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Gegen Frauenhass

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„Alle, wirklich alle Frauen können betroffen sein. Und alle, wirklich alle Männer können Täter sein.“ Die Rechtsanwältin Christina Clemm zeigt, wie allgegenwärtig die Gewalt gegen Frauen ist, und was wir verändern müssen – politisch wie privat.

Lisa M. trifft Mirko im Studium. Sie verlieben sich, streiten kaum. Dann wird sie schwanger, sie ziehen zu seiner Mutter, haben bald drei Kinder. Eine Familie wie im Bilderbuch, wäre da nicht seine Wut. Anfangs muss Lisa die Hämatome noch verstecken, mit der Zeit wird er zielsicherer. Sie versucht zu fliehen, doch vergeblich.
Christina Clemm ist Strafverteidigerin, sie hat hunderte Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt vertreten. Und sie ist wütend – weil in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau von ihrem (Ex-)Partner umgebracht wird. Weil Frauen beim Arzt, in der Arbeit und auf offener Straße Gewalt erleben und niemand etwas dagegen tut. Warum nicht? Ist es Unkenntnis, Hilflosigkeit, Desinteresse? Oder liegt dem Ganzen ein tief verwurzelter Frauenhass zugrunde? Christina Clemm führt uns durch die Spirale patriarchaler Gewalt und zeigt, was getan werden muss.

257 pages, Kindle Edition

First published September 4, 2023

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About the author

Christina Clemm

4 books14 followers

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Displaying 1 - 30 of 97 reviews
Profile Image for Elena.
1,034 reviews414 followers
March 21, 2024
"Schnell wird das Problem beiseite geschoben, an den Rand der Gesellschaft, denn immerhin kommt so etwas nicht in jeder Familie vor. Und das stimmt: Geschlechtsspezifische Gewalt kommt nicht in jeder Beziehung vor, nur in jeder dritten." - Christina Clemm, "Gegen Frauenhass"

Jeden Tag versucht ein Mann, seine (Ex-)Partnerin zu töten. Alle drei Tage gelingt es ihm. Polizei und Presse titeln das als "Beziehungstat", als "tragischen Einzelfall" - dass diese Begrifflichkeiten keinesfalls zutreffen und Femizide nur selten ohne vorhergehende Gewalt begangen werden, arbeitet Christina Clemm in ihrem Sachbuch "Gegen Frauenhass" unter anderem heraus. Anhand des fiktiven Falls von Lisa M., die im Studium Mirko kennen und lieben lernt, zu ihm und seiner Mutter zieht, mit ihm drei Kinder bekommt, von ihm jahrelang geschlagen, vergewaltigt und letztlich ermordet wird, erklärt die Fachanwältin für Familien- und Strafrecht die Zusammenhänge zwischen Frauenhass und mitunter tödlicher Gewalt gegen Frauen.

Christina Clemm vertritt als Anwältin seit Jahren Frauen und nicht-binäre Personen, die Gewalt erlebt haben. Diese Gewalt gibt es in Familien und Partnerschaften, in Arbeitsverhältnissen, in Arztpraxen sowie Krisen- und Kriegsgebieten - überall da, wo Macht missbraucht werden kann. Deshalb plädiert die Autorin für ein System, in dem alle in Freiheit leben können, ohne Streben nach Macht. Dabei betont sie auch immer wieder, dass sich die misogyne Gewalt bei Mehrfachmarginalisierung potenziert. Christina Clemm belässt es aber nicht nur bei der Benennung der Probleme unserer Gesellschaft und unseres Rechtssystems, sondern entwickelt einen ganzen Katalog an Maßnahmen gegen Frauenhass. Von der Schaffung ausreichender Plätze in Frauenhäusern über die Abschaffung des § 218 Strafgesetzbuch bis hin zu gelebter Solidarität mit Betroffenen fordert sie vor allem eines: „Seid Wütend! Stört, stört, stört! Bildet Banden! Feministische Männer – macht endlich mit!“

Ein Buch, das aufrüttelt, wütend macht und klar Position gegen Frauenhass bezieht - unbedingt lesenswert!
Profile Image for Aniya.
338 reviews36 followers
September 10, 2023
Warnung: Wie der Titel ahnen lässt geht es um Hass und (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen. Auch in meiner sehr persönlichen Rezension. Bitte lest sie mit Vorsicht oder lasst sie aus.


