Mitreißende Schwärmereien des „begnadeten Kulturerklärers Michael Köhlmeier“ Iris Radisch, Die ZeitEine Verführung zum Lesen, Hören und Michael Köhlmeier lädt ein zu einer ganz persönlichen Reise, von Tolstoi über Mozart bis zu Batmans Joker. Zu wem spricht Kunst? Hat Shakespeare das Menschliche erfunden – oder gar den Menschen? Hat Bob Dylan die schönste Ausformung antiker Lyrik geschaffen? Was ist überhaupt das Schöne? Michael Köhlmeier flaniert durch die Welt – und verbindet sein Staunen mit den großen und kleinen Fragen der Gegenwart. Er zelebriert alle Facetten eines intellektuellen Savoir-vivre und entwirft eine kleine Schule des klugen Schwärmens. Dieses Buch ist der ideale Begleiter für alle, die sich begeistern lassen wollen für das Schöne.
Michael Johannes Maria Köhlmeier ist ein österreichischer Schriftsteller, Musiker und Moderator. Er lebt als freier Schriftsteller in Hohenems und Wien.
Ich habe dieses Buch mit sehr gemischten Gefühlen gelesen.
Einerseits lese ich Köhlmeier sehr gerne, er ist sehr klug und umfassend gebildet, auch in diesem Buch konnte ich viel Neues lernen und habe mir vorgenommen, einiges von dem (wieder) zu lesen, was er hier aufgreift.
Andererseits ist es doch eine sehr absolute Sicht der Dinge, die er hier präsentiert. Sätze wie "Shakespeare hat das Menschliche erfunden" oder "Diese Musik [Blues] ist ein Wunder" oder "Man kann nicht anders, als diese Geschichte [Michael Kohlhaas von Kleist] bebenden Herzens in einem Zug zu lesen" finden sich in fast jeder seiner 59 Begeisterungen. Er präsentiert hier als unumstößliche Wahrheit, was doch eigentlich seine persönliche Meinung ist.
Besonders seine negative Sicht auf die Langeweile, die er als Gegenstück zur Begeisterung versteht und als einen Grund für Waffengewalt und Amokläufer an Schulen anführt (S.191), ist für mich zu hinterfragen.
Und schließlich muss ich doch das Offensichtliche ansprechen: Es ist eine sehr männliche Sicht auf das Schöne. Kunst von Frauen scheint für Köhlmeier offenbar "Das Schöne" nicht in sich zu tragen. Dabei kennt er sie doch gewiss, bei seinem Grad an Bildung, die Frauen, deren Würdigung hier fehlt. Jane Austen, Virginia Woolf, Hilary Mantel, Astrid Lindgren, Simone de Beauvoir, Ingeborg Bachmann,... um nur ein paar zu nennen. In seiner "kleinen Schule des Schwärmens" [Klappentext] sind Autorinnen nur Randfiguren. Agatha Christie (und auch hier verengt sich der Blick auf Poirot und lässt Miss Marple außen vor), Mary Shelley und ihr "Frankenstein" (reüssierte als Frau in einem von Männern geschätzten Genre), Marlen Haushofers "Die Wand" (leider ist diese Begeisterung eher eine Inhaltsangabe und verglichen mit anderen Texten weit weniger enthusiastisch! - Es wirkt fast so, als hätte der Verlag gesagt: "Komm, schreib noch einen Text über eine Frau, das ist heutzutage notwendig.") Und Erika Fuchs, die geniale Übersetzerin der Donald- Duck-Geschichten.
Das sind alle. 4 von 59.
Zusätzlich macht er noch eine Frau nieder, die es nach einer Lesung über "Indianer" gewagt hat anzumerken, dass der Begriff heute nicht mehr angebracht sei (S.141ff). Meiner Meinung nach ganz unterste Schublade und sehr herablassend geschrieben, Herr Köhlmeier. Der Uluru wäre heute noch der Ayer's Rock, wenn es nach Ihnen ginge, solange man den Begriff in guter Absicht verwende. Bezeichnungen wie "Indianer" sind jedoch einem bestimmten Weltbild entsprungen und verweisen darauf, auch wenn es nicht das Ihre ist. Das sollte Herr Köhlmeier als wortgewandter Schriftsteller und Sprachliebhaber doch am besten wissen.