Keine Ahnung, was ich da grade gelesen habe. Vorab: Niemand ist in diesem Buch mehr gearscht gewesen als die Schwester/Mutter/Ehefrau (Ja, es ist *eine* Person😀). Imagine, du entschließt dich nach jahrelangem Trauma, weil dein Bruder/Lover (jap, auch richtig gelesen) gestorben ist, nochmal zu heiraten, um dein fast komplett zerstörtes Land zu stärken und turns out, der Auserwählte ist dann einfach der eigener Sohn. Top 10 Pranks, die zu weit gingen. Was ich mir aber vor allem gegen Ende dachte: Hätte die Schwester ihrem Schicksal überhaupt entkommen können oder war schon von Anfang an von Gott festgelegt, dass sie in zwei Inzeste verwickelt sein würde? Und was würde das dann für ihren “freien Willen“ bedeuten, wenn sowieso alles vorbestimmt war?
Egal. Nehmen wir mal an, dass der Ausgangspunkt nicht zwei Geschwister (eklig) sind, sondern andere starcrossed lovers, die ihr Kind wegschicken müssen, weil es so sicherer ist, als wenn es bei den Eltern bleibt. Peak fiction. Vor allem, wenn das Kind dann auf eine Reise geht, um seine Herkunft herauszufinden und um Ritter zu werden. Sign me up, das ist toll. Fand es auch total super, dass Gregorius standhaft bei seinem Traum blieb, Ritter zu werden, auch, wenn der Abt ihn versucht hat zu überzeugen, im Kloster zu bleiben.
So weit so gut. Dann findet Gregorius aber heraus, dass er das Ergebnis von Inzest ist und wird ab da fast unerträglich. Was kannst du dafür, dass deine Eltern Bruder und Schwester sind, weil dein Vater seiner Schwester unbedingt unter den Rock wollte? Genau: Gar nichts. Und um das ganze noch zu toppen, ist seine Ehefrau auch noch seine Mutter, nach der er gesucht hat. Das war nicht das Wiedersehen, was er sich vorgestellt hat, aber hey, vielleicht nächstes Mal einfach ein bisschen präziser wünschen, dann klappt es bestimmt 🥸 Wieso hat er auch nicht vorher mal gefragt, ob sie da eventuell einen Herzog kennen, von dem er ebenfalls eventuell der Sohn sein könnte. Fragen hätte ja nichts gekostet. Stattdessen entschied sich der Gute ganze 17 Jahre an einen Fels gekettet sein.
Generell hat es mich aber so krass genervt, in wieviel Selbstmitleid und -hass Gregorius versunken ist und für wie unwürdig er sich gehalten hat. Bro chill. Es ist unfassbar ekelhaft, was passiert ist, das will ich gar nicht abstreiten, ABER DU WUSSTEST ES NICHT!! Also hör auf, dich die ganze Zeit selbst zu dissen, es reicht. + Ich weiß, dass die Geschichte einen gewissen Hintergrund hat, eventuell aus dem Mittelalter stammt und ich kann jetzt so darüber urteilen, weil ich viel später lebe, als die eigentliche Verfassungszeit, ABER: Wieso wird die ganze Zeit gesagt, dass literally jede Sünde vergeben werden kann, egal wie schlimm sie zu sein scheint?? Solange man Gott vertraut und ihn nicht anzweifelt, wird alles gut und es wird einem vergeben🥰🥰 #Happyend #peaceandlove #saintcore
Genauuuu. Klingt total plausibel. Vielleicht regt mich das aber auch nur auf, weil ich sowieso nicht wirklich an Gott glaube, idk. Finde es einfach schwierig, alles zu legitimieren, weil es durch Reue wieder ausgeglichen werden kann. Aber was weiß ich schon, muss mich vielleicht mal mehr damit auseinander setzen (mach ich wahrscheinlich eh nicht).
Genug gemeckert. Der grobe Plot (minus Inzest) hat mir echt gefallen und es hat sich auch echt gut gelesen. Es war auch süß, wie Hartmann von Aue ab und zu kleine Einschübe gemacht hat und die Lesenden noch mal ermahnt/erinnert hat, dass etwas bereits von ihm an anderer Stelle erwähnt wurde. Wie so jemand, der darauf achtet, ob man noch aufpasst und einem dann Kontrollfragen oder so stellt. Eine Sache aber noch: Warum hat Hartmann schon so früh revealed, dass Gregorius und seine “Frau“ eigentlich Mutter und Sohn sind?? Das wäre an der richtigen Stelle der ultimative Plottwist gewesen. Aber wahrscheinlich wären dann manche Leser:innen des 12./13. Jahrhunderts vom Stuhl gekippt.