manchmal bisschen outdated und einige geschichten auch ein skip aber der schreibstil ist einfach genial, bin bisschen gefangen. kann aber auch verstehen dass leute es nicht mögen
Es ist natürlich die Frage, wie und ob man einen Todestag begeht. Man kann pathetisch ein Glas erheben oder besser gleich eine Flasche. „Der eine verträgt einen Löffel Rohopium, und der andere fällt um, wenn er gegen Pocken geimpft wird", hat William S. Burroughs zu Fauser gesagt.
Angeblich.
Der Fall war klar: Ich mußte verreisen UND zugleich meine Menschenwürde wahren. Also brauchte ich eine ganze Menge Geld. Ich sah es besser gleich ein: Körperlich müßte gearbeitet werden, ich hatte mir meine Reise zu VERDIENEN, sie mit meiner Hände und Muskeln Arbeit möglich zu machen. Andere machten das auch so.
Ich habe mich schon in so mancher großen, hellen Wohnung mit „Gartenmitbenutzung" (ein Wort, das für mich in einer Reihe steht mit dem Ewig-Schocker „Sammel-umkleidekabine" - dann also lieber keinen Garten) und reichen Nachbarn stark gelangweilt. Und ich gehe auch sehr gerne abends in leicht zweifelhafte Trinkstätten, die „Ischüß, mach's gut" oder „Handballbörse" heißen. Das ist nicht nur billiger, sondern häufig auch lustiger als angestrengte Modern-Bars, deren Personal und Kundschaft von der Richtigkeit ihres Tuns, Redens und ihrer Kleidung so durchgängig überzeugt sind. Und das Bier ist dasselbe.
Hier wohnen nur extrem viele Menschen, die entschlossen „Ja" sagen zum Alkohol und dessen Freunden. Und dafür oder deshalb ist den Menschen hier vieles andere ziemlich egal. Ich sage zum Alkohol unentschlossen „Eventuell". Was natürlich für die anderen Leute vollkommen in Ordnung geht, da ihnen ja eben vieles egal ist. Noch nie hat sich jemand über meine laute Musik beschwert. Und ich hüte mich, der Oma frühmorgendliches Husten zu untersagen. Vieles also ist hier erlaubt. Da kann man auch mal auf den Teppichboden aschen. Aber ich rauche ja nicht.
Denn im besten und anzustrebenden Fall ist ja Literatur eben keine strenge Frühsport-Disziplin, sondern eine Welt, die nach einmaliger Verführung selbst zu locken ver-steht. Die dann beginnende selbständige, ja freiwillige Recherche ist durch keinen Lehrplan zu ersetzen, macht einen Kanon überflüssig, und ein überflüssiger Kanon ist ein guter Kanon. Es ist erfreulich, daß Peter Gauweiler all die Bücher von „Goethe, Schiller und Lessing ... diese drei Giganten" gelesen hat. Für die Hoffnung, daß ein besserer Mensch, eine bessere Welt deren Lektüre nach sich zöge, ist er der lebendige Gegenbeweis. Ein solcher Kleingeist, aber von Brecht schwärmen, daß es kracht: dieser vermittele „die Diktion, welche man braucht, um im Deutschland von heute als kritischer Mensch zu gelten". So einfach ist das eben, gelten statt sein und lesen statt begreifen.