Ich hatte bereits das erste Buch von Christina Clemm (Akteneinsicht) gelesen. Danach war ich so unfassbar wütend und diesmal ging es mir nicht anders.
Als Anwältin vertritt die Autorin Menschen (vor allem Frauen), die Opfer von Gewalttaten wurden. Dabei erlebt sie immer wieder, wie sehr diese allein gelassen, retraumatisiert und sogar kriminalisiert werden. Wie wenig ihnen geglaubt wird.

Clemm analysiert diesmal außerdem den Frauenhass in unserer Gesellschaft, wie er zu bestimmten Gerichtsurteilen und natürlich nicht zuletzt zur Ausübung der Gewalt beiträgt. Sie kritisiert, dass unser Rechtssystem von Männern erschaffen wurde und damit einige blinde Flecken aufweist, eigentlich reformiert gehört.

"Die Sozialwissenschaftlerin Habermann hat recht, wenn sie festhält: Recht war und ist durch männliche Sichtweisen geprägt. Auch das Strafrecht entspringt ungleichen Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern, in denen männliche Interessen bestimmend sind. Die mangelnde Repräsentation von Frauen im Recht – insbesondere in der Entstehung und Entwicklung des Rechts – führt dazu, dass ihre Sichtweisen und Interessen weniger berücksichtigt werden."


Und keine Angst: Clemm ist pro Unschuldsvermutung und das Recht auf Verteidigung, hat aber einige andere gute Ideen, wie man Opfern helfen und sie besser schützen könnte.
Täter erfahren viel zu häufig Verständnis für ihre Grausamkeit und das wirkt sich strafmildernd aus.

"Er tötet in dem Bewusstsein, dass der Verlust seines Ansehens durch das Dulden der Handlungen der Frau massiver ist als der, ein Frauenmörder zu sein. Wenn er auch für die Tötung bestraft wird, kann er doch auf Verständnis für seine Tat vertrauen, werden seine Verzweiflung, seine Verlustangst, seine Erniedrigung und sein Schmerz gesehen werden."


Ein Femizid wird vor Gericht oft zum Totschlag statt zum Mord, auch dann, wenn der Täter seine Tat lange geplant und sogar mehrfach angekündigt hat.
Misogynie floriert grade wieder so richtig und hat oft fatale Folgen.

"Klaus Theweleit hat in seinem Buch Das Lachen der Täter die Ideologien von Attentätern analysiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Frauenhass Attentäter weltweit miteinander verbindet, unabhängig davon, ob sie ein geschlossenes rechtsextremes, antisemitisches oder islamistisches Weltbild haben."


Ein zentrales Thema ist Besitzanspruch. Die Frau wird nicht als gleichberechtigter Mensch wahrgenommen, sondern gehört dem Mann. Dementsprechend entmachtet fühlt er sich, wenn sie die Beziehung beendet, ein Leben ohne ihn, vielleicht sogar mit einem Anderen, führen möchte. Und auch wenn immer behauptet wird, dass diese Männer töten, weil sie ihre (Ex-)Partnerin halten wollen, so bereuen doch die wenigsten ihre Tat, obwohl die Frau ja nun nie mehr mit ihnen zusammen sein kann. Aber halt auch mit niemandem sonst, ihr ganzes Leben ist vorbei. Und das beflügelt die Täter manchmal regelrecht, sie sind während und nach dem Mord geradezu euphorisch (wie ich in einer Sendung zu dem Thema im Deutschlandfunk hören durfte).

"Rita Segato schreibt, dass ein Mann, der im Schutz des häuslichen Raums Frauen missbraucht und tötet, die von ihm abhängig sind, dies macht, weil er es kann – sie sind bereits Teil des Territoriums, das er beherrscht."


