Bewertung: 3.0 / 5.0
Meinung:
„Die Geschichte des Wassers“ ist ein Roman, der sich nur schwer zusammenfassen lässt. Denn entgegen anfänglicher Erwartungen geht es nicht nur um die Geschichte eines jungen Mädchens in einem alten Kurort oder die eines Flüchtlings im spanischen Bürgerkrieg. Ganz wie der Titel vermuten lässt, ist die Geschichte die des Wassers – und wie es den Kurort La Isabela, seine Bewohner und Besucher beeinflusst.
Erzählt wird der Roman in sehr stimmiger Sprache, die angenehm zu lesen ist. Als einfachen Stil kann man die Sprache jedoch nicht bezeichnen, denn Teresa Viejo reichert ihre Beschreibungen mit gekonnten Formulierungen an, die den Kurort und andere Schauplätze des Romans vor dem Auge des Lesers entstehen lassen. Aber auch auf Mimik, Gestik und Gefühle wird Wert gelegt, sodass man sich insgesamt ein detailreiches Bild der Charaktere und ihrer Umgebung machen kann.
Auch bei der Charakterzeichnung hat die Autorin nicht auf Details verzichtet. So ziemlich jede Figur des Romans wirkte auf mich sehr realistisch – allesamt sind sie weder zu perfekt noch zu blass und selbst Nebencharaktere kommen nicht zu kurz. Hintergrundgeschichten von einigen Kurortbesuchern helfen dem Leser, ihr Verhalten besser zu verstehen, allerdings störte mich diese detaillierte Schilderung der verschiedenen Vergangenheiten irgendwann. Die schiere Masse kombiniert mit dem Fakt, dass man aus jeder Perspektive einen Abschnitt erzählt bekommt, war für mich zu viel des Guten. Einerseits konnte ich dadurch die Figuren kaum auf mich wirken lassen, andererseits verwandelte sich der rote Faden dadurch mehr in ein rotes Wollknäuel.
Zudem ist der erste Teil des Buchs mehr Vorgeschichte für das, was auf dem Klappentext angekündigt wird. Zwar liefert dieser Teil sehr viel Hintergrundwissen und Grundlagen für den Fortlauf der Geschichte, doch meiner Meinung nach hätte man diesen Abschnitt kürzer halten können. Die Wahrheit, nach der Alvaro de Llano sucht, wird nicht nur am Ende des Romans erst gelöst, sondern taucht dann überhaupt erst auf.
Glücklicherweise ist jedoch nur die erste Hälfte der Geschichte derart überladen. Ab der Mitte werden es immer weniger Erzählperspektiven und Figuren und die Handlung bekommt auch eine festgelegte Richtung. Besonders der letzte Abschnitt faszinierte mich, denn er machte mich sehr nachdenklich. Doch auch der Rest des Romans ist als Charakterstudie sehr gut geeignet und spricht viele Themen an, über die man sich mal mehr und mal weniger Gedanken macht.
Fazit:
Insgesamt ist „Die Geschichte des Wassers“ weniger auf Alvaro de Llanos Vater konzentriert, sondern vielmehr auf die Ereignisse in La Isabela und die verschiedenen Personen, die dort auftauchen. Wenn man sich darauf einlässt, ist dieser Roman eine gelungene Mischung aus Charakterstudie, seltsam düsteren Ereignissen und einem schönen Schreibstil.
Empfehlen würde ich den Roman vor allem Lesern, die ruhige und figurenbezogene Geschichten sehr gerne mögen. Für ein paar Stunden Zwischendurch eignet sich der Roman aber nicht, da er teils schwierige Themen behandelt und die Handlung nicht ganz geradlinig ist.