cn vergewaltigung
puh. ich war mehrmals kurz davor, das buch abzubrechen, weil ich es so schlecht geschrieben fand. ich habe dann weitergelesen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. die geschichte fand ich interessant: eine anwältin, die regelmäßig vergewaltiger verteidigt, wird selbst vergewaltigt. ursprünglich war der text ein theaterstück (ein einziger monolog), das die autorin anschließend zu einem roman umgeschrieben hat. an einigen stellen merkt man das deutlich, wie etwa in einem langen monolog, in den sie ungelenk "Dann:" oder "Ich spreche weiter." eingefügt hat. ich kann mir gut vorstellen, dass der text als theaterstück super funktioniert, als roman (für mich) nicht wirklich.
ich habe mich kurz gefragt, ob die übersetzung vielleicht einfach sehr schlecht ist, aber für die unglaublich platten floskeln und bilder (wie etwa: „Die Themse im Regen ist alles andere als ein fröhlicher Anblick, aber eigentlich bin ich dankbar, dass die Kulisse meiner Stimmung entspricht.“) kann die übersetzerin wohl nichts. die unwichtigsten details werden mehrmals wiederholt (zum beispiel werden wir an zwei stellen darüber informiert, dass die komplett unwichtige nebenfigur benedict, neben dem die protagonistin in ihrer ersten juravorlesung sitzt und der sonst nie wieder auftaucht, nun im finanzwesen arbeitet), und die offensichtlichsten dinge werden übertrieben auserzählt, wie man es sonst aus schlechten filmen kennt, nach dem motto: "du weißt doch! mutter hat schwierigkeiten beim laufen seit ihrem autounfall letztes jahr, bei dem unser vater ums leben kam!" (so etwa, wenn sich die anwält*innen gegenseitig anwaltsregeln erklären.) vor allem ist der text oft grauenhaft pathetisch und unglaubwürdig. ich kann mir schwer vorstellen, dass eine betrunkene anwältin in einer bar, wenn man sie nach ihrem beruf fragt, antwortet: "Wir sind Strafverteidiger. Wir glauben an das Gesetz." dass die protagonistin "an das gesetz glaubt", wird übrigens mindestens zehnmal wiederholt, für den fall, dass den leser*innen das entgangen sein sollte.
also: ich fand das buch (besonders zum ende hin) wirklich spannend! die letzten 100 seiten habe ich superschnell gelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht. das gerichtssetting fand ich auch interessant (die autorin war auch selber strafverteidigerin), aber das konnte mich trotzdem nicht mit dem rest versöhnen.