Es wird die Geschichte von Mei erzählt. Sie ist mit Leo befreundet, der ihr gegenüber wohnt und ein bein ist bei ihm kürzer als das andere. Leos Vater ist gewaltätig und es kommt zu einem Unfall.
Soweit der Inhalt. Als erstes: Das Buchcover ist sehr schön gestaltet! Das ist ein Buch, zu dem man gerne greift. Aber: Was für ein Schrott befindet sich denn da zwischen den Seiten?
Der Roman richtet sich an Kinder - ich weiß nicht wieso! Die Geschichte und die tiefgründig und poetisch sein wollenden Beschreibungen der Emotionen der Erzählerin (Mei, vielleicht 8-10 Jahre?) sind viel zu unkonkret für Kinder! Es gibt in der ganzen Geschichten vielleicht mal eine konkrete Situation, ansonsten sind es aneinandergereite, verschrobene Gefühlsbeschreibungen. Das ist zu abstrakt, um interessant zu sein, und einfach mal so richtig an der Zielgruppe vorbei. Hier ein paar Beispiele:
"Wenn Leo lächelt, sieht er mich an, lange, länger als irgendjemand sonst. Als würde er Blätter aus meinem Gesicht wischen und darunter nach etwas suchen, das er hat schimmern sehen."
"Ich laufe meine Schritte leicht und hell. Weil Leo auf etwas Helles, Leichtes horcht. Er horcht auf etwas, das näher kommen darf."
"Die Luft ist graugrün und hüllt uns wie Frostatem ein. Das Tageslicht zerrieselt."
"Ich hole meine Laufschuhe raus. Sie sind enger, der Stoff steifer geworden. Meine Füße sehen darin nicht mehr aus wie zwei Geschenke. Ich schnüre sie trotzdem jeden Morgen und mache die Haustür auf. Ich kriege Blasen, aber das ist okay. Sie passen gut. Andere Dinge tun viel mehr weh."
Welches Kind denkt so, formuliert Gedanken und Gefühle auf diese Weise? Und solche Sätze durchziehen den ganzen Roman.
Die Geschichte funktioniert bestimmt für Frauen um die vierzig, die das Ganze ganz toll intensiv und poetisch finden. (Obwohl auch das nicht mal der Fall ist. Es ist eher platt und klischeehaft!) Aber für Kinder? Was hat sich der Verlag (Oetinger) dabei nur gedacht? Und dann ist dieser Roman auch noch auf der Nominiertenliste für den Deutschen Kinderbuchpreis! Vielleicht wäre die Geschichte ja ganz gut, wenn die Autorin hier eine andere Form gefunden hätte. Form, Geschichte und Zielgruppe passen jedenfalls so gar nicht zusammen!