, wie sich die Symptome im Laufe des Lebens ändern.- Es zeigt konkrete Wege auf, um das Problem in den Griff zu bekommen: Was kann der Betroffene tun, was die anderen aus dem Umfeld von Familie, Freundeskreis und Beruf?- Es motiviert die Betroffenen: Sie dürfen sich nicht mit ihrer Störung einrichten, sondern müssen selbst etwas dagegen tun.
Ich habe dieses Buch in der Hoffnung gelesen, mehr über ADHS im echten Leben zu erfahren. Spoiler: Ich habe nichts gelernt, was nicht in 10 Minuten zu ergoogeln ist, und bin schockiert über das, was hier als "Erfolgreiche Strategien" angepriesen wird.
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt: ein allgemeiner über "Symptome, Ursachen, Behandlungskonzepte", ein weiterer zu "Tägliche Herausforderungen in den Griff bekommen".
Teil 1 zu "Symptome, Ursachen, Behandlungskonzepte" liest sich bedrückend bis beängstigend. Möglicherweise aus der Erfahrung in ihrer eigenen Berufspraxis, in der sie vermutlich eher mit schweren Fällen zu tun hat, schildert sie die ADHS-Problematik in ihrer allerschlimmsten Ausprägung.
Das wird zwar mit einem ausdrücklichen "Disclaimer" versehen, dass dies zur Illustration dient und die ADHS in den meisten Fällen nicht in Drogensucht, Kriminalität und Arbeitslosigkeit endet. Es vermittelt aber angesichts der fehlenden Gegendarstellung erfolgreicher ADHS-Betroffener (im Vergleich zu "Zwanghaft Zerstreut" von Hallowell) ein extrem einseitiges Bild und verstärkt bloß vorhandene Klischees.
Den 1-Sterne-Vogel schießt die Autorin dann aber mit ihren "erfolgreichen Strategien" (siehe Titel) im Teil 2 ab. Insbesondere die Tipps für Eltern haben mir die Kinnlade herunterklappen lassen.
Hier finden sich zunächst haufenweise banalste Hinweise wie „Lassen Sie sich von ihrem Kind nicht provozieren“. Des weiteren wird angeregt, hundemäßige Konditionierung anzuwenden a la „Einen Euro abziehen für jeden unaufgeräumten Gegenstand“.
Die Tipps lesen sich grundsätzlich im Tonfall eines schnippischen "Lassen Sie sich bloß nicht durch die kleinen Schlawiner manipulieren". Wirklich verständnislos zurückgelassen haben mich aber Tipps wie der, das Kind emotional zu manipulieren, indem man ihm die Verantwortung für eigene negative Emotionen aufdrückt: "Wenn du jetzt nicht (...), zwingst du mich dazu, dir eine Strafe zu geben, was ich eigentlich gar nicht möchte".
All das, nachdem in Teil 1 ausführlich geschildert wurde, dass das Kind durch seine beschriebene Störung sein Verhalten nicht absichtlich so ausrichtet und möglicherweise gar nicht bewusst ändern kann?! Wie passt das bitte zusammen?
Fazit: Wer in der seltsamen Lage ist, noch nie von ADHS gehört zu haben, dennoch aber von extremen Symptomen betroffen zu sein, kann hier vielleicht Aufklärung finden - insbesondere Eltern sollten aber dringend vor dem 2. Teil aufhören zu lesen, sondern lieber andere Quellen zu Rate ziehen.
Practical focused book on ADHD symptoms, how to notice them and strategies on how to deal with them for people with ADHD, their partners, families and educators. If you look for a primarily research driven book this is not the one for you. Should you be interested in how ADHD works and how it manifests in different people in straight forward language with real world examples this is a good start though decisively not exhaustive. Further reading may be recommended because this just gives a very broad overview of the disorder without going into detail.
Ich würde am liebsten mehr als 5 Sterne geben. Wer sich über den aktuellen Stand der Forschung im Jahr 2020 über das Thema Adhs informieren will, dem sei das Buch wärmstens ans Herz gelegt. Als Betroffener überkommt einen manchen Stellen eine Gänsehaut, weil man sich selbst wissenschaftlich seziert in den Beispielen wiederfindet