Manchmal weiß man so gar nicht mehr, wo man hingehört im Leben. So wie Betty, die vor den Feiertagen Bilanz zieht: "Es war, als hätte ich zu leben vergessen." Wie ein riesiges Plüschschwein namens Erika dem Leben wieder einen - wenn auch verborgenen - Sinn gibt, davon erzählt Elke Heidenreich in einer ihrer schönsten Geschichten. Und keiner kann den melancholisch-versöhnlichen Ton besser ins Bild setzen als Michael Sowa, dessen Erika so anschmiegsam und eigenwillig ist, das man sie sofort lieb gewinnt!
"Scheißweihnachten", meint die Protagonistin, und diese Meinung teilt sie wohl mit jedem der wenigen Charaktere in dieser kleinen Geschichte. Dies sind keine gebrochenen Kreaturen, keine Loser, keine Mittellosen. Und dennoch sind sie an den Feiertagen einsam und auch - der eine mehr, der andere weniger - verzweifelt. Der Zauber, der ihnen Wärme, Geborgenheit und Hoffnung bringt, heißt hier nicht Jesus oder Christkind oder Santa Claus, sondern Erika. Ein wunderbar weiches, wärmendes, freundlich gesinntes, unbedingt liebenswertes rosa Plüschschwein. Es hätte eine alberne, das Fest der Feste verhöhnende Geschichte werden können, aber Elke Heidenreich hat es auf ihre unnachahmliche Art und Weise erneut geschafft, Leichtigkeit und Tiefgang, Tragik und Hoffnung auf nur ganz wenigen Seiten zu vereinen. Weniger ist mehr und absolut lesenswert.
Genre: Roman über das Leben / Gegenwartsliteratur Autor: Elke Heidenreich und Michael Sowa Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag Preis: 7 € Seiten: ca. 60 ISBN: 978-3499235139
1. Handlung: Bei Betty läuft im Moment überhaupt nichts mehr im Leben. Sie ist vollkommen ausgebrannt und weiß überhaupt nicht mehr was sie anfangen soll. Sie hat nur Probleme und zu wenig Zeit für diese eine Lösung zu finden. Dann wird sie auch nur über die Feiertage von ihrem Ex angerufen, der ihr vorschlägt bei ihm in Mailand Weihnachten zu verbringen. Dann braucht sie allerdings auch noch ein Geschenk. Kurz vor dem Flug fährt sie deswegen ins KaDeWe um bestimmten Senf zu kaufen, doch ihr Blick fällt auf ein großes rosa Plüschschwein. Sie muss es einfach kaufen, egal um welchen Preis. Wie dieses Schwein ihr Leben verändern wird und ihr die Augen öffnet kann sie in diesem Moment noch nicht wissen, doch dafür war es noch immer viel zu günstig. 2. Schreibstil: Der Schreibstil von Elke Heidenreich und Michael Sowa schreiben dieses Buch auf eine ganz besondere Weise. Der Satzbau und die Ausdrucksweise sind recht einfach gehalten und doch trifft mich jeder Satz mitten ins Herz. Ich konnte das Buch fast nicht mehr weg legen, da ich bei jedem neuen Satz lachen oder weinen könne. Dieses Buch umfasst ein Wechselspiel der Gefühle, dass ich von wenigen Büchern kenne. Das liegt auch vor allem an der Ironie die häufig eingebaut wurde oder die trockenen Ergänzungen die einen laut auflachen lassen. Die Einfachheit hat mich irgendwie berührt und die Worte haben an den richtigen Stellen gestanden. 3. Charaktere: Der Hauptcharakter ist im Grunde Erika, dass Plüschschwein das Bettys Leben verändert. Es wird ausführlich beschrieben. Mit ihren abstehenden Beinen, ihrem weichen Fell und kristallblauen beruhigenden Augen. Sie zieht die Menschen um sie herum in ihren Bann und macht deren Tag ein bisschen besser. