Linda Maria Koldau rollt in ihrem glänzend geschriebenen Buch den Fall "Titanic" neu auf. Sie erklärt anschaulich, was wir über den Luxusdampfer, seine Passagiere, die Umstände des Untergangs und das Wrack wissen und macht deutlich, warum die Katastrophe so viele anrührende Geschichten rund um Liebe und Tod hervorgebracht hat. Montag, 15. April 1912, 2 Uhr 18: Die Titanic zerbricht drei Stunden nach der Kollision mit einem Eisberg und sinkt. Nur rund 700 der 2200 Passagiere überleben. Die Umstände der Katastrophe werden aus Haftungsgründen verschleiert, Legenden überdecken schnell das wahre Geschehen. Linda Maria Koldau hat die Dokumente über den Untergang neu gesichtet. Sie versteht es meisterhaft, die letzten Stunden auf dem schwimmenden Luxushotel lebendig werden zu lassen und dabei zu zeigen, welche realen Anknüpfungspunkte Legenden, Filme und Romane zur Titanic genutzt haben. So entsteht über den Tatsachenbericht hinaus eine eindrucksvolle Kulturgeschichte der Schifffahrtskatastrophe, die bis in unsere Gegenwart reicht.
Zu Beginn fand ich das Buch wirklich gut und überraschend umfangreich. Vieles wusste ich selbst noch nicht und fand es deshalb umso spannender - bis mir einige Dinge aufgefallen sind, die mir etwas unstimmig erscheinen. Dinge, die als Fakt hingestellt werden, aber in anderer Literatur widerlegt sind, Aussagen, die schlichtweg falsch sind. Vielleicht liegts am Jahr der Veröffentlichung und daran, dass zu der Zeit einfach einiges nicht bekannt war - aber ich fand es dann doch irgendwie störend, dass die Autorin negativ über entstandene Mythen schreibt, andererseits aber selbst weiter dazu beiträgt, Mythen als Fakt zu verkaufen.
Spoiler Warnung! Einige Auszüge, die ich fragwürdig fand:
Die Niagara als "deutsches Schiff" wird erwähnt als ein Schiff, das ganz in der Nähe der Titanic gewesen sein soll, aber ohne Funk. Das einzige Schiff unter diesem Namen, das ich gefunden habe, ist ein neuseeländisches.
Der Kohlebrand als folgeschwere Beschädigung wurde auch meines Wissens mehrfach widerlegt, im Buch als klarer Fakt verkauft. Bilder, auf denen angeblich die Beschädigung zu sehen sein soll, zeigen Flecken an Stellen, an denen nicht die Schotte und auch nicht der berüchtigte Heizraum sind - von daher ist mir nicht ganz klar, wo die Autorin dieses Wissen hernimmt (was ich grundsätzlich bei allen hier aufgeführten Punkten nicht ganz nachvollziehen kann!).
Laut Autorin soll auch kein Schwarzer an Bord gewesen sein - mir fiele da Joseph Philippe Lemercier Laroche ein. Aus Haiti stammend und soweit ich weiß als einziger schwarzer Passagier der Titanic bekannt.
Aufgrund der ganzen Ungereimtheiten (und des teilweise reißerischen Plaudertons im Text) fand ich das Buch dann insgesamt doch etwas enttäuschend.
Je mehr ich über die Titanic und ihren tragischen Untergang lerne, umso mehr fasziniert es mich. So viele menschliche Schicksale. Eine solche Verkettung unglücklicher Zufälle. Menschen haben ja immer das Bedürfnis nach Kongruenz, wollen Dinge verstehen. Das hat dieses Buch bei mir auf jeden Fall erreicht. Von Anfang bis Ende, sehr strukturiert und sachlich wird hier Realität von Fiktion getrennt. Was ist Mythos und was ist wirklich passiert. Mittlerweile fasziniert mich fast mehr wie wir über solche Ereignisse denken. Wie schon vor über 100 Jahren Shitstorms und Cancelling existiert haben. Es passierte aber eben in anderen Medien und hatte andere Namen. Anhand der Titanic Katastrophe lässt sich so viel über Menschen lernen. Wahrscheinlich wird es deshalb auch nicht das letzte Buch sein, das ich dazu gelesen habe.
Ein wirklich toll geschriebenes Sachbuch über die Titanic, ihren Mythos und ihre kulturgeschichtliche Bedeutung.
Koldau beleuchtet nicht nur die Geschichte der Titanic und ihres Untergangs, sondern klärt auch sehr anschaulich über die vielen Verwicklungen und wirtschaftlichen Interessen der White Star Line, Marconi und den dahintersteckenden Trusts auf. Damit einhergehend werden viele Aussagen Überlebender vor den Untersuchungsausschüssen neu bewertet und vermeintliche Bösewichte in ein ganz anderes Licht gerückt.
