Abby Summers fliegt nach Haiti: Die Leiche ihrer Schwester ist verschwunden. Die Behörden verweigern jede Auskunft. Da taucht ein geheimnisvoller Fremder auf...
Als Abby Summers nach Haiti fliegt, um den Leichnam ihrer Schwester Linda nach England zu überführen, erwartet sie am Anfang noch, eine Insel voll karibischen Flairs vorzufinden. Tatsächlich aber taucht sie in eine Welt ein, die von Chaos, Elend und Korruption reagiert wird. Lindas Leichnam ist verschwunden, die Behörden sind keine Hilfe. Mutig macht sich Abby selbst auf die Suche, um bald darauf festzustellen, dass es nicht nur wilde Voodoopraktiken sind, die diese Insel in der Karibik zur Hölle machen.
Über den Autor Rainer Wekwerth, 1959 in Esslingen am Neckar geboren, schreibt aus Leidenschaft. Er ist Autor erfolgreicher Bücher, die er teilweise unter Pseudonym veröffentlicht und für die er Preise gewonnen hat. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter. Der Autor lebt im Stuttgarter Raum.
Ich habe das Buch zufällig entdeckt, als es hier bei den Gratis-Büchern ganz oben stand.
Es klang nach einer ungewöhnlichen Story, einem exotischen Schauplatz (ich hab noch nie ein Buch gelesen, das in Haiti gespielt hat) und das waren zwei gute Gründe es einfach mal zu versuchen.
Jetzt, da ich es beendet habe, bin ich ein bisschen zwiegespalten.
Auf der einen Seite steht der gute Plot. Ich gebe zu, dass ich das Buch an einem Tag gelesen habe. Was immer ein gutes Zeichen ist. Es lässt sich flott lesen und man ist gleich mittendrin. Weil ich das Setting "Haiti" noch nicht kenne, konnte ich viel neues Entdecken und in eine fremde Welt eintauchen. Vor Vodoo hab ich wirklich mehr Schiss, als vor allem anderen. Damit macht man keine Scherze. ;)
Wie gesagt die Story entwickelt sich rasant, die Spannung war okay. Ich hab mich nicht gelangweilt, aber ich hab mich auch nicht gegruselt oder mir die Nägel runtergekaut. Abbys Aufenthalt auf Haiti pendelt immer zwischen "Sightseeing" und "Behördenwahnsinn" hin und her, bis sich die Lage zuspitzt.
Es kommt alles mehr oder minder wie es kommen muss und dann kommt es zum Showdown. Und genau da hat mich das Buch enttäuscht. Das Ende war etwas konstruiert und der eigentliche Schluss fand ich schon dick aufgetragen. Selbst für einen Thriller.
Unterm Strich kann man sagen: Traumschlange hat einen soliden Plot und der Autor hat vieles über Haiti recherchiert. Warum dann also nur drei Sterne?
Es gab ein paar Kritikpunkte an der Sache, die mir den Lesegenuss schon etwas verhagelt haben.
Allen voran das fehlende Korrektorat. Nicht nur, dass es ein paar zu viele Schreibfehler waren, es kam auch häufiger zu Wortwiederholungen. Manche Worte, Formulierungen wollten einfach nicht so recht passen. Andauernd "schreiten" die Personen irgendwohin. "Abby schritt über den Hof" und das in einer Situation größter Eile, wobei "Schreiten" für mich im Kopf eher ein Bild eines langsamen, andächtigen Gehens ist.
Mitten im Text (bei etwa 43%) heißt die Protagonistin auf einmal Anny, nicht Abby, was mich ziemlich verwirrt hat (man fragt sich automatisch, wer zum Teufel Anny ist, und wo zum Geier die jetzt herkommt)
Was mich persönlich auch noch gestört hat, war die Neigung des Autors sein recherchiertes Wissen teils in Form von endlosen Infodumps in die Story einzuflechten. Ich weiß, man muss dem Leser Wissen mitteilen, Hintergrundinfos, Fakten. Aber muss das immer in so einer Form geschehen? Es ist immer das gleiche Schema.
Abby geht mit irgendwem irgendwo hin und trifft auf Person X. Diese fängt dann an einen Text runterzuspuhlen, der sich liest wie aus Wikipedia herauskopiert. Wir hatten: "Hahnenkampf für Dummies", "Die Geschihte Haitis" "Vodoomessen" "Vodoomessen II" u.a. Wie gesagt, ich bin immer vorn mit dabei, wenn es neues zu entdecken gibt, und ich lerne gern etwas aus den Büchern die ich lese, nur ich bin gegen diese Wikipedia-Infodumps in so geballter Form ... da bin ich kein Fan von.
Auch benutzt der Autor die Schwachpunkte der Protagonistin (Asthma und ein so gut wie gebrochener Fuß) immer nur dann, wenn es gerade die Spannung steigert. Wir wissen, Abbys Fuß war gebrochen. Am Anfang des Buchs hatte sie noch einen fetten Gips den sie gegen Anraten ihres englischen Arztes entfernen lässt. Jeder der schon mal einen gebrochenen, oder nur angeknacksten Fuß hatte, weiß, dass man nach ein paar Wochen, bestimmt nicht die ganze Nacht durch mit einem Fremden zu karibischen Rythmen das Tanzbein schwingen kann. Tanzen ist also nicht Abbys Problem, das klappt wunderbar und ich bin ehrlich irgendwann hatte ich das mit dem Fuß total vergessen, weil es einfach nicht mehr zur Sprache kommt.
Dann fällt Abby beim klettern aber von einem Zaun, und es macht Knack. Und ich dachte: Ach ja, da war ja noch was. Und als nächstes dachte ich der Fuß stelle eine Art Beeinträchtigung dar, aber nein. Nach dem kurzen Aua-Schock-mein Fuß Moment rennt Abby munter durch eine Zuckerrohrplantage auf der Suche nach ihrer Schwester.
Unterm Strich bleibt zu sagen: Traumschlange ist ein gutes Buch, mit einigen Schwächen.