Die Geschichte der britischen Star-Cellistin Jacqueline Du Pré, die bereits in jungen Jahren mit ihrem unglaublichen Talent das Publikum verzückte und mit 22 ein ebensolches Musik-Wunderkind - Daniel Barenboim - heiratete, mit dem sie viele Konzerte gab. Bereits im Alter von 28 Jahren wird bei ihr Multiple Sklerose diagnostiziert, woran sie 1987 42jährig stirbt.
Ich hatte von Jaqueline du Pré vorher noch niemals gehört, bin allerdings auch kein Fan und vor allem Kenner der (modernen) klassischen Musikerwelt. Barenboim hingegen war mir zumindest ein Begriff. Ich kaufte das Buch damals wohl eher, weil ich schon mal vom Film gehört hatte - gesehen habe ich ihn allerdings auch nicht. Und wußte auch absolut nichts von der Geschichte (Wunderkind, Schwestern, Krankheit, wahre Geschichte...) bevor ich zu lesen begann.
Gerade der erste Teil des Buches war recht langatmig, wieder und wieder wurde von verschiedenen Konzertauftritten berichtet und wie grandios Jackie spielte. Das langweilt nach einiger Zeit, obwohl die Autoren versuchten die einzelnen Auftritte durch kleine Anekdoten 'greifbarer' zu gestalten. Dennoch...ich musste mich durchkämpfen.
Interessanter wurde immerhin die Geschichte, als Jackie den Mann ihrer Schwester für sich beansprucht - zum aussprechen, zum ausheulen und auch zum austoben im Bett. Hilary ist zwar verletzt, ist aber einverstanden mit dieser Affäre, weil sie alles tun würde um der arg depressiven Jackie zu helfen. Ihr Mann beteuert ebenfalls, es nur zu tun damit es Jackie irgendwann wieder besser geht. Ich habe zum einen nicht recht verstanden wieso Jackie so stark depressiv war (sie war erschöpft von den Reisen durch die Welt mit ihrem ebenso prominenten Mann, und in der Ehe stand es zu dem Zeitpunkt wohl nicht zum besten - aber mir erschien das nicht Grund genug zu sein um ihre monatelange schlechte Verfassung wirklich zu erklären). Ebenso unbegreiflich finde ich das Verhalten von Hilary und ihrem Mann. Normal ist das jedenfalls nicht, denke ich mir. Anfang der 70er wurde bei Jackie dann Multiple Sklerose diagnostiziert, sie konnte kaum mehr auf ihrem geliebten Cello spielen und erst recht nicht mehr öffentlich damit auftreten. 14 Jahre später starb sie - im Grunde war es dann schon eine Erlösung.
In den überwiegenden Passagen des Buches, die abwechselnd von ihrer Schwester Hilary und ihrem Bruder Piers erzählt werden, fand ich Jackie unsympathisch bis extrem unsympathisch. Sie ist verwöhnt (die komplette Familie kümmert sich in erster Linie nur um sie und ihre Bedürfnisse), auch eingebildet, sehr fordernd, arrogant, egoistisch und teilweise rücksichtslos. Als ihr Vater schwer erkrankt, als sie selbst auch schon mit MS diagnostiziert wurde, interessiert sie das kein bißchen - sie möchte nichts davon wissen, weil es ihr zu viel ist, über einen kranken Vater nachzudenken. Nur manchmal im Kontakt mit ihren Nichten udn Neffen kam sie herzlich rüber.
Bewunderswert ist eigentlich, dass ihre beiden Geschwister - die mehrmals betonen wie sehr sie Jackie liebten - sich in diesem Buch nicht scheuen auch deren schlechtere Seite zu zeigen. Besonders Hilary schreibt an verschiedenen Stellen, dass Jackie ihr sehr weh getan hat durch ihre Affäre mit ihrem Mann oder auch durch ihre starke Boshaftigkeiten in einem späteren Stadium ihrer Krankheit. Eben wegen dieser offenen, in einigen Passagen sicher auch sehr privaten Biografie, ist das Buch dann doch wieder lesenswert.
Nun kenne ich Du Prés Musik nicht, vielleicht macht die all ihre schlechten Eigenschaften wieder wett. Falls sie mir mal musikalisch über den Weg läuft, werde ich sicher genau hinhören.