Dieses Buch ist ein reich bebildertes Nachschlagewerk für junge Leser.
Thematisch geordnet werden eine große Palette von übernatürlichen Erscheinungen und Figuren aus Mythologie, alten Religionen, Sage und Volksglauben dargestellt, die Eingang in die Fantasy und auch Horror-Literatur gefunden haben. Gruppen sind zum Beispiel „Fabelwesen“, „Magische Gegenstände“, aber auch „Untote“.
Das sieht meistens so aus: Ein kurzer Artikel der Autorin beschreibt den Gegenstand. Einzel- oder Nebenaspekte erhalten erläuternde Darstellung, um das Wissen zu vertiefen. Zum Hauptartikel gehören auch bildliche Darstellungen, die auf der Seite meistens genauso viel Platz einnehmen. Die ganze Seite ist eine Bild – Textkomposition. In einem Kästchen wird dann auf Bücher und Filme verwiesen, in denen die Figuren und Erscheinungen eine wichtige Rolle spielen. Das sind dann meistens englischsprachige Werke und bekannte Märchen. Hier hat man von Seiten des deutschen Verlages Wert darauf gelegt, nur auf hier bekannte und deutschsprachige Literatur zur verweisen.
Das Vorwort von Jonathan Stroud, dem Schöpfer von „Barthimäus“ und einer der derzeit erfolgreichsten Fantasy-Autoren, gibt sozusagen die Einstellung zur Welt der Feen, Schrecknisse und Magie vor. Er sieht die Gestalten als Teil seiner (Vorstellungs-)Welt. Da ist es nicht wichtig, ob es dieser nun „wirklich“ gibt. In einem Werk der Fantasy werden sie von den Leser und Zuschauer real, und das zählt.
Im Anschluss daran versucht Judy Allen gar nicht erst Fantasy exakt zu definieren. Sie meint, dies sei eigentlich gar nicht möglich. Fantasy ist es eben dann, wenn darin Hexen, Zauberei und Fabelgeschöpfe eine Rolle spielen. Immerhin wird durch die Darstellung des Buches klar, dass fast alle Elemente der Fantasy-Literatur eigentlich schon vor ihr existiert haben, die modernen Autoren und Autorinnen sie eigentlich nur aufgegriffen und zum Teil weiter ausgeschmückt haben. Oder um ein bekanntes Beispiel aufzugreifen, wie J.K. Rowling den Hippogreif aus dem Greif und dem geflügelten Pferd Pegassus, neu „geschaffen“ haben.
Die Darstellung sind kurz und präzise. Man kann annehmen, dass das Wissen aus fremden Quellen einigermaßen exakt vermittelt wird, wobei es natürlich in der Hinsicht schwierig ist, folkloristische Figuren mit Worten zu beschreiben und deren Rolle zu erläutern, da helfen die Bilder weiter.
Gelegentlich scheint es, dass die Autorein selbst plausible Erklärungen (er)findet, etwa für den Besen als Fluggerät der Hexen:
„So gut wie alle Hexen betrieben ihr Geschäft von zu Hause aus, und da dort der Besen immer griffbereit war, wurde er zu ihrem bevorzugten Fortbewegungsmittel.“
Als erwachsener Leser wünscht man sich vertiefende Erklärungen, doch es gibt leider keine Hinweise zur Sachliteratur.
Es gibt aber, ein geographisch geordnetes Herkunftsregister und ein für Nachschlagewerke unerlässliches, recht umfassendes alphabetisch geordnetes Register.
Hinzu kommt noch ein Glossar, das so wichtige Begriffe wie „Kelten“ erklärt.
Für junge Leser gibt dieses schön aufgemachte Buch einen guten ersten Einblick in die Vielfalt fantastischer Gestalten, die den Reiz der Fantasy nicht nur für junge Leser ausmachen. Die Phantasie wird angeregt, und man blättert wegen der vielen Bilder gern darin.