„The Ruthless Fae King“ von Leia Stone ist der dritte und somit der vorletzte Band der „Chroniken von Avalier“.
Achtung: Ich werde hemmungslos spoilern. Lesen auf eigene Gefahr!
Wir starten direkt durch: Madelynn Windstrong erfährt, dass sie dem Winterkönig, Lucien Thorne, versprochen ist. Nur wenige Stunden und einige Wutanfälle später geht es gleich auf die Verlobungsrundreise durch die vier Jahreszeiten-Höfe. Direkt bei ihrem ersten Stopp erfahren sie, dass Frühling und Sommer sich gegen den Winterkönig verschworen haben, um das Reich zu spalten. Bei ihrem letzten Stopp – keine 5 Tage nach Beginn der Geschichte – gestehen sich Madelynn und Lucien direkt ihre Liebe. Wo ist hier der Haken, fragt man sich.
Und der kommt gleich knüppeldick. Die junge Liebe möchte mit der Konvention brechen und die Hochzeit so schnell wie möglich vollziehen. Dafür reist Madelynn zurück an den Herbsthof, um ihre Familie zu diesem freudigen Ereignis einzuladen. Dort erwartet sie allerdings der Sommer-Fürst, der ihrem Vater ein Angebot gemacht hat, dem er nicht widerstehen kann. Kurzerhand wird ihre Magie gebunden und sie wird an den nun selbsternannten Sommerkönig verkauft und gezwungen, ihn zu heiraten. Noch in derselben Nacht vergewaltigt er sie, damit die Ehe rechtsgültig ist.
Ja, Ihr habt richtig gelesen: sie wird vergewaltigt. Und Leia Stone ist definitiv nicht die Autorin, die so eine Szene schreiben sollte. Das einzig Gute daran ist, dass der eigentliche Akt nicht im Detail beschrieben wird. Trotzdem bin ich außer mir vor Wut. Es ist nicht die erste Vergewaltigungsszene, die ich in meinem Leben gelesen habe, und es wird gewiss nicht die Letzte sein, aber es ist mit Abstand die Taktloseste. Dieses ganze Kapitel ist so lieblos geschrieben. Es reiht sich ein Ereignis an das Nächste, nur ist eines dieser Ereignisse eben eine VERGEWALTIGUNG.
Fragt Ihr Euch vielleicht schon – leicht genervt -, wieso ich das Wort Vergewaltigung so oft in diesen Text einbaue? Das tue ich, weil die Autorin es nicht ein einziges Mal in den Mund genommen hat. Stattdessen wird Madelynn als „beschädigte Ware“ bezeichnet. Ansonsten ist immer nur die Rede davon, dass eben die Ehe vollzogen wurde. Ein-, zweimal findet man zumindest ein „gegen ihren Willen“ davor. Und dann lese ich mir Rezensionen auf Goodreads durch und sehe, wie sich diese Verharmlosung wie eine Krankheit ausbreitet.
Also: das arme Mädchen wird vergewaltigt – und es macht absolut keinen Sinn. Das Tragische dabei ist, dass das tatsächlich realistisch ist, denn Vergewaltigungen machen niemals Sinn. In einer fiktiven Geschichten sollte dieser Akt aber doch bitte nicht nur dazu dienen, die Protagonistin in EINER Szene so wütend werden zu lassen, dass sie ihre neue Magie nutzen kann. Ich glaube, die Tatsache, dass man sie ihrer „wahren Lieben“ geraubt hat oder dass ihr Vater sie gleich zweimal innerhalb einer Woche betrogen hat, hätten da auch ohne diesen Missbrauch funktioniert.
Nun haben wir also diese Abscheulichkeit und eine Insta-Love. Wir wissen ja schon, dass die Reihe keine wirklich sinnige Fantasy-Geschichte zu bieten hat, deshalb zehrten die vorigen Bände von deren „Liebesgeschichten“. Nun sind Lucien und Maddelyn das erste Paar der Reihe, das nicht toxisch ist. Dafür passiert DAS. Was soll man diesem Buch also jetzt noch abgewinnen?
Tatsächlich rächt sich wohl so langsam, dass Stone bislang den übergreifenden Plot so vernachlässigt hat. Deshalb liest sich „The Ruthless Fae King“ in etwa wie meine Essays für die Uni, wenn ich diese mitten in der Nacht 2 Stunden vor Abgabefrist geschrieben habe. Die Geschichte ist so gehetzt, dass es lustig wäre, wenn mir nicht so das Lachen vergangen wäre…aber ich wollte ja in diesem letzten Abschnitt eine „gute“ Sache erwähnen: der Kriegt mit Nightfall geht endlich los und die beiden Pärchen aus den vorigen Bänden spielen mit. Es endet dann mit einer Reise zum letzten der vier Könige, die unsere 3 neuen Königinnen ohne ihre Männer antreten. Diese wenigen Momente zwischen den Frauen – DAS ist das Einzige, das die Autorin in dieser Reihe jemals richtig gemacht hat. Ich empfehle diese Reihe niemandem. 1 Stern.