Mein Name ist Nele. Ich fürchte, ich habe meine Schwester getötet.
Die Schwestern Nele und Jella sind unzertrennlich. Doch als ihr Vater stirbt, bekommt die enge Verbundenheit tiefe Risse. Nele findet heraus, dass die beiden jahrelang ein furchtbares Geheimnis gehütet haben. Es scheint mit dem Tod des Mädchens zusammenzuhängen, dessen verscharrte Leiche vor Kurzem im Wald gefunden wurde. Auch Neles mysteriöser neuer Freund Severin muss darin verwickelt sein. Warum sonst sollte Jella sie so eindringlich vor ihm warnen? Nele sucht in der Vergangenheit nach Antworten, doch jemand will verhindern, dass die grausame Wahrheit ans Licht kommt, und versucht, Nele mit allen Mitteln zum Schweigen zu bringen.
Endlich ein neuer Psychothriller von Jutta Maria Herrmann. Natürlich wurde nicht lange gefackelt und ich habe ihn mir direkt zur Brust genommen.
Wie gewohnt ist ihr Schreibstil wieder unglaublich fesselnd und einnehmend. Die Atmosphäre ist sehr drückend und beklemmend, dabei hat man unweigerlich das Gefühl, in einer endlosen Schwere und Stille gefangen zu sein. Man erfährt hierbei alles aus Neles Sicht. Nele ist ein sehr einnehmender, aber auch schwieriger Charakter. Man könnte sagen, bei allem, was sie tut, steht sie sich selbst im Weg. Dabei handelt sie manchmal so kopflos und naiv, dass ich sie einfach nur noch schütteln wollte. Darüber hinaus lässt sie niemanden wirklich an sich heran. Auch die Nebencharaktere sind wieder gut ausgearbeitet. Dabei weiß man niemals wirklich, was man von ihnen halten soll. Ich kann auch nicht sagen, dass ich jemanden sympathisch fand. Dafür geben sie zu wenig von sich preis.
Puh, der Einstieg hat mich schon sehr zermürbt. Held, der ich bin, hab ich den Klappentext natürlich nicht gelesen. Dadurch war die Verbindung zwischen Jella und Nele für mich eine unglaubliche Überraschung. Jella war seltsam, wie ein Schatten, der nie wirklich ankommt. Aber genau das ist auch Nele. Denn die Vergangenheit hat sie in eine endlose Leere und die damit verbundene Einsamkeit gerissen und das spürt man mehr als deutlich. Wie man wirklich lebt, weiß sie eigentlich gar nicht. Sie existiert nur noch. Es war unglaublich schwer, leise und drückend. Erst im weiteren Verlauf konnte Nele aus ihrer Lethargie gerissen werden und das in einer Art und Weise, die wirklich sprachlos macht. Denn plötzlich wurde sie völlig aus dem Nichts zu einer Gejagten gemacht. Doch hat sie die Kraft um ihr Leben zu kämpfen oder hat sie längst aufgegeben?
Die Grundthematik hat mir unglaublich gut gefallen. Es ist schwer loszulassen und neu anzufangen. Nele hadert ununterbrochen mit sich. Möchte sie doch ihre sichere Zuflucht nicht verlassen und schließlich siegt die Neugier. Sie muss wissen, was mit Jella wirklich passiert ist. Besonders auf der psychologischen Ebene geht es unglaublich tief und herzzerreißend zu. Vom menschlichen Aspekt her bin ich einfach nur erschüttert, was sich hier herauskristallisiert hat. Jugendlicher Leichtsinn und Sorglosigkeit. Arroganz und selbst erwählte Machtspielchen.
Hier entpuppt sich ein vielschichtiges Psychospiel, das förmlich erstarren lässt. Man kommt quasi kaum zum Luft holen, weil ständig etwas passiert und immer wieder die Richtungen gewechselt werden. Darüber hinaus kämpft Nele auch mit sich selbst und ihrer Vergangenheit. Die Auflösung war wirklich schockierend und mit solch maßloser Überheblichkeit und Arroganz behaftet, dass ich einfach nur an die Decke hätte gehen können. Jutta Maria Herrmann konnte mich auch hier wieder unglaublich begeistern. Sie agiert mit sehr viel Feingefühl und Sensibilität, geht aber auch sehr direkt und gezielt vor. Eine sehr tragende Story, die aufzeigt, dass du immer loslassen musst, um dich nicht selbst zu zerstören.
