Warnung vorweg: Lesen Sie dieses Buch keinesfalls ehe sie nicht die anderen beiden Teile Engelspapst und Engelsfluch gelesen haben. Der Anschluss an die ganze Geschichte würde Ihnen fehlen und in Kastners Realität einzudringen dürfte ohne diese Bücher unmöglich sein.
Das Buch spielt innerhalb nur einer Woche ungefähr ein Jahr nach Engelsfluch. Der ehemalige Schweizergardist Alexander Rosin und die Vatikanistin Elena Vida haben sich getrennt. Donatti ist in der Polizeihierarchie ganz nach oben aufgestiegen. Gleich zu Beginn soll sich Elena mit einem hohen Geistlichen treffen, der ihr irgendwelche Geheiminformationen zuspielen will. An dem angegebenen Ort trifft sie ihn jedoch nicht, sondern entkommt nur knapp mit dem Leben und wird bald darauf neben der Leiche ihres Informanten gefunden. Weder Rosin noch Donatti können verhindern, dass sie zunächst des Mordes verdächtigt und eingesperrt wird. Die beiden Päpste im Vatikan schalten daraufhin Rosin und Donatti ein, denn ein weiterer Kardinal musste sein Leben lassen - er ist einfach verbrannt. Bald schon wird klar, dass es wiederum um den Kampf der Engel und der Menschen geht und auch Totus Tuus ist wieder aktiv.
Der Roman spielt also in der Realität der lebenden Engel, des Kampfes von Lucifer und Uriel und der beiden Päpste. Auch der Sohn von Papst Lucius ist wieder mit von der Partie. Aber auch für die geänderte Realität gibt es gewisse Dinge die vollkommen unlogisch sind, denn warum sollte ein enger Vertrauter der Päpste, seine Erkenntnisse eher einer Journalistin zuspielen wollen als den Päpsten? Und bald darauf gleich wieder eine ähnliche Situation. Da hat Kastner für meinen Geschmack zu sehr in die Trickkiste gegriffen und sich zu häufig nicht gefragt ist das eigentlich möglich. Das Ende des Romans verlang praktisch eine Fortsetzung, wenngleich der weitere Handlungsstrang vollkommen offen ist. Hier hat Kastner die Möglichkeit die Realität wieder ein bisschen einzufangen und aus dem Fantasygenre zurückzukehren.
Sprachlich habe ich Kastner schon besser erlebt, und auch inhaltlich hat er sich diesmal einige Schnitzer erlaubt. Stilistisch hängt er sich an die Tricks großer amerikanischer Schriftsteller (King, Brown, etc.) an und wechselt laufend die Szenerie zwischen zwei Handlungssträngen. Oft sind Kapitel nur wenige Seiten lang, damit er am spannendsten Punkt einen Schnitt setzen kann. Ich kann mir nicht helfen, aber diese Technik habe ich schon viel besser eingesetzt gesehen. Die Charaktere werden weiter entwickelt, sie haben nicht besonders viel Tiefe und machen innerhalb der wenigen Tage natürlich auch keine großen Entwicklungen durch.
Insgesamt ein Buch das man nicht unbedingt gelesen haben muss, aber andererseits wenn man die ersten beiden Teile gelesen hat, dann möchte man auch die Fortsetzung kennen lernen - und so schlecht ist es dann auch wieder nicht.