Clemm fragt sich, warum die jährlich im dreistelligen Bereich liegende Anzahl der ermordeten Frauen und die noch viel, viel höhere Zahl derer, die häusliche Gewalt erleb(t)en niemanden so richtig interessiert. Und liefert eine treffende Antwort:

"Es könnte unter anderem daran liegen, dass es hier erstaunlich gut gelingt, den Anschein der Gleichstellung der Geschlechter zu erwecken. Auch daran, dass es besonders gängig ist, Opfer und Taten zu individualisieren und den Opfern eine Mitschuld zu geben. (…) statt zu fragen, was sind das für Männer, welchen Männlichkeitsbildern folgen sie? Warum hat sie niemand gestoppt?"


Ich habe mich früher immer gefragt, warum grade Frauen ihren Geschlechtsgenossinnen eine Mitschuld an Gewalt oder gar Mord geben. Unsolidarisch, ja sogar fast schon bösartig fand ich das. Heute verstehe ich es aber besser. Wenn man sich einredet, dass man nur bestimmten Regeln, einem Skript folgen muss, dann kann es einem selbst ja nicht passieren. Wenn sie was falsch gemacht hat, dann muss ich ja einfach nur ihre Fehler vermeiden und dann bin ich sicher. Was natürlich ein völliger Trugschluss ist, aber eben dazu beiträgt, dass man sich etwas besser fühlt.

Clemm schreibt sehr klar und präzise, redet nicht um den heißen Brei. Und auch wenn ich ein oder zwei Wörter nachschlagen musste (easy dank eReader), ist die Sprache zugänglich und für alle geeignet.

Viele der Beispiele von Gewalttaten im Buch sind schwer zu ertragen und ich musste immer wieder Pausen machen. Es kam bei mir so viel hoch, all die Frauenfeindlichkeit, die ich erlebt habe, seit ich ein Kind war. Häusliche Gewalt, die Trennung nicht akzeptieren, Stalking, Sprüche, so verdammt viele Übergriffigkeiten, immer wieder das ungefragte Anfassen (schon von Jungs in der Grundschule), bis hin zu schwerster sexualisierter Gewalt. Und das bin nur ich.

Bei anderen Frauen habe ich genauso viel miterlebt. Der Mann, der meine Freundin beim Spieleabend geohrfeigt hat; der, dessen Frau nicht an das eigene Geld darf; der, der seine Frau (und die Kinder) so lange regelmäßig verprügelt hat, bis die Söhne erwachsen waren und dasselbe mit ihm gemacht haben (der Scheidungsantrag der Frau in den 80ern wurde übrigens abgelehnt, weil er sich ja reumütig zeigte und Besserung gelobte – sie hat es nie wieder versucht); der frühere Nachbar, der seine Frau so zugrechtet hat, dass wir nachts die Polizei rufen mussten; der Mann, der seine Frau ermordet und sich dann suizidiert hat, wodurch sein Kind, meine Klassenkameradin, bei entfernten Verwandten aufwuchs; der Arzt, der bekannt für ungebührliches Verhalten war und vor dem sich Frauen gewarnt haben; der Bekannte eines Arbeitskollegen meiner Mutter, der grade auf Geschäftsreise ist und keine Ahnung hat, dass die Frau die Gelegenheit nutzt, um endlich zu fliehen. Ich könnte ewig so weiter machen, das sind nur wenige Beispiele. Und nein, ich lebe nicht im sozialen Brennpunkt, sondern in der guten bürgerlichen Mitte der Gesellschaft.
Wir müssen die Täter endlich ins Visier nehmen – und auch die, die schweigen!

"Jede*r hat schon einmal mit einem Gewaltopfer gesprochen, mit einem Täter scheinbar niemand. Die gibt es im eigenen Bekanntenkreis gar nicht."


Clemm geht auf viele Orte ein, an denen Frauen Machtmissbrauch und Gewalt erleben, vom Taxi über die Arztpraxis bis hin zum eigenen Job. Die Geschichten sind erschreckend und gleichzeitig sehr vertraut. Und dann wundern sich Menschen wenn ich sage, dass ich extra in die nächste Stadt fahre, weil es in meiner nur Ärzte und keine Ärztin gibt.
Das ist ja immer das Paradoxe: passiert uns etwas, sind wir irgendwie selber schuld, haben was falsch gemacht und uns nicht richtig geschützt. Außerdem hätten wir es ja wissen müssen. Erzählen wir aber offen von unseren Maßnahmen, unseren Umwegen und unserer Vorsicht, dann stellen wir Männer unter Generalverdacht und spinnen.

