Merkwürdige Erziehungsnovelle aus 1856, in der Frau Amrain in Abwesenheit ihres vor den Gläubigern nach Amerika geflohenen Mannes die Geschäfte übernimmt und auf Vordermann bringt, bei alledem sich aber vor allem der Erziehung des jüngsten Sohnes widmet.
Man erfährt somit, was Keller stellvertretend für die Zeit als Charaktereigenschaften eines ordentlichen Mannes hält. Es geht mit den üblichen Dingen wie die Wahrheit zu sagen und Verantwortung zu übernehmen los. Der Junge tritt bald ins Unternehmen ein und macht sich hervorragend. Umgang mit dem anderen Geschlecht, politisches Verhalten und Verhalten in Kriegsdingen kommen hinzu, als der junge Fritz schon ein junger Mann war. Das sind schon etwas ungewöhnlichere Lehren, die Keller dort mit einschließt.
Als der Vater unterdessen zurückkehrt und denkt, er übernimmt wieder das Kommando, so will Fritz nichts davon wissen. In gewisser Weise lässt er nun dem Vater eine Erziehung zukommen. Höchst ungewöhnlich!
Auffällig ist, dass die beiden anderen Brüder nicht in der Geschichte auftauchen und auch, dass die Kirche so gut wie nichts zu melden hat beim Thema Erziehung bzw. moralische Erziehung.
Auch kommen, wie in Kellers letztem Werk, dem Roman Martin Salander, Kellers liberale politischen Ansichten zum Ausdruck. Der "Freisinn", also die damaligen (heute eher konservativen) Liberalen im Gegensatz zu den Konservativen (und Frühsozialisten) war in den 1850er die alles dominierende politische Kraft in der Schweiz.
Kurz bestand beim Thema Frauen die Gelegenheit, die Novelle in Richtung queer abgleiten zu lassen, aber Keller wusste natürlich von heutigen Verirrungen nichts und so blieb Fritz ein Mann wie man es sich damals (und bisweilen auch heute noch) vorstellte.