Peter Hujar, a New Yorker of Ukrainian descent, died of AIDS in 1987. He recorded the world in astonishing portraits of cows, sheep, and geese in the country, dogs in the studio, the sea, the city, and above all his fellow human beings, many of whom have since won Susan Sontag, John Waters, Divine, William S. Borroughs, Candy Darling, Robert Wilson, David Wojnarowicz, Paul Thek, and many men, in the nude, half-dressed, sleeping, posing, tumescent. People, animals, landscapes - Peter Hujar approached them all with great respect and a perfect sense of balance between near and far. His subjects face us with supremely dignified singularity, with loneliness at times, and at times in an aura of dauntless and "splendid isolation."
It's funny how people used to describe Frida as Diego Rivera's wife, and now it seems like people don't know who Diego is. I think at one point Peter Hujar was the famous one, but now it seems like everyone namechecks David Wojnarowicz and has forgotten Peter Hujar (except for the photo on the cover of that Antony and the Johnsons CD.)
Ich mochte David Wojnarowicz mehr als Robert Mapplethorpe - und Peter Hujar mehr als beide. Der Avedon-Schüler war schon immer der Unbekannteste von den Dreien. Auch dieses Buch zeigt: weil er wohl die wenigsten Schwänze und Pobacken zeigte, dafür ganz gerne Maulesel und Totenkammern in italienischen Friedhöfen. Dass er schwul war, machen auch die Fotos in diesem Band, der auf einer Retrospektive des Fotomuseums Winterthur mit dem Stedelijk Museum Amsterdam beruht, ziemlich schnell deutlich. Am liebsten schwarzweiß fotografierten sie alle drei. Hujar, Sohn ukrainischer Eltern, wurde immerhin 53, bevor er AIDS zum Opfer fiel, Wojnarowicz nur 37, Mapplethorpe 42.
Hujar hatte es lange nicht leicht. Er war zwar schon als Jugendlicher nach New York gekommen, lebte aber in einer ziemlich zerbrochenen, jedenfalls nicht reichen Familie und erlernte das Fotografenhandwerk erst nur als landläufiger Fotostudio-Angestellter. Es gibt ein Selbstporträt im Buch und da sieht der hagere, dunkelhaarige Mann ziemlich manisch und weltverloren aus. Es gibt aber auch Fotos von denen hier: Andy Warhol, Candy Darling, Susan Sontag, William Burroughs, Merce Cunningham, Divine, Gary Indiana, Robert Wilson, Brion Gysin, Malcolm Morley. John Waters, Fran Lebowitz. Und da merkt man, dass er es früh geschafft hatte, in die richtigen Avantgarde-Kreise zu kommen. Ende der 1960-er arbeitete er als Modefotograf, für „Harper's Bazaar“ und „GQ“, entschied sich dann für einen raueren, kantigeren Stil.
Es liegt auch an den Leuten, die Ausstellung und Buch zusammengestellt haben, aber es ist kein Zufall, dass in diesem Buch wohl nur vier entblößte Penisse (alle klein und schrumpelig) und nur ein nackter Männerhintern (im Profil) zu sehen sind. In einer Mapplethorpe-Monografie wäre das anders. Dafür etliche unscharfe Bilder von Meereswellen, ganz gewöhnlichen landwirtschaftlichen Nutztieren, des Weiteren etliche als Frauen zurechtgemachte Männer sowie augenscheinlich nicht ganz gesunde Menschen, die sich beim Nachsehen ihrer Titel als Insassen psychiatrischer Kliniken herausstellen.
Viele der Fotos wurden irgendwo draußen aufgenommen, nachts, oder zumindest in Zimmern, die eindeutig keine Fotoateliers waren. Viele der Fotos sind Porträts von der Brust aufwärts. Viele sehen wie nebenbei aus, Zufallstreffer, von einem, der auch mal Glück hatte. Da wären wir genau bei dem Punkt, warum ich Hujar von Anfang an liebte: Er hat diese Menschlichkeit, dieses Unfertige. Meilenweit weg von dem Klassizistischen, Mega-Körper-Faschistischen von Bruce Weber oder Robert Mapplethorpe, zu dessen guten Bekannten er im Übrigen gehört hat. Sowohl die Hipster wie die auf Maskuline scharfen Schwulen werden ihn immer weiter für zweitklasig, langweilig, beliebig halten. Er wurde nicht wirklich zum Star.
