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Frühschicht: Linke Fabrikintervention in den 70er Jahren
Was heute kaum vorstellbar klingt, war Anfang der 1970er Jahre weit verbreitet. Einige Tausend junge Linke tauschten den Seminarstuhl gegen die Werkbank ein, um die Arbeiterklasse für Revolution und Kommunismus zu begeistern. Jan Ole Arps geht der Geschichte dieses vergessenen politischen Experiments nach und untersucht die sogenannte Fabrikintervention am Beispiel der maoistischen und operaistischen Gruppen der Bundesrepublik. Er schildert die Kluft zwischen revolutionärer Hoffnung und betrieblichem Alltag und forscht nach den Strategien der Beteiligten, mit diesem Widerspruch umzugehen.
240 pages, Paperback
First published March 1, 2011
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Community Reviews
Displaying 1 - 4 of 4 reviews
June 19, 2026
Diese Darstellung der Fabrikintervention von operaistische/sponti und maoistische Gruppen ab den 70er Jahren bis hin zu den 90er ist ein fesselnden Überblick zu zwei unterschiedliche Politik, die den Sozialpartnerschaft den Kampf erklären. Selbst wenn ich den Ablehnung der Leninismus (die hier nur in die Entartung der K-Gruppe verstanden wird) der Autor nicht teile, wirft er viele interessante Frage zu den Moglichkeiten und Grenzen für das Betriebsarbeit von revolutionäre Organisationen. Diese sehr einstiegsfreundlich Buch hat auch den Verdienst das Wort den zeitgenössischen Akteuren öfter zu übergeben, um deren Fehlern und Verdienste am konkretesten zu erfassen.
September 13, 2026
Sehr hilfreicher Einblick und eine gute konkrete Darstellung, große Empfehlung. Man fragt sich natürlich: Wie besser machen
August 7, 2026
Eine ganz wunderbare, sehr detailreiche historische Aufarbeitung dieser in Vergessenheit geratenden, extremen politischen Interventionsform aus den 70ern. J.O. Arps kontrastiert in diesem Buch die Motive, Ziele und Strategien der Marxistisch/Leninistischen K-Gruppen mit denen der operaistischen "Sponti" Bewegung um Joschka Fischer & Co. Er zeichnet ihre Pfade in und um die Fabrik anhand prägender industrieller Konflikte der 70er Jahre nach und lässt dabei zum Glück an vielen Stellen einzelne Aktivisti / Arbeiter*innen oder Flugblätter einfach für sich sprechen. Die persönlich geschilderten Erfahungen über die "wilden Streiks" oder aus dem für die aktivisti fremden betrieblichen Alltag faszinieren und transportieren sehr eingänglich die enorme Hoffnung auf revolutionären Wandel, die allesamt in sich trugen. Die Lektüre verdeutlicht aber eben auch die ernüchternde Realität der betrieblichen Interessensvertretung im Kapitalismus und und die Erfolglosigkeit dieser Strategie.
Auch weil das "strategisch arbeiten gehen" in manchen Kreisen der zurückgedrängten Klimabewegung wieder an Popularität gewinnt, lohnt sich die Lektüre von Frühschicht. Nicht zuletzt, um die Herausforderungen und Missverständnisse dieser lebensprägenden, teils lebenslangen Aktionsform zu verstehen und daraus zu lernen. Denn im Rückblick waren die "[...] Aktiven beider Lager mit dem Problem konfrontiert, dass ihre aus der Welt des Protests importierten Konzepte in der Fabrik nicht wirkten. [...] Diese Feststellung diskreditiert nicht den Versuch. Sie macht aber deutlich, mit welcher Macht die täglichen Abläufe die Wirklichkeit (der Arbeitswelt) strukturieren. Sie lassen sich nicht einfach durch den Willen und nach dem plan einer kleinen, entschlossenen Avantgarde aus den Angeln heben." (S. 213f.)
Auch weil das "strategisch arbeiten gehen" in manchen Kreisen der zurückgedrängten Klimabewegung wieder an Popularität gewinnt, lohnt sich die Lektüre von Frühschicht. Nicht zuletzt, um die Herausforderungen und Missverständnisse dieser lebensprägenden, teils lebenslangen Aktionsform zu verstehen und daraus zu lernen. Denn im Rückblick waren die "[...] Aktiven beider Lager mit dem Problem konfrontiert, dass ihre aus der Welt des Protests importierten Konzepte in der Fabrik nicht wirkten. [...] Diese Feststellung diskreditiert nicht den Versuch. Sie macht aber deutlich, mit welcher Macht die täglichen Abläufe die Wirklichkeit (der Arbeitswelt) strukturieren. Sie lassen sich nicht einfach durch den Willen und nach dem plan einer kleinen, entschlossenen Avantgarde aus den Angeln heben." (S. 213f.)
April 13, 2012
Ausgesprochen Interessante Chronik linksradikaler Fabriksinterventionen in der Nachfolge von 1968. Vor allem die maoistische und operaistische ("autonome") Szene wird hier gut dokumentiert. Arps gibt Einblicke in eine Welt in der die Linke noch das Gefühl hatte gewinnen zu können. Besonders gut hat mir das Einbinden der Interviews ehemaliger Aktiver gefallen die sehr konkret auf die Probleme und Themenfelder ihrer Aktivitäten eingegangen sind. Auch wenn ich der Analyse von Arps nicht zustimme dass aus den Erfahrungen der 70er nichts für heutige klassenkämpferische Politik abzuleiten ist, ist dieses Buch ein toller Beitrag zur Geschichte der radikalen ArbeiterInnenbewegung nach 1945. Ich hätte mir natürlich auch ein Interview mit trozkistischen Kadern gewünscht, aber andererseits hat mich das Buch auch darauf aufmerksam gemacht, wie wenig unterschied in der herangehensweise an die "Organisationsfrage" zwischen ML und trotzkistische Gruppen besteht. Trotz der beschriebenen Niederlagen macht das Buch Mut. Keine kleine Leistung.
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