Mit dem Sammelband "Das Schicksal der Vampire" endet die Geschichte des Halbvampirs Darren Shan auf eine Art und Weise, die ich direkt mal vorwegnehmen möchte: Grausam für das Leseherz! Was es damit im einzelnden auf sich hat, erkläre ich noch.
In diesen drei Geschichten merkt man direkt, dass der Autor noch mehr mit den Zeiten spielt als bisher. Es vergehen wieder Wochen, Monate, Jahre zwischen manchen Kapiteln und den einzelnden Teilen. Der Krieg der Narben zwischen Vampiren und Vampyren ist immer noch das Thema Nummer eins und weil Darren eine der Hauptpersonen ist, die dazu auserkoren wurden um das Schicksal ihrer Rasse zu bestimmen, war es zunächst eine völlige Überrraschung, dass sich die erste Geschichte komplett mit dem Kleinen Mann Harkat Mulds beschäftigte. Mir persönlich gefiel das am besten an diesem Buch, denn die Freundschaft zwischen Darren und Harkat, das ganze Geplänkel und vorallem die Geheimniskrämerei von Meister Schick über Harkat's vorheriges Leben haben mein Leseherz bei Laune gehalten und ich musste die Seiten einfach verschlingen um die Wahrheit rauszufinden.
Zunächst hat Darren jedoch die Wahl, ob er Harkat begleitet. Er muss dabei zwischen Harkat und seiner früheren Freundin Debbie und dessen Kumpanin Alice wählen, die sich als Menschen zum Berg der Vampire aufmachen wollen um ihre Unterstützung in dessen Krieg gegen die Vampyre anzubieten. Schließlich lassen die Vampyre auch Menschen für sich kämpfen und Debbie und Alice erkennen darin die Gefahr für ihre eigene Spezies.
Dass er sich dennoch Harkat anschließt war dann eine ziemliche Überraschung, aber ich war dankbar drum, denn so wurde mal als Leser in eine völlig verdorrte und verzerrte Welt geführt. Das Land, die Tiere und die Menschen unterscheiden sich von dem, was die beiden kennen.
Darren und Harkat stehen wilde Prüfungen bevor, die ziemlich knifflig waren und abstrus erschienen, aber ich war ziemlich gebannt von dem was der Autor da fabriziert hat.
Und später versteht man auch, wieso der Krieg eine kurze Auszeit nehmen musste, damit diese Geschichte erzählt werden konnte.
Der weitere Verlauf konnte mich dann weniger faszinieren, da diese ganze "Ich kann in die Zukunft und Dein Schicksal sehen, aber ich darf Dir nicht sagen was Du nun tun sollst"-Masche von Meister Riesig und Evanna einfach anstrengend war. Meister Schick selbst war wieder ein Ekelklops aller erster Güte auf dessen Worte ich mich nicht alleine verlassen wollte.
Es gibt Wendungen und Geschehnisse, die mich sprachlos gemacht und das Buch weiterhin spannend gehalten haben. Und dann kam das Ende. Besser gesagt gefühlte zweihundert Seiten, wo auf der ersten etwas steht und auf der letzten etwas steht und ich dazwischen einfach nur denken konnte "Wann ist das Theater endlich vorbei???"
Mir kommen für das ganze Wörter wie unprofessionell, dahingeklatscht und um's Ziel beschissen in den Sinn und nachdem ich mich die letzten fünfzig Seiten mit dem Mantra "Das war's noch nicht, da kommt noch mehr" über Wasser halten konnte, war die letzte Seite eine richtige Enttäuschung.
So lässt man doch kein Buch enden! Völlig egal wie die Story ist, völlig egal welche Charaktere am Ende noch leben, es gibt Dinge, die man sich als Leser für ein gutes Ende erhofft!
1. Das man zurückblicken, und jede Wendung und jedes Geheimnis verstehen kann.
Fakt: Ja, das ging, allerdings hätte der Autor hier ruhig kürzere Dialoge mit mehr Sinn verfassen können, denn meist war der Weg bis zur Aufklärung solang, dass das dazwischen bei mir einfach verloren ging, weil es mir unwichtig erschien.
2. Das es ein würdiges Ende ist.
Fakt: Ich habe ja schon mehrere Buchenttäuschungen hinter mir, aber als ich mit Band eins anfing und über Vampire und andere Freaks lesen durfte, war mir nicht klar, dass der letzte Teil des letzten Buches mehr als deutlich machen würde, dass die ganze Vampir-/Freakgeschichte einfach nur eine enorm lange Einleitung war. Das Ende hatte meiner Meinung nach mit all dem nichts mehr zu tun. es war nur noch ein großes Puzzle. Eine Art Laune der Natur.
3. Das man erfährt, wie es mit den Charakteren ausgegangen ist bzw. wie es in etwa weitergehen könnte.
Fakt: Hier erfährt man nur das Ende einer Person und bei all den liebgewonnen Charakteren, die man in der finalen Schlacht das letzte Mal liest, hatte ich mir einfach mehr erwünscht. Soviel Dramatik und Freundschaft wurde in meinen Augen einfach verschwendet.
Der letzte Punkt wiegt für mich am schwersten, denn wenn eine Buchreihe endet, blickt man auf alles zurück und ich finde hier passte einfach gar nichts mehr. Die Charaktere hätten würdigere Enden verdient. Die ganze Grundstory ergibt für mich keinen wirklichen Sinn mehr. Und es gäbe soviele Möglichkeiten wie das alles weitergehen könnte. Man hat als Leser die Wahl seine Fantasie anzukurbeln, aber es wäre völlig sinnlos, weil ich nicht denke, dass es zu etwas hinführen könnte.
Geschichten sind Fiktion, sicherlich, aber man möchte doch irgendwie daran glauben können, oder nicht? Ich war drei einhalb Bände wirklich begeistert von Darran Shan, aber was danach kam hat mir - wenn ich es richtig dramatisch formulieren möchte - mein Leseherz gebrochen.