Kunstfälschung, Kunstraub, Geldwäsche, Steuerbetrug, Absicherung für Drogen- & Waffengeschäfte, Altersvorsorge für Diktatoren & ihre Familien, Finanzierung von Terrorismus, Handel mit Raubkunst, vom organisierten Verbrechen organisierte Raubgräberei & Handel mit illegal beschafften Objekten, Handel mit (post-)kolonialen Gütern, die ihren eigentlichen Besitzern weggenommen oder massiv unter Wert abgepresst wurden - Stefan Koldehoff & Tobias Timm präsentieren in ihrem Buch die vielen Möglichkeiten, die es gibt, unter dem Schutzmantel des besonderen ideellen Wertes, der Kunst & Antiquitäten zugeschrieben wird, damit mehr oder weniger illegal bis schwer kriminell richtig Asche zu machen. Die Autoren gehen dabei systematisch vor & präsentieren die unterschiedlichen kriminellen Tatbestände anhand besonders ans baulicher oder haarsträubender Beispiele. Dabei entsteht eine Geschichte des Kunstbooms der letzten Jahrzehnte als Geschichte der immer weiter eskalierenden Transformation kulturellen Kapitals in ökonomisches Kapital, diesseits & vor allem jenseits geltender Gesetze & mit tätiger Mithilfe vieler ehrenwert erscheinender Mitglieder des Kunstsystems - vom doppelt Beratungshonorar einstreichenden renommierten Kunstwissenschaftler über den angesehenen Kunsthändler, der sich über die dubiosen Provenienzen seiner Waren keinen Kopf macht, bis zu den Museumsdirektoren angesehener Häuser, die aus ihren Museen Showrooms für die nächste sensationelle Auktion machen. Von den Scharen an shady middle men mit und ohne kunstwissenschaftlichen akademischen Weihen zu schweigen. Auch wenn die Autoren immer wieder darauf verweisen, dass das Auswüchse des Kunstbetriebs seien, bleibt bei dieser Leserin eher der Eindruck, dass Ignoranz bis hin zur Verachtung gesellschaftlicher & juristischer Normen zum eigenen Vorteil das eigentliche Business Model des Handels mit kulturell hoch bewerteten Objekten ist. Wie sonst ließe sich erklären, dass sich zB. keine deutsche Interessenorganisation des Kunsthandels zu einem modernen, Transparenz-basierten Code of Conduct durchringen kann, sondern stattdessen die eh schon recht milden deutschen Gesetze & Vorschriften (die im Zuge der Bekämpfung von Terror-Finanzierung verschärft wurden), als Zwangsverstaatlichung des Handels & Bespitzelung in Stasi-Manier denunziert. (So Michael Döpfner, Springer-Mann & Kunstsammler.) Völlig hypertrophe, ins Pegidistische schlagende Ausfälle gegen Bemühungen, den Saustall Kunsthandel auszumisten scheinen von seinen Lobbyisten eher die Regel denn die Ausnahme. Wer sich wundert, woher manche populistische Anti-Staats-Rhetorik in so genannten besseren bürgerlichen Kreisen plötzlich herkomme, findet in diesem Buch in den zahlreichen Zitaten der Protagonisten des Betriebes, die selbst minimale Anforderungen an Gesetzestreue & Steuerehrlichkeit als Zumutungen spießiger Kleinbürgerlichkeit an ihr intimes Verhältnis zur hehren Kunst & genialen Künstlerpersönlichkeiten denunzieren, Teile ihrer Vorgeschichte.