Ich kann das Buch jedenfalls wirklich allen sehr empfehlen, grade Männern, die es aber wohl eher nicht lesen werden (Clemm selbst schreibt, dass ihre Vorträge sehr gut besucht, Männer im Publikum aber leider rar sind).
Ich schließe mit einem letzten Zitat:

"Wer eine gerechte Gesellschaft für alle will, dem kann es nicht um Teilhabe an Macht gehen, sondern der muss für ihre Abschaffung kämpfen."
Profile Image for Kathrin Passig.
Author 51 books476 followers
October 3, 2023
Es war schwer auszuhalten, in der ersten Hälfte musste ich nach jedem kurzen Kapitel eine Pause machen und was Erholsames lesen. Ich nehme daraus vor allem mit, dass die Rechtslage viel ungünstiger ist, als ich angenommen habe. Im zweiten Teil war es mir etwas zu allgemein und ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin konkreter aus ihrer eigenen Praxis berichtet. Allerdings war es dadurch viel weniger schmerzhaft zu lesen als der erste Teil; die zweite Hälfte habe ich an einem Stück geschafft.
Profile Image for Liz Burton.
56 reviews2 followers
October 10, 2023
„Während wir Frauen und non-binäre Personen uns noch Gedanken machen, ob wir zu laut oder zu forsch sind, ob wir überhaupt genug zu sagen haben, um öffentlich zu sprechen, haben Männer längst die Bühne erklommen und uns die Welt erklärt.“
Ein unfassbar wichtiges Buch, darüber wo und wie wir alle Misogynie im Alltag ein- und ausatmen und wie sich das auf Menschenleben auswirkt.
Die Aufklärung, die dieses Buch verrichtet, ist unabkömmlich im Kampf für eine gerechte Welt! Um es mit Margarete Stokowskis Worten zu sagen: „Lesen, weiterkämpfen!“
Profile Image for Re.
130 reviews19 followers
October 7, 2023
Bildet Banden❤️
Profile Image for Felix.
260 reviews7 followers
December 27, 2023
5/5 - für 2024 wünsch' ich mir, dass mehr Männer Bücher wie dieses hier lesen!
Profile Image for Clarissa.
695 reviews20 followers
December 28, 2025
Unbedingt lesenswert, aber durch die expliziten Fallbeispiele bitte nur lesen, wenn man es sich gerade zumuten kann. Man kann sich nur wünschen, dass das ganze Rechtssystem nach und nach mit Personen wie Clemm besetzt wird, die einen modernen Blick auf die Gesellschaft und echte Visionen hat. Für mehr Solidarität und menner-Abneigung.
Profile Image for Janne.
33 reviews
February 6, 2025
Um ehrlich zu sein, wollte ich dieses Buch erst gar nicht kaufen in der Erwartung nicht viel Neues über patriarchale Strukturen dazu lernen zu können. Wie dumm von mir! In dem Buch geht es vor allem um psychische und physische Gewalt an Frauen und Christina Clemm gibt einem als Anwältin eine sehr gut recherchierten und teils auf eigenen Erfahrungen basierenden Einblick auf das misogyne Rechtssystem. Die Fakten sind schockierend und besorgniserregend, aber ich würde dieses Buch wirklich jeder Person empfehlen. Es enthält viele Studien und Statistiken, die bei der eigenen Argumentation unterstützen wenn ein Mann dir wieder erklären will, dass “Frauen in Deutschland doch längst gleichberechtigt” seien. Empfiehlt dieses Buch vor allem den Männern in euerm Umfeld, die immernoch nicht verstanden haben, dass Frauenhass ein Männerproblem und kein “Frauenthema” ist. „Wer schweigt, stimmt zu.” (S.17).
Profile Image for Lorena.
101 reviews9 followers
August 8, 2025
Ich fand das Hörbuch von Anfang bis Ende durchgehend spannend. Mir war vorher nicht klar, wie allgegenwärtig und tief verwurzelt der Hass gegen Frauen auch heute noch ist in unserer Gesellschaft.