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn jemand unerwartet nett zu euch ist, euch begrüßt und anlächelt und ihr nur noch mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause weitergehen könnt, oder euch jemand fremdes ein Kompliment macht. Dieses Gefühl haben die Menschen rund um Erika. Aufgrund dessen geht es auch Betty mit all ihren Problemen im Leben besser. 4. Umsetzung: Wie oben schon eingehenst erwähnt, fand ich die Umsetzung sehr gut gelungen, auch wenn keine besonderen Muster darin vorkamen. Allerdings war das Buch in sich einfach schlüssig und hat Spaß gemacht. Zudem konnte es die Message sehr gut transportieren. Man muss nicht immer Zeitsprünge oder Rahmenhandlungen in Bücher einbauen damit sie als gut befunden werden. Zudem macht dieses Buch gerade seine Einfachheit aus, in der sich allerdings so viel mehr versteckt. Erwähnenswert sind auch noch die illustrierenden Bilder, die ich sehr anschaulich finde. Sie treffen einen mitten ins Herz, lassen allerdings noch genug Interpretationsfreiraum, da sie kartoonhaft gezeichnet sind. 5. Cover: Das Cover finde ich gelungen, allerdings würde es mich normalerweise nicht sofort im Buchladen ansprechen. Es passt jedoch sehr gut zu den Bildern. 6. Ende: Das Ende war passend und offen genug um sich den Rest der Geschichte zu denken. Man hat diese Frau am Ende des Buches verstanden und was noch viel wichtiger ist, man war diese Frau. Man konnte sich mit ihr identifizieren. Man sah sich in diesem Buch, es hat einem den Spiegel unserer Gesellschaft vorgehalten. Jede Wendung in der Vergangenheit dieser Frau kann uns in unserem Leben passieren. Wir können genau in die gleiche Situation geraten und dann würden wir uns auch wünschen eine Erika zu haben. 7. Bewertung:
Ich habe eine große Schwäche für Lesebücher mit Bebilderung, die an Erwachsene gerichtet ist. In Kombination mit Elke Heidenreichs melancholischem Stil und Michael Sowas wolkig wattigen Illustrationen entstehen bittersüße Kurzgeschichten wie "Erika". Diesmal ist es ein zweitägiger Sinn-des-Lebens-Trip durch Deutschland und Italien während der Weihnachtszeit. Dass jede random Person von der Protagonistin, die nicht Erika heißt, haha, einem Herkunftsort zugeschrieben wurde, hat mich dennoch irritiert.
Wunderschön und berührend. Ich will auch ein Riesen-Plüschschwein. Einzig und allein der Alkoholismus frustriert mich, aber es ist realistisch und Literatur ja leider auch immer ein Spiegel unserer Gesellschaft.
Since my name's Erika + I LOVE Michael Sowa's art, I got curious when I found this book at a second-hand bookshop. ....well..... I don't know what to make of this book. Slightly depressing, but had an interesting insight into German lives. And since this book was published nearly 2 decades ago (my head's still refusing to believe that 2002 was more than a decade ago), the story felt old-fashioned and nostalgic.
Ich mag die Hauptfigur Elisabeth sehr. Sie hat viel Charakter und ist gleichzeitig emotional und menschlich, also nicht perfekt. Erika hat auch in meinem Kopf einen eigenen Charakter und wird von vielen Menschen behandelt wie ein lebendiges Wesen. Vor allem Betty wächst das Tier immens ans Herz. Und auch mir, um ganz ehrlich zu sein. Erika erinnert mich an mein eigenes Kindheitskuscheltier: freundlich, wichtig und hoffnungbringend. Das Buch beginnt spaßig und sarkastisch und am Ende hat man etwas zum Nachdenken. Das sind mir die liebsten Geschichten.