Fazit: "Stirb, Schwesterlein“ von Jutta Maria Herrmann ist ein sehr tiefgreifendes und emotionales Werk, dass sehr an die Nieren geht und nicht einen Moment loslässt. Beklemmend, leise und ausweglos. Eine Story, die unglaublich still und tragend ist, sich jedoch auf bahnbrechende Art und Weise weiterentwickelt. Es zeigt auf, dass du loslassen musst, wenn du dich nicht selbst verlieren möchtest. Unbedingt lesen.
Ich bin immer etwas irritiert, wenn ich ein Buch in der Gegenwart und Ich-Perspektive lese. Man kommt aber sehr schnell rein und fließt dann mit. Der Schreibstil ist demnach wie immer super.
Das Buch hab ich recht schnell „weggelesen“, wobei es mit ca. 300 Seiten auch nicht wahnsinnig lang war. Wir begleiten die Schwestern Nele und Jella, von denen vor allem Jella direkt zu Beginn auffällig erscheint.
Recht schnell wurde dann auch klar, warum das so ist. Das war überraschend, weil ich kurz dachte, dass sich das Buch nun in eine andere Richtung entwickeln würde, wie ich annahm. Stattdessen geht es aber um die Bewältigung eines wichtigen Themas. Kryptisch, ich weiß, aber man kann ja nicht so viel sagen, ohne dabei zu spoilern. :) Auf jeden Fall gut gemacht!
Kritik kann ich eigentlich nur am Ende äußern. Wobei das gar keine richtige Kritik ist, es ist eher etwas ungewöhnlich gewesen. Dadurch, dass ich extrem viele Psychothriller lese, entwickelt man ja irgendwann so eine Art „Gespür“. Als bei ca. 75 oder 80 % die Auflösung kam, habe ich eigentlich jedes einzelne Prozent mit einer neuen Wendung gerechnet. Typisch Psychothriller eben. Ich hab gewartet und gewartet und dann setzte der Epilog ein. Das war also ein eher frühes Ende, was es aber nicht schlecht gemacht hat. Es wurden trotzdem alle Fragen beantwortet, alles war schlüssig, es war einfach nur früh und daher war am Ende ein wenig Luft raus. Trotzdem super gemacht und ich freue mich auf das nächste Werk. Ich habe noch einige ältere Bücher von der Autorin, die ich noch lesen möchte. Stirb, Schwesterlein war nun ihr neuestes Werk, daher habe ich es mir direkt vorgeknöpft. :)
Nele und Jella sind unzertrennliche Schwester, aber als ihr Vater stirbt, bekommt ihre Beziehung Risse. Nele findet heraus, das sie jahrelamg ein dunkles Geheimnis gehütet hat, und dies mit der kürzlich emtdeckten Leiche im Zusammenhang stehen könnte, die im Wald vor langem verscharrt wurde. Auch Sebverin, den Nele erst vor kurzem kennengelernt hat, scheint damit was zu tun zu haben, warum sonst sollte Jella sie vor ihm warnen. Nele kann nicht anders und versucht Antworten in der Vergangenheit zu suchen, aber jemand will das mit allen Mitteln verhindern...
Stirb, Schwesterlein stammt aus der Feder von Jutta Maria Herrmann.
Nele ist der Hauptcharakter des Thrillers, sie hat es mir nicht immer leicht gemacht ihr durch die Story zu folgen. Ihre Handlungen und Gedankengänge empfand ich oftmals naiv, unlogisch oder anstrengend. Bei der Beziehung zu ihrere Schwester war sehr schnell klar das dort irgendwas nicht stimmt, und die Ahnung die ich sehr schnell hatte, hat sie dann auch bestätigt. Den Prolog fand ich sehr spannend, leider braucht dann das Buch doch einige Zeit um in Fahrt zu kommen. Aber dann holt die Autorin aus und zieht das Tempo deutlich an und hält für den Leser einige Wendungen parat, die dann wirklich Spaß und neugierig auf mehr machen. Die Spannung nimmt deutlich zu und ich konnte dann das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Mein Fazit: Auch wenn der Thriller ein paar Seiten brauchte um mich einzufangen, konnte es mich dann aber für sich einnehmen und mir spannende Lesestunden bereiten.