Mich hat so vieles so unglaublich wütend gemacht!
Ich weiss eigentlich gar nicht wo ich anfangen soll. Am schlimmsten finde ich, dass Betroffene, die (oft sexuelle) Gewalt erfahren, meist komplett alleine damit gelassen werden, oder einem nicht geglaubt wird. Oder dass Frauen, die vergewaltigt wurden und eh schon traumatisiert sind, oft sogar noch mehr traumatisiert werden durch die Polizei oder die Strafverteidiger im Gericht. (die ebenfalls frauenfeindlich sind)

Die Autorin Christina Klemm ist selbst Rechtsanwältin und bekommt dadurch unglaublich viele Beispiele von Betroffenen mit. Und genau diese ganzen Beispiele machen das Hörbuch so authentisch und spannend!

Es zeigt unglaublich viele Missstände in unserer Gesellschaft auf und öffnet einem wirklich die Augen. Es sollte meiner Meinung nach Pflichtlektüre an allen Schulen sein! „Gegen Frauenhass“ ist sehr unbequem, aber so, so, so wichtig und absolut notwendig!!!
Profile Image for braekli.
18 reviews3 followers
January 2, 2024
Die Autorin ist selbst Rechtsanwältin und vertritt seit einigen Jahren Opfer geschlechtsbezogener, sexualisierter, LGBTI*- freindlicher, rassisitisch motivierter, rechtsextremer, antisemitischer oder ansonsten menschenverachtender Gewalt und beleuchtet mit diesem Buch insbesondere, wie wir im täglichen Leben mit Misogynie konfrontiert werden und welche dramatischen Auswirkungen dieser Frauenhass auf Menschenleben haben.

Dieses Buch zu lesen war schmerzhaft, aber so ist die Wahrheit leider auch - sie tut nicht weniger weh nur weil man wegguckt.
Sehr starke Leseempfehlung!
Profile Image for Clara Helene Wicke.
42 reviews
July 26, 2024
Es ist ja sehr umfeministisch, unter vielen guten feministischen Werken das Beste finden zu wollen, und das will ich auch definitiv nicht tun. Aber es ist auf jeden Fall ein Buch, das gefehlt hat, weil es einem die existenziellsten Gefahren für Frauen gnadenlos vor Augen führt. Keine auch wichtige, aber für viele Leute vielleicht nicht greifbare, trockene feministische Theorie, sondern harte Fakten. Wenn mich jetzt jemand fragen würde, "wenn ich ein deutschsprachiges, feministisches Buch lesen will, welches würdest du empfehlen?", würde ich sagen: "das hier."
Profile Image for Beedle.
116 reviews
April 23, 2024
Meine Kollegin nannte dieses Buch ihre Arbeitsbibel. Ich erhebe es zu meinem Manifest.
Profile Image for J.
186 reviews
August 29, 2024
Dieses Buch ist so unfassbar wichtig für Frauen, aber auch für Männer!!!
Ich glaube, Männern ist häufig gar nicht bewusst, was sie den Frauen dieser Welt mit ihrem Verhalten und mit ihren Taten antun.


Meine Familie fragt mich öfter, warum hast du so große Angst vor Menschen?
Es ist nicht bloß die Angst vor Menschen, es ist die Angst vor Männern.
Schon seit mehreren Jahren empfinde ich nur Abstoßung gegenüber dieser Spezies.
All das, was man hört, Vergewaltigung, Mord, Missbrauch etc. hat was bei mir hinterlassen.
Selbstverständlich gehe ich nach Sonnenuntergang nicht mehr alleine oder alleine mit meiner Mutter raus.
Aber nur aus dem Grund, weil ich tierische Angst vor den Männern habe.
Männer sind Tiere.

