Ich habe das Buch vor ein paar Tagen beendet und es beschäftigt mich immer noch viel. Luise Kamisek hat mit Binär eine Welt erschaffen, in der die binäre Geschlechterordnung nicht mehr zentral ist und tatsächlich lange der Vergangenheit angehört. Diese Perspektive zu lesen ist sehr erfrischend und eröffnet einen völlig neuen Denkraum. Für die vielen Denkanstöße, die das Buch gibt, 5/5 ⭐️.
Es ist fast schade, dass die binäre Bewegung schon so früh im Buch eingeführt wird – ich hätte mir gewünscht, noch länger in dieser anderen Normalität bleiben zu dürfen. Und es gibt noch einige weitere Stellen, die für mich mehr Raum hätte haben können. Die Geschichte bietet so viel Potenzial, dass sie eigentlich Stoff für mehrere Bände bietet. Besonders über die Entwicklungen von Tille und die Gedankengänge von Lofi gegen Ende des Romans hätte ich gerne noch mehr erfahren (4/5 ⭐️). Der Wechsel der Erzählperspektive von Tille zu Adam ist super spannend. Was mich da beim Lesen besonders beschäftigt und mitgenommen hat, war die Wandlung von Lofis Haltung, insbesondere in Bezug auf ihre Rolle als Mutter und wie sie ihren Kindern de facto keine freie Wahl lässt, sie selbst zu sein / eine eigene Meinung zu bilden, sondern abschirmt.
Insgesamt ein Buch, das die Geschlechterordnung in Frage stellt und tief in die gesellschaftlichen Strukturen eindringt, die uns prägen. Es regt an, lässt hinterfragen und über eigene Denkmuster stolpern, macht wütend, inspiriert und hat sehr viel Spaß gemacht, zu lesen.