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Siemens lässt die Opfer, zu denen eben auch die Hinterbliebenen zu zählen sind, in ihrem lesenswerten Buch ausführlich zu Wort kommen: Ehefrauen, Töchter und Söhne erinnern sich an ihre ermordeten Ehemänner und Väter, die als Repräsentanten des verhassten "Systems" gezielt "liquidiert" wurden. Auch mit Passagieren des entführten Lufthansa-Flugzeugs "Landshut" hat die Autorin gesprochen. Sie schildern die traumatisierenden Erlebnisse an Bord der gekaperten Maschine, die in einer spektakulären und für die Geiseln äußerst riskanten Aktion von einer Spezialeinheit des Bundesgrenzschutzes in Mogadischu befreit wurde. Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt erläutert in dem den Band beschließenden Interview noch einmal die Beweggründe für die harte Haltung der Bundesregierung gegenüber zum Beispiel den Entführern von Hanns Martin Schleyer, denen man habe klar machen müssen, dass sich die Bundesregierung nicht mehr würde erpressen lassen. "Daß damit auch die Versehrtheit von unschuldigen Menschen in Kauf genommen wurde, war furchtbar, aber unausweichlich." Hätte man den Forderungen der Terroristen nachgegeben, und im Austausch gegen die Geisel inhaftierte RAF-Mitglieder freigelassen, "wäre man an anderer Stelle Verursacher des Todes von Menschen geworden" -- die Geiselnahme von Stockholm sei der Beweis dafür gewesen, "daß die Terroristen ihre mörderischen Aktivitäten zur Freipressung weiterer Inhaftierter fortsetzten -- und weiter fortsetzen würden".
Für die RAF war er das System, für mich der Vater ist ein Buch von dem der Rezensent sich wünschen würde, dass sich dazu einmal einer der damaligen Täter öffentlich äußern würde. Vielleicht in einer Leserrezension auf dieser Seite. -- Andreas Vierecke, Literaturanzeiger.de
287 pages, Hardcover
First published January 1, 2007