Mir hilft bei der Sache natürlich, dass ich Hujar schon vor Mapplethorpe kennen gelernt habe und dass ich, aus der Art geschlagen, nie was diesem schwulen Muskel- und Hammerkult abgewinnen konnte. Meine Spezialität waren eher halbe Kinder, halbe Mädchen, halbe Traumtänzer. Darum gilt immer noch, was ich schon Mitte der 1980-er Jahre beim Blick auf „Daniel Schook, 1980“, Seite 43, empfand: „Ach, so einen möchte ich mal heiraten können.“ Es handelt sich um den gelenkigen Jüngling, der es fertigbringt, sich sowohl seine eigene große Zehe in den Mund zu schieben, wie mich forschend anzublicken. Oder der eindeutig zu dünne „David Brintzenhofe, 1982“, Seite 64, ist so dermaßen im Recht, wie er sich da die Wimpern tuscht und den Mund aufsperrt. „Drag Queen, 1983“, Seite 72, ist mit Hut samt Netzchen, Lippenstift, Halsketten, Netzhandschuhen, Armband, Pelzstola und nicht entferntem Männerhaar auf dem nackten Unterarm eine der glaubhaftesten Trans-Frauen, die ich kenne. Zum Küssen der breite Minnelli-Mund! Und klar, es gibt dann noch die zwei Fotos, die wir inzwischen schon alle kennen: David Wojnarowicz, wie er vor einem Baum sitzt und diese kleine Schlange hochhält, und Candy Darling auf dem Totenbett („I Am A Bird Now“).
Wieso ich Hujar vor Mapplethorpe kannte? Weil ich in der Nähe von Basel aufgewachsen bin und Jean-Christophe Ammann Anfang 1982 in der Basler Kunsthalle die Ausstellung „Drei amerikanische Fotografen: Larry Clark, Peter Hujar, Robert Mapplethorpe“ zeigte. Ich sah diese Ausstellung aber nicht, weil ich erst im weiteren Verlauf jenes Jahres mein Coming-out hatte und erst ein oder zwei Jahre danach Mitglied (zum billigen Studententarif) des Kunstvereins wurde. Dann aber hatte ich drei Kataloge zur Auswahl; Ammann hatte das in drei getrennten, kleineren, kartonierten Büchern gemacht. Ich nahm nur den, den ich am besten fand: Peter Hujar. (Er ist ein bisschen ein Vorläufer – oder Parallelläufer – zu Nan Goldin und David Armstrong in Boston, also dann auch zu Wolfgang Tillmans, aber die entdeckte ich erst gut zehn Jahre danach.)
Es fällt nicht leicht, ein Lesedatum für mich und dieses Katalogbuch zu finden. Die Winterthurer Ausstellung in den 1990-ern habe ich nämlich auch nicht gesehen, obwohl ich ein paar sehr gute Sachen in Winterthur gesehen habe. Ich kaufte mir auch nicht dieses 1994 erscheinende Buch, weil ich den Basler Katalog seit etwa 1984 besaß. Allerdings verfiel ich Ende der 1990-er Jahre auf die unselige Idee, eine ehrenamtlich betreute schwule Bibliothek in einem schwulen Zentrum der Landeshauptstadt Stuttgart mittels zahlreicher Bücherspenden zu päppeln. Irgendwann trat ich denen sogar den Hujar ab. Die Liebe erkaltete nach zirka drei Jahren, als ich spitz bekam, dass die ehrenamtlichen Buchbesorger einige meiner Bücher, so von Friedrich Kröhnke oder Will McBride, aussortierten und übers Internet verkauften, unter der Vorgabe, da es sich um Pädophiles handelte, würde es ihr Sammlung nicht sinnvoll ergänzen. Nicht genug damit, ab 2012 wurde die Bibliothek komplett geschlossen und die Bücher auf unbestimmte Zeit eingelagert. 2020 dann aufgelöst, alles weg geschenkt bis auf die historischen und soziologischen Sachbücher zur Schwulenbewegung. Wer weiß, zu wem mein Basler Hujar gekommen ist?
Irgendwann ließ ich mir diesen Bildband dann doch noch antiquarisch kommen, wobei ich gestehen muss, dass ich es ja auch nicht wegen des Altersbilds von Lotte H. Eisner oder den Kühen auf der Weide in Pennsylvania tat.
As I discovered on the last page of this book, Hujar is the guy who took the incredible photo on the cover of Antony and the Johnson's I Am A Bird Now. Most of his stuff, I honestly found pretty boring. But there are some real stand out images that made this book well worth looking at. His portraits of farm animals are some of the most moving I have ever seen.