Selbstverständlich wird ein anderer Weg gewählt wenn eine Jungsgruppe dort steht, selbstverständlich wird ein Bogen um jeden Mann gemacht an dem ich vorbeilaufe. Manchmal, wenn ich einen Mann sehe der Potential zum vermeintlichen „Frauenhasser“ hat, male ich mir in meinem Kopf aus, was er wohl denkt bzw. was für grausamtaten er vollziehen könnte, wenn ich an ihm vorbeigehe.

Es ist nur bisschen schlimm, man kann nicht richtig damit leben. Aber es ist unvermeidlich.
Und klar gibt es auch "andere" Männer, aber du weißt nie, zu wem die gehören und wer wirklich gut ist und wer nicht. Lieber vermeidet man es so gut wie möglich als es am eigenen Leib zu spüren und Opfer von geschlechterspezifischen Gewalttaten zu werden.

In der Bahn setze ich mich tendenziell nicht neben Männer.
Wenn ich einen Sitzblock mit 3 leeren Sitzen und einem Mann sehe, stehe ich lieber.

Ich habe mal gehört, oder gelesen (vielleicht war es sogar in diesem Buch), dass ein Mädchen vergewaltigt wurde, es aber nicht bestraft wurde, weil es nicht nachweisbar war. Das Mädchen war vor der Tat noch Jungfrau und das Blut, dass man bei der Untersuchung gefunden hat müsse nicht unbedingt auf eine Vergewaltigung hinweisen.
Also geht’s noch?

Ehrlichgesagt habe ich auch eine Angst vor der Liebe entwickelt. Liebe, Partnerschaft, Ehe bedeutet vertrauen, bedeutet zusammenleben und ständige Gesellschaft des anderen.
Aber die Angst vor Männern, Missbrauch, sexuellen Machenschaften, patriarchalisches Verhalten, Machtausübung etc. ist dann doch irgendwie ziemlich groß.
Bei der Eheschließung aufeinander vertrauen. Gemeinsame Bankkonten, gemeinsame Kinder. Als Frau ist man dann total abhängig. Und wenn der Ehemann dann doch irgendwann weg ist? Oder sich als gewalttätiges Arschloch entpuppt?

Ich sehe da einfach eine ziemlich große Gefahr, vor der ich tendenziell zurückschrecke.


„[…] fordert, dass wir endlich eine Kultur schaffen müssen, in der sich kein Opfer sexualisierter Gewalt mehr für das schämen müsse, was ihr widerfahren ist, sondern allein die Täter*innen“


»Schützt eure Töchter« heißt es statt »Erzieht eure Söhne« (!!!!!!)
19 reviews
November 29, 2025
Endlich fertig gelesen Tom-Luca, hab ganz viel dazwischen gelesen. Heftigste Buch aber. Mit das beste feministische Buch. Obviously wünsche ich mir, es würden alle lesen. Naja die Hoffnung stirbt am Ende leider doch, aber still fighting oder so ähnlich
Profile Image for Fiona.
677 reviews81 followers
June 3, 2025
Ein unglaublich wichtiges Buch. Christina Clemm ist Rechtsanwältin mit Fokus auf den Bereich häusliche und sexualisierte Gewalt, zudem schreibt sie Bücher und hält Vorträge zu diesen Themen.
Ihr Buch "Gegen Frauenhass" lag schon ein halbes Jahr bei mir auf dem SuB. Ich wollte es immer gerne lesen aber wusste auch, dass es mich emotional berühren und wütend machen wird. Und so war es auch. Ich habe tatsächlich oft nur ca. 10 Seiten am Stück gelesen und dann wieder Pause gemacht.
Es ist erschreckend wie misogyn und patriarchisch unser Rechtssystem ist, nicht von den Gesetzen her ("Frauen haben doch die gleichen Rechte wie Männer, was wollt ihr denn noch??"....), sondern von deren Auslegung her. Richter*innen, Anwält*innen, Polizist*innen, die Probleme sitzen in allen Institutionen.
Christina Clemm beschreibt dies an wahren Beispielen aus ihrer Erfahrung mit Klientinnen. Es macht wütend, es macht Angst, aber es zeigt eben auch, dass wir weiter machen müssen. Weiter kämpfen, weiter anprangern.
Profile Image for Laura.
3 reviews
March 19, 2024
Wäre schön wenn sich auch Männer von dem Titel angesprochen fühlen
Profile Image for Elea Brandt.
Author 17 books51 followers
March 23, 2025
Ein unheimlich wichtiges Buch, das sehr viele bedeutsame Themen miteinander verbindet und das - obwohl der Titel etwas anderes suggerieren könnte - auch die intersektionale Perspektive immer wieder in den Blick nimmt.