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HANDLUNG: Zum Ende des Jahres genau genommen kurz vor Weihnachten erkennt Elisabeth wie ausgebrannt sie eigentlich ist. Lediglich die Arbeit bestimmte ihr Leben. Da kommt der Anruf von ihrem Ex Frank gerade recht, denn der lädt sie zu sich nach Lugano in die Schweiz an der italienischen Grenze ein. Ohne weiter drüber nachzudenken, sagt Elisabeth zu. Doch bevor sie sich zu Frank auf den Weg machen kann, will sie noch ein Weihnachtsgeschenk für ihn einkaufen: ein leckeres Fässchen süßscharfen Senf aus dem KaDeWe. Doch bevor Elisabeth die 6. Etage des Schlaraffenlandes erreicht, entdeckt sie beim Stöbern Erika. Erika ist ein sehr flauschiges und lebensgroßes Plüschschwein mit riesigen blauen Knopfaugen und einem Kringelschwanz. Mit Erika auf dem Arm macht sich also Elisabeth auf den Weg nach Lugano zunächst durch die Berliner U-Bahn, dann auf deutschen Flughäfen und zuletzt in Schweizer Schnellzügen und überall wo beide hinkommen, zaubert Erika den gestressten Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Diese Tatsache bringt Elisabeth zum Nachdenken über das Leben und über sich selbst. So kommt es, dass am Ende doch alles anders kommt …
CHARAKTERE: Im Buch treffen wir auf Elisabeth eine gestresste und etwas mies gelaunte Großstädterin. Sie berichtet in dem doch sehr schmalen Buch über ihr bisheriges Leben und irgendwie kann man so eine Person nur bemitleiden. Wäre da nicht Erika. Auch wenn das rosafarbene Plüschschwein kein einziges Wort sagt, so hilft die liebevolle, warme und flauschige Erika Elisabeth wieder neue Hoffnung im Leben zu schöpfen.
DAS BESONDERE: Als ich das kleine Büchlein durchgelesen habe, dachte ich nur eins: Ich möchte auch so eine Erika. :D (aber nicht für 678,-)
MEINUNG INSGESAMT: “Erika oder der verborgene Sinn des Lebens” gefällt mir an sich sehr gut. Und das, obwohl die Weihnachtszeit noch zweieinhalb Monate entfernt ist. Die Geschichte um Elisabeth und Erika ist sehr niedlich geschrieben und ist an einem Abend schnell durchgelesen. Natürlich steht dir auch die Möglichkeit offen das Buch nicht nur wegen des Inhalts zu lesen, sondern auch wegen der Tiefgründigkeit. Neben der niedlich gestalteten Geschichte sind auch die Bilder allerliebst. Das leuchtend quietschige Schweinchenpink fällt sofort in dem doch recht grauen und düsteren Alltagsabbildungen auf und zaubert nicht nur den Protagonisten ein Lächeln ins Gesicht. Einzig das Ende hat mir etwas missfallen. Aber wahrscheinlich auch nur deshalb, weil ich nicht nach dem verborgenen Sinn des Lebens im Buch selbst gesucht habe, sondern die Geschichte nur, als eine ansehnliche Weihnachtsgeschichte betrachtet habe.
EMPFEHLUNG: Auch wenn das rosa Schwein auf dem Cover sehr dazu verleitet, handelt es sich bei “Erika” nicht um ein Kinderbuch. Jedoch können alle erwachsenen Kinder, die mal etwas putziges Zwischendurch lesen möchten, hier zugreifen.
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This was a sweet Christmas story with the double-layer approach (you can read it merely for plot or you can read it on a philosophical level) so popular in German literature. Sometimes it can seem forced for an author to do the underlying layer of meaning thing, but here it was relatively harmless. Just a quick read about how our overwhelming aversion to corniness nowadays inhibits our ability to live life fully. Blah blah blah, but cute nonetheless.
"Erika" ist ein wundervoll unpathetisches Buch über ein Plüsch-Schwein, dass das Leben zwar nicht besser macht, aber die Laune hebt und den Menschen, denen es begegnet, dabei hilft, ihre Einsamkeit besser zu ertragen. Trotz der schwierigen Situation der Protagonisten ist es eine sehr versöhnliche Weihnachtsgeschichte ohne viel Kitsch.