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Einführung in die Hauptfragen der Philosophie

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Daß die Philosophie nicht nur voller Probleme, daß sie auch als Ganzes ein Problem ist und ein Problem bleibt, das zeigt schon die verschiedene Schätzung und die umstrittene Stellung, die ihr das menschliche Leben gibt. Einerseits heißt sie die Königin der Wissenschaften, und ein ihr geweihtes Leben dünkt die Höhe des menschlichen Daseins, Geister allerersten Ranges bemühten sich, ihr zu dienen, und in den Gesamtstand der Menschheit griff sie oft mit mächtiger Wirkung ein. Dabei zeigte dies Wirken mannigfachste Verzweigung. Bald entrang die Philosophie, wie bei Plato, dem trüben Gemenge des Alltags hohe Ideale und hielt sie dem Streben als feste Richtsterne vor, bald suchte sie, nach Aristoteles' Art, allen Reichtum der Wirklichkeit in ein Ganzes zu fassen und das Leben gleichmäßig zu durchgliedern, bald auch war sie ein sicherer Halt und schließlich ein Trost gegen alle Sorgen und Nöte, so im späteren Altertum, dann wieder wirkte sie, wie in der Neuzeit, zur Befreiung der Geister und als eine Leuchte aufsteigender Kultur, zugleich vollzog sie eine gründliche Prüfung des überkommenen Lebensstandes und suchte sie die Menschheit über die Grenzen ihres Vermögens gewissenhaft aufzuklären. Alles Große bedurfte ihrer Hilfe und Mitarbeit; wo immer sie fehlte, da verlor das Leben an Ursprünglichkeit, an Freiheit, an Tiefe. In diesem Gedankengange erscheint die Philosophie als ein unentbehrliches Hauptstück des geistigen Besitzes der Menschheit.

162 pages, Paperback

First published March 31, 2011

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About the author

Rudolf Christoph Eucken

91 books26 followers
Rudolf Christoph Eucken (German: [ˈɔʏkn̩]; 5 January 1846 – 15 September 1926) was a German philosopher. He received the 1908 Nobel Prize for Literature "in recognition of his earnest search for truth, his penetrating power of thought, his wide range of vision, and the warmth and strength in presentation with which in his numerous works he has vindicated and developed an idealistic philosophy of life".

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Profile Image for Liedzeit Liedzeit.
Author 1 book112 followers
February 9, 2026
Von den vielen Nobelpreisträgern, von denen man nicht uneingeschränkt glauben kann, dass sie den auch verdient haben, hat Rudolf Eucken eine Sonderstellung. Die Franzosen, las ich, waren seinerzeit empört. Wenn, wie offensichtlich erschien, die Deutschen das Nobelpreiskomittee schon beeinflussen konnten, dann hätten sie auch gleich Wilhelm II. den Preis zukommen lassen können.

In der Tat kommt mir die Sprache keineswegs auszeichungswürdig vor, und ich glaube auch nicht, dass diese Einführung philosophisch besonders bemerkenswert ist.

Immerhin gefällt mir die Einteilung. Eucken beschäftigen folgende Probleme:

1. Einheit und Vielheit (Ordnung und Freiheit)
2. Ewigkeit und Zeit (Beharren und Veränderung)
3. Innenwelt und Außenwelt (Idealismus und Naturalismus)
4. Der Weg des Erkennens (das Wahrheitproblem)
5. Das Ziel des Handelns (das Glücksproblem)

Eucken geht immer auf die Griechen zurück, aber sehr selten wird er konkret und erklärt, was Platon oder Aristoteles oder Plotin nun wirklich gesagt haben.

Zum Wahrheitsproblem hat er das zu sagen: „Der Begriff der Wahrheit als eines Abbild der Wirklichkeit, als einer Übereinstimmung unseres Vorstellens mit einer daneben befindlichen Welt, braucht nur genauer durchdacht zu werden, um sich als unhaltbar zu erweisen.“

Schön und gut, aber wie wird er durchdacht? Es kann gut sein, dass ich seine Ausführungen nur nicht verstehe und/oder die Geduld nicht aufbringe, seine Sätze so oft zu lesen, bis sie Sinn annehmen.

Jedenfalls scheint er zu diesem Ergebnis zu kommen:


Der der Mensch bei gründlicher Abstoßung alles beschränkten Meinens und eigenwilligen Strebens sich ganz und gar in jene Bewegung, in jenes Sichselbstentfalten des Geistlebens zu versetzen vermag, so erscheint er hier ganze und volle Wahrheit zu erreichen; im ganzen Lauf der Geschichte ist kein so freudiges und stolzes Gefühl des Wahrheitsbesitzes anzutreffen.


So viel ist also klar, ich sollte mein beschränktes Meinen gründlich abstoßen.

Und wie verhält es sich mit dem Glück?


Wie alles Übel aus der Trennung von Gott hervorging, so kann das höchste Gute in nichts anderem bestehen, als in der Wiedervereinigung mit Gott, dem Quell des Lebens; diese bietet eine allem anderen Glück, unvergleichlich überlegende Seligkeit.


Es ist vielleicht kein großes Unglück, dass dieser Philosoph heute vergessen ist.
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