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Hardcover
First published April 19, 2023
„Da klebte plötzlich etwas Altmodisches, Verstaubtes, ja, Peinliches am engagierten Gewese. Diese alten weißen Männer, Böll/Grass/Walser/Enzensberger mit ihren Spiegel-Covern, ihren aufgeblasenen Rivalitäten und der ganzen Wichtigtuerei! Das betuliche Beschwören der Demokratie, das hysterische Gehabe von Arbeitskreisgründern, das naive Anhaften an Weltverbesserungsträumen – all das war unter der Würde der neuen, abgeklärten, grundironischen Generation. Es ging die Rede vom Karren, vor den man sich nicht spannen lassen wollte. Von moralischen Zeigefingern, mit denen man nichts zu tun haben mochte. Denn immerhin versucht Moral, allgemeine Regeln für das Zusammenleben aufzustellen, während der neue Zeitgeist allen Ernstes glaubte, nur in konsequent ich-bezogener Selbstverwirklichungsfreiheit sein Seelenheil zu finden.
Entsprechend präsentierten sich die jungen Autoren: selbstbewusst und selbstbezogen, gepanzert mit etwas, das sie vielleicht sogar für klugen Skeptizismus hielten.
Das war die erste Stufe: aus Coolnessgründen apolitisch sein.“