Für meinen persönlichen Geschmack bleibt das Buch am Ende ein bisschen zu anekdotisch, deswegen nur 4 von 5 Sternen. Christina Clemm erzählt nachvollziehbarerweise sehr viel aus ihrer eigenen Erfahrung mit Mandantinnen, die sie selbst vertreten hat, das ist auch definitiv die Stärke dieses Buches. Ich hätte mir an einigen Stellen trotzdem mehr Wissenschaftlichkeit gewünscht, mehr Verweise auf Studien und statistische Analysen. Diese werden auch integriert, aber im Kern handelt es sich bei "Gegen Frauenhass" eher um einen fundierten Essay als um eine (populär-)wissenschaftliche Betrachtung. Das ist am Ende aber nur ein klitzekleines persönliches Manko bei einem ansonsten überaus wichtigen und sehr gut geschriebenen Buch.
Profile Image for Valentina.
83 reviews2 followers
October 31, 2023
Ich habe mit diesem Buch gekämpft, hab geweint, hatte Gänsehaut und auch Angst. Bitte lest dieses Buch.
Profile Image for Hannah.
57 reviews1 follower
November 20, 2024
“Was wir brauchen, sind Mut und Vielfalt,Wut, Kreativität, Solidarität und Ausdauer. Voller Zugewandtheit und Menschenliebe gegen den Frauenhass- weiterkämpfen!”
23 reviews
March 21, 2025
Da dachte ich, ich wüsste schon so viel über Frauenhass, Misogynie und wie das Patriarchat Frauen schadet und dann hörte ich dieses Buch.
Ich empfehle es jeder Frau, damit sie noch besser für sich einstehen kann.
Ich empfehle es jedem Mann! Männliche Feministen werden es sicher lesen und genauso wütend werden wie ich.
Dieses Buch holt einen auf den Boden der Tatsachen zurück. Wie wenig solidarisch unsere Gesellschaft ist und wie gefährlich für jeden, der nicht männlich, weiß und heterosexuell ist.
15 reviews
April 18, 2025
Dieses Buch verdient 10 Sterne & sollte von jedem (besonders Männern!)gelesen werden. Wer denkt wir brauchen in Deutschland doch keinen Feminismus mehr wird danach seine Meinung hoffentlich ändern
Profile Image for Annika Unterberger.
547 reviews11 followers
August 25, 2024
Österreich ist das einzige Land in der Europäischen Union, in dem jährlich mehr Frauen als Männer getötet werden. Erst vor 2 Wochen mussten die Taylor Swift Konzerte in Wien abgesagt werden, weil einige dumme Buben einen Terroranschlag auf Frauen und Mädchen geplant hatten.

Zur Erinnerung, wir sprechen hier von einem der sichersten Länder der Welt. Anscheinend nur nicht für Frauen. Und es regt mich so unglaublich auf!!!

Christina Clemm ist Anwältin und arbeitet seit Jahrzenten mit Betroffenen und Opfern von Frauenhass. Auch wenn sie sich in ihrem neuen Buch auf Deutschland konzentriert, ihre Aussagen lassen sich auf jedes beliebige Land übertragen. Denn statistisch gesehen erleiden Frauen in jeder dritten Beziehung Gewalt, wobei diejenigen, die ihnen am nächsten stehen, die TäterInnen sind.

Deswegen ist es wichtig, dass jetzt auf das Problem aufmerksam gemacht wird und sich jeder und jede das eigene Verhalten vor Augen hält. Es kann nämlich immer etwas verbessert werden, obgleich man Betroffenen einfach nur mehr Gehör schenkt. Besonders bedeutend ist jedoch, ohne hier pauschalisieren zu wollen, dass auch Männer dieses Buch in die Hand bekommen. Auch wenn man selbst nicht TäterIn ist, profitiert man von der Lektüre dennoch immens.