Desweiteren widmet sie sich sehr genau der Rezeptionsgeschichte und geht der Frage auf den Grund, warum die Geschichte der Titanic bis heute fasziniert.
Ein sehr spannendes Buch, das nicht nur anschaulich über die Titanic berichtet sondern auch gleichzeitig über die Standards der damaligen Passagierschiffahrt informiert. Absolut empfehlenswert, nicht nur für Titanic-Fans.
Solid overview of all things Titanic, including the search for and discovery of the wreck and the treatment of the subject in film. Seems fairly well researched, but not devoid of mistakes. Koldau is also oddly quick to completely exhonerate Captain Lord of the Californian (her main "evidence" apparently amounting to "white is not a colour"), which I didn't find convincing.
Faktenbezogene Gesamtsicht auf Schiff, Umstände der Kollision, Rettungsboote - und all die Historien und Mythen, die danach gewachsen sind - die Autorin versucht Fakt und Fiktion voneinander zu trennen. Und zeichnet die Mythologisierung des Untergangs bis in die heutige Zeit nach. Lohnt sich als Gegengewicht zu all den kitschigen Mythen und aufgeblähten Ausstellungen.
"Die Opfer sind die Märtyrer, die Überlebenden die Heiligen, Lords Buch ist die Bibel, die historischen Orte sind Pilgerstätten - und das Wrack ist der nahezu unerreichbare Tempel."
Die Titanic Katastrophe jährt sich diesen 15. April zum 100. Mal. 100 Jahre, und das Schiff, die Katastrophe und die Menschen ziehen immer noch so viel Aufmerksamkeit auf sich wie damals.
Ein Beweis dafür ist das Buch "Titanic: Das Schiff, der Untergang, die Legenden" von Linda Maria Koldau. Es ist das erste Titanic Buch einer deutschen Autorin das ich gelesen habe, aber auf keinen Fall mein erstes Titanic Buch. Deswegen war ich auch mehr als überrascht, dass in diesem Buch doch noch einige Fakten vorkamen, die ich so noch nie gelesen hatte.
Besonders interessant wird es, wenn es um die Schuldfrage geht. Schließlich denkt jeder, dass so viele Menschen gestorben sind, weil nicht genügend Rettungsboote an Bord der Titanic waren. Aber wäre denn wirklich die Zeit gewesen, alle Rettungsboote voll zu besetzen und abzulassen? Wenn ihr darüber mehr erfahren wollt, müsst ihr Frau Koldaus Buch zur Hand nehmen.
Leider zitierte die Autorin aber auch viel von sehr bekannten Büchern, wie u. a. Lawrence Beesleys Augenzeugenberichten, was das Buch für alt eingelesene Titanic Faszinierte wie mich an manchen Stellen etwas langatmig machte. Dies ist jedoch aber auch der einzige Punkt, weswegen ich einen Stern abziehe.
Linda Maria Koldau ist es gelungen, ein tolles "All-Round Werk" für Titanic Einsteiger zu schaffen. Sie schneidet alle wichtige Themen an und berichtet über alle Tatsachen aus allen denkbaren Blickwinkeln. Als deutsche ist sie dabei völlig unvoreingenommen, nicht so wie die diversen Bücher der Amerikaner oder Engländer die bei den jeweils anderen die Schuld suchen. Genau durch diese Unvoreingenommenheit erfährt man in "Titanic: Das Schiff, der Untergang, die Legenden" einiges, was man in anderen Büchern nicht findet.
Frau Koldaus Schreibstill liest sich dabei sehr einfach und flüssig, was meiner Meinung nach bei einem Sachbuch sehr wichtig ist. Manchmal verliert man sich auch so tief in der Geschichte der Mannschaft und der Passagiere, dass man ganz vergisst dass man gerade ein Sachbuch in den Händen hält.
Die vielen Abbildungen und Karten runden das ganze Werk dann auch noch ab, sodass ich wirklich jedem, der sich mit dem Mythos Titanic auseinandersetzen will, dieses Buch empfehlen würde.
Man glaubt, nach 100 Jahren sei alles gesagt, alles geschrieben. Falsch. Ich habe - über die klassischen Titanic-Bücher hinaus - aus diesem tief recherchierten (und exzelltent illustrierten) Werk viele zusätzliche Informationen bezogen. Absolut lesenswert. Dad Kapitel über David Camerons Titaniv-Film habe ich mir erspart...