Eine Gesellschaft ohne binäre Geschlechterordnung - Utopie oder Chaos? Als Tille sich in Lofi verliebt, weiß Tille nichts von Lofis Lofi ist Teil der Binären Bewegung, einer Untergrundorganisation, die nach dem Dogma des Zweigeschlechtersystems lebt. Lofi definiert sich als Frau. Lofi benutzt ausgestorbene Wörter, liest andere Bücher, schaut alte Filme und kann Tille davon überzeugen, ein Mann zu sein. Was für Tille als Experiment startet, wird schon bald zu einem Lebensentwurf mit tiefgreifenden Folgen. Ein hochaktuelles Debüt über Identitäten, Diskriminierung und die Grenzen persönlicher Freiheit.
Das Buch hat mich extrem geflashed. Die Grundidee hat mich direkt interessiert und trotzdem war ich auch skeptisch, wie so etwas umsetzbar sein kann, ohne den Geschichten-Erzählen-Charakter zu verlieren und 'nur preachy' zu sein. Aber nicht nur hat es mich sehr beeindruckt, wie Kamisek mit kreativer Sprache, die trotzdem extrem lesbar bleibt für mich, eine Utopie erschafft. Die Geschichte war auch einfach von Anfang an spannend und hat so viele unerwartete Abbiegungen genommen, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Ich bin mit vielen Fragen für unsere aktuelle und für die hier gezeichnete Gesellschaft zurückgeblieben. Vor allem ist der grundsätzliche Gedanke von Schwarz-Weiß-Denken Gegenstand und das wird mich auch in Bezug auf extreme (bis hin zu extremistischen) Blickwinkeln auf die Themen noch zum Nachdenken bringen. Insgesamt ist dieses Buch eine spannende und sehr kreative Bearbeitung von Geschlechterfragen.
oha. erstmal hatte ich einen kompletten knoten im kopf. dieses buch hat mich emotional sehr aufgewühlt, vordergründig habe ich vor wut gekocht. mein hass auf lofi hat sich mit jeder seite verstärkt. es war fesselnd, adams entwicklung zu erleben.
Ich habe das Buch vor ein paar Tagen beendet und es beschäftigt mich immer noch viel. Luise Kamisek hat mit Binär eine Welt erschaffen, in der die binäre Geschlechterordnung nicht mehr zentral ist und tatsächlich lange der Vergangenheit angehört. Diese Perspektive zu lesen ist sehr erfrischend und eröffnet einen völlig neuen Denkraum. Für die vielen Denkanstöße, die das Buch gibt, 5/5 ⭐️. Es ist fast schade, dass die binäre Bewegung schon so früh im Buch eingeführt wird – ich hätte mir gewünscht, noch länger in dieser anderen Normalität bleiben zu dürfen. Und es gibt noch einige weitere Stellen, die für mich mehr Raum hätte haben können. Die Geschichte bietet so viel Potenzial, dass sie eigentlich Stoff für mehrere Bände bietet. Besonders über die Entwicklungen von Tille und die Gedankengänge von Lofi gegen Ende des Romans hätte ich gerne noch mehr erfahren (4/5 ⭐️). Der Wechsel der Erzählperspektive von Tille zu Adam ist super spannend. Was mich da beim Lesen besonders beschäftigt und mitgenommen hat, war die Wandlung von Lofis Haltung, insbesondere in Bezug auf ihre Rolle als Mutter und wie sie ihren Kindern de facto keine freie Wahl lässt, sie selbst zu sein / eine eigene Meinung zu bilden, sondern abschirmt. Insgesamt ein Buch, das die Geschlechterordnung in Frage stellt und tief in die gesellschaftlichen Strukturen eindringt, die uns prägen. Es regt an, lässt hinterfragen und über eigene Denkmuster stolpern, macht wütend, inspiriert und hat sehr viel Spaß gemacht, zu lesen.
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Nach der letzten Seite war ich froh, dass Adam aus der Bewegung austreten konnte und ein eigenes Leben startete, wenn auch ohne Familie. Adam wuchs in einer Bubble auf, in der Adam sich nicht voll entfalten konnte und eine bestimmte Rolle einnehmen musste. Nach dem Austritt stehen Adam nun alle Türen offen und muss sich nie mehr in der binären Bewegung unterordnen. Dann ist mir bewusst geworden, dass es für mich genau andersherum ist. Ich lebe in einer binären Welt und meine einzige Möglichkeit ich selbst zu sein, ist mich in eine Bubble zu flüchten, umgeben von ebenso nicht-binären Menschen. Diese Erkenntnis war schmerzhaft. Ich wünsche mir eine Regenbogenrevolution!
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krasser konzept aber es war definitiv eine interessante wahl zu zeigen, dass männlich gelesene personen die opfer in der patriarchat sind und weibliche villainized werden. ich bin mir sicher das war nicht die intension aber es hat sich leider zu oft wie borderline frauenfeindlichkeit angefühlt. und es stimmt ja schon, dass auch männer unter die patriarchat leiden aber irgendwie wäre das nicht die geschichte die ich persönlich mit so einem world building erzählen wollen würde.
Sehr spannende Buchidee und Umsetzung! Ich konnte das Buch kaum weglegen und fand es sehr interessant, Adam und Adams Familie zu folgen. In die Personen konnte ich mich sehr gut einfühlen. Einige Sachverhalte schienen recht überspitzt, verdeutlichten aber dadurch, wie lächerlich stereotypisierte Rollenbilder und die Erwartung, Menschen hätten nur aufgrund ihrer Genitalien die gleichen Eigenschaften und Interessen, sind. Das Buch hat super viele Fragen aufgeworfen, wütend gemacht, durch den tollen Erzählstil aber auch zum Teil zum Lachen gebracht und zum Nachdenken angeregt. Ich werde noch oft daran zurück- und bestimmt viele dieser Fragen überdenken und mit anderen diskutieren. Ich freue mich auf Weiteres von der Autorin!
ich kann kaum glauben, dass dies das erste buch von luise kamisek ist. es ist wahnsinnig gut und flüssig geschrieben, sodass es mir wirklich schwer viel es wegzulegen. die welt mal umzudrehen und sich vorzustellen, wie sie nicht binär sein könnte, ist eine großartige idee.. können wir nur hoffen, dass in der echten welt auch mal eine regenbogen revolution kommt. die personen sind auch wirklich interessant und mit tiefe beschrieben. ich habe das gefühl zu allen menschen ein gefühl zu haben und absolut mitzufiebern, wie es ihnen geht.
ich hoffe, es kommt noch mehr von luise kamisek!! 💜
Hab es für einen Buchclub gelesen und den gemeinsamen Besuch einer Lesung mit Luise Kamisek - und bin enttäuscht. Das Buch betont genau das, was der Titel sagt. Während der Klappentext eine nonbinäre Utopie verspricht, kommt dies im Text primär als Hintergrundfolie vor. Auf über 400 Seiten lernen wir neben der Figur Tille am Anfang keine einzige weitere Figur oder Lebensgeschichte näher kennen, die nonbinär im Sinne des angedeuteten Gesellschaftssystems lebt. Stattdessen wird über die anderen Figuren und deren reaktionäres Streben nach Binarität im Detail aufgezeigt, wie gewaltvoll und menschenverachtend das auf Zweigeschlechtlichkeit basierende Patriarchat ist. Um das zu spüren, braucht man keinen Roman zu lesen, vor allem keinen, der angeblich einen Gegenentwurf machen will.
Zu Beginn hielt ich den