Dieses Buch zu lesen und es sich zu Herzen zu nehmen ist der erste Schritt zu einer besseren Welt.

—> 5 stars
Profile Image for Johanna.
27 reviews2 followers
November 4, 2023
Ein so wichtiges Buch! Sollte Pflichtprogramm sein für alle Cis-Männer und all jene, die davon überzeugt sind, dass Gleichstellung erreicht sei.
Profile Image for Phine.
16 reviews2 followers
June 15, 2024
richtig scheisse und richtig wichtig zu lesen/anzuhören. empfehle das hörbuch auf spotify, starke nerven und danach die kraft, dass wir uns gegenseitig schützen ❤️‍🩹
Profile Image for Felicitas.
79 reviews10 followers
September 23, 2023
Die Rechtsanwältin Christina Clemm (@chraclemm ) schreibt in „Gegen Frauenhass“ (2023) über sexualisierte Gewalt. Mit dem Begriff „Frauenhass“ meint sie nicht eine spontane individuelle Emotion, sondern eine gesellschaftliche Gewohnheit, die Institutionen und Verhaltensweisen prägt. Clemm verwendet den Begriff „sexualisierte Gewalt“, da es weniger um Sex als um Machtausübung mit sexuellen Mitteln geht. Begriffe wie „Beziehungstat“ oder „Familiendrama“ fokussieren zu wenig auf die strukturellen Aspekte. Gerade diese Individualisierung macht Clemm als einen möglichen Grund dafür aus, dass in Deutschland bislang keine schlagkräftige feministische Bewegung gegen sexualisierte Gewalt existiert.

Clemm beleuchtet die Unterscheidung zwischen den Begriffen „Femizid“, „Feminizid“ und „Femigenozid“. Die Soziologin Diana Russell hat den Begriff „Femizid“ als Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts geprägt. Die mexikanische Politikerin Marcela Lagarde hat den Begriff „Feminizid“ etabliert, um gesellschaftliche Strukturen zu betonen. Die Anthropologin Rita Segato hat den Begriff „Femigenozid“ für unpersönliche Tötungen von Frauen - etwa im Krieg - eingeführt.

Sexualisierte Gewalt ist stets Ausdruck einer Anspruchshaltung gegenüber Frauenkörpern. Die dahinterstehenden misogynen Strukturen werden in der Regel erst dann politisch beachtet, wenn sie mit der Ethnie/Religion der Täter in Verbindung gebracht werden können. So erfolgte die dringend notwendige Reform des Sexualstrafrechts (Einführung des „Nein heißt Nein“) erst 2016 nach der sog. Kölner Silvesternacht. Zwar hält Clemm eine grundsätzliche Reform des Strafsystems, insbesondere der Tötungsdelikte, für erforderlich. Das Hauptproblem sieht sie jedoch in den patriarchalen Strukturen, die die Gesellschaft und Rechtsanwendung prägen.

Clemm betont, dass sie grundsätzlich ihren Glauben an den Rechtsstaat nicht verloren hat, jedoch häufig auch bei Gericht unsensibles bis offen misogynes Verhalten erlebt. Die Einsichten in die praktische Arbeit von Justiz und Strafverfolgungsbehörden machen das Buch besonders interessant und bieten die Grundlage für eine Liste konkreter Vorschläge, die Clemm zum Schluss des Buches macht.

Instagram: _pensandbrushes_
26 reviews
April 15, 2025
Das Buch ist lesenswert und öffnet einem die Augen und finde es selbst als Mann traurig das anstatt was gegen die Gewalt von Männern gegen Frauen zu tun wird es ausgenutzt um gegen Flüchtlinge und Ausländer zu hetzen und Wir haben noch viel vor uns als Gesellschaft bis Mann und Frau in allen belangen gleichgestellt hat hab durch dieses Buch mehr Fragen als beantwortet wurden
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