Das Buch war in den Kindle-Gratis-Tagen als Thriller angepriesen, aber nach wenigen Seiten war klar, dass sich dabei um eine Liebesromanze der schmalzigsten Art handelt. Warum ich dann noch weiterlas, weiß ich eigentlich nicht, es war vermutlich die Faszination des Grauens.
Vom Einschlafen abgehalten hat mich dabei wohl das Klappern der hölzernen Sprache und die quietschende Naivität der weiblichen Hauptperson. Die Handlung war es jedenfalls nicht, denn in den ersten zwei Dritteln gibt es so gut wie keine. Es wird gedacht, geseufzt, gezittert und gebebt - aus Angst, Lust und Unentschlossenheit. Zudem scheint die Tussi an einer eigenartigen Form der Narkolepsie zu leiden, die auftritt, sobald die begehrte Männerschulter auftaucht. An ebendiese sinkt sie, um dann einzuschlafen. Manchmal benutzt sie den männlichen Torso allerdings auch, um daran zu heulen oder langsam immer weniger zu zittern.
Im letzten Drittel geht es dann zur Sache, und zwar in der denkbar unglaubwürdigsten Art und Weise. So haben die zwei Hauptpersonen den Sex ihres Lebens, während sie wissen, dass draußen im Wald vor der kaum gesicherten Hütte der irre Killer lauert. Und dann haben sie nochmals großartigen Sex, bei dem sich allerdings der Typ wegen eines vorherigen Autounfalls und den daraus resultierenden Schmerzen kaum bewegen kann.
Diese entfesselten Lustgefühle rauben der Hauptdarstellerin offenbar das letzte bisschen Hirn, denn sie benimmt sich so dämlich, dass der auch nicht sonderlich entschlossene Killer sie geradezu erwischen muss. Daraufhin spült ihr Angebeteter seinen Verstand in der Toilette hinunter und folgt den beiden alleine, obwohl die Polizeitruppe kaum eine Viertelstunde entfernt ist. Natürlich ist er zu ungeschickt um den Killer zu erschießen, und zu menschlich, um seine zweite Chance zu nutzen, den Wahnsinnigen auszuschalten. Daraufhin wird er über eine Klippe geschubst. Zum Glück hängt darunter sein Bruder, der Ex-Navy-Seal. Der fängt ihn mit einer Hand auf, während er mit der anderen den Bösewicht erledigt. Womit er sich währenddessen noch in der Felswand hält, weiß man nicht so recht. Ist aber auch egal, weil es offenbar nur darum geht, dass sich die zwei am Ende doch noch kriegen.
Ich fürchte, das Buch wird mir noch schlimme Alpträume bescheren, allerdings nicht wegen des blass gebliebenen Verbrechers. Menschen sind tatsächlich zu furchtbaren Dingfen fähig - das Schreiben solcher Bücher ist eins davon.