Die einen traumen vom Aussteigen, die anderen wagen es tatsachlich
Einfach leben, unabhangig sein. Das ist eine Sehnsucht, die viele Menschen teilen. Einen Sommer lang hat Jan Grossarth, Redakteur der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, Aussteiger besucht und wurde selbst zum Aussteiger auf Zeit. Bewundernd und verwundert beschreibt er seine Reise von der Ostsee bis Norditalien. Sie fuhrt in ein streng organisiertes Oko-Dorf, zu einem Schafer ohne Strom- und Wasseranschluss, zu Jesuiten, einem Informatiker und einem kinderreichen keltischen Stamm. Sie alle leben einfacher, als es notig ware. Und erfullen so ihren sehnlichsten Traum.
Das Buch hat mich an das Lied "Verlierer" von Revolte Springen erinnert.
Ein Gesamtkunstwerk auch dadurch, dass der Journalist, der all die AussteigerInnen besucht, sich dafür knappe 3 Monate Zeit nimmt - dadurch ensteht beim Lesen so ein Kontrast von Effizienz-Hetzen für die authentisch recherchierte Doku und den Lebensentwürfen der GastgeberInnen, die ja immer aufs Ganze angelegt sind. Wenn Jan Grossarth weiterzieht, sind sie eben immer noch in ihrer Sekte/dem Keltenstamm/bei den Jesuiten oder im Zirkuswagen.
Nach dem zehntem Abstecher in ein fremdes Leben wird es jedoch auch ihm zuviel: "Ich fühlte mich durch das viele Zuhören und die prinzipielle Offenheit entwurzelt [...]. Nur Zuhören, ohne mitzuteilen, wer man selbst war, das hielt kein Mensch aus, außer Jürgen Fliege."