"Wenn es nichts Besseres gab als diesen Roman, um auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis zu landen, ist es schlecht bestellt um deutschsprachige Literatur" oder "Was bitte haben diese Jurymitglieder geraucht?!".
Ich hatte hohe Erwartungen an dieses Buch. Eine preisgekrönte Autorin, ein spannendes Thema, überwiegend gute Kritiken. Und in der Tat wird hier etwas erzählt, was in den wenigen gelungenen Teilen des Buches durchaus verstört: nämlich von einer einseitigen Liebe einer jungen Frau, die in einer toxischen, von Gewalt geprägten Beziehung mündet, wenn man hier denn von einer "Beziehung" sprechen kann. Das Thema tut weh und wird tatsächlich zu wenig literarisch behandelt. Insofern ist es durchaus zu loben, dass Terezia Mora sich diesem Thema widmet. Leider hat sie damit allen Opfern häuslicher Gewalt einen Bärendienst erwiesen.
Denn die Entwicklung einer jungen, klugen, engagierten, talentierten, selbstständigen Frau hin zur fanatisch versessenen, psychisch labilen, sexuell hörigen und widerstandslosen Figur ist auf keiner Seite glaubwürdig. Wir als Lesende erfahren über schier endlos viele staubtrockene, langweilige Seiten Episoden aus Munas Werdegang, von denen die meisten völlig irrelevant für das sind, was das Buch zum Ende hin, im letzten Drittel, eigentlich erzählen will. In absolut keiner Weise gelingt es der Autorin auch nur annähernd, zu beschreiben, warum sich Muna nach nur zwei Treffen am Anfang des Buches so sehr in diesen Mann verliebt - oder sich vielmehr in einen oft absurd anmutenden Liebeswahn rein steigert - obwohl sie ihn dann erst einmal sieben Jahre (und wir sie Hälfte des viel zu langen Romans) nicht zu Gesicht bekommt.
Spätestens aber als dann klar wird, um was für eine Art Mann es sich dabei handelt, sind die Handlungen der ohnehin mäßig sympathischen Hauptfigur wirklich in keinster Weise mehr nachzuvollziehen. Sympathieträgerin bleibt Muna zwar, aber hauptsächlich nur deswegen, weil andere relevante Figuren noch unsympathischer sind.
Zwar wird es das Geschilderte insofern geben, als dass es vermutlich für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist, wenn sich jemand in allen Bereichen so sehr verändert für einen anderen Menschen, der einen manipuliert, ausnutzt oder im schlimmsten Fall sogar Gewalt anwendet. Aber in diesem Buch kommen diese Entwicklungen immer so plötzlich, ohne jeglichen literarischen Aufbau und meistens nach etlichen Passagen uninteressanter Wiederholungen, herbei, dass es einfach jede Glaubwürdigkeit verliert und die Lesenden dadurch auch jedes Mitgefühl abhanden kommt. Das kann nicht im Sinne der Autorin gewesen sein.
Dazu kommen Aneinanderreihungen von Klischees und Stereotypen aus dem Künstlermilieu, die man schon tausendfach (besser) gelesen hat und eine bestenfalls als mangelhaft zu bezeichnende Sprache. Allein die schlichte, nicht im Ansatz poetische Sprache hätte niemals auf einer Shortlist landen dürfen. Es sei denn, man stellt wirklich gar keine Ansprüche mehr an anspruchsvolle Literatur.
2 Sterne meinerseits für den Versuch, ein wirklich relevantes Thema literarisch aufs Tableau zu bringen sowie für einige wirklich verstörende, dringliche Passagen, die wehtun.
Aber wenn 3/4 eines Romans am Thema vorbei geschrieben und inhaltlich unrelevant sind, sind die drei Sterne, die ich ursprünglich vorhatte zu vergeben, einfach nicht zu rechtfertigen.
Daher im Fazit: 2 Sterne, keine Leseempfehlung meinerseits und vor allem: nicht im Ansatz würdig für eine Buchpreis-Nominierung. Da gibt es wirklich so viel Besseres!