Nun, da neoliberale, rechte und ultrakonservative Parteien und Weltanschauungen wieder salonfähig sind, wär ein Roman, der eine mögliche Zukunft in so einer Umgebung aufzeigt, gewiss erschütternd und interessant. Leider erschöpft sich DIE ENTBLÖSSTEN recht flott darin, die Lebensgeschichten dreier Menschen zu erzählen. Das passiert in der Form, wo Leser:innen die ganze Zeit denken sollen, das sei ergreifend, aufwühlend und tragisch. Leider ist es einfach nur sauöde. Und nimmt eigentlich das gesamte Buch in Beschlag.
Erschwerend kommt hinzu, die paar sogar ganz guten Stellen des Buches, die eine Ahnung von der düsteren Zukunft vermitteln, die leider gar nicht mehr so unrealistisch erscheint, werden durch das sozialkritisch revolutionäre Groschenromangeschreibsel, zu klischeehaften Banalitäten.
Ein Buch also für Salonlinke, die bei gutem Roten vielleicht wen abschleppen wollen, der/die das Bild von Che auf'm Shirt hat, und dafür was zum literarischen Schlauschnack brauchen. Wenn irgendwann echt eine Revolution nötig sein sollte, ich spende das Buch gern, wenn irgendwo noch ein Teil für 'ne Barrikade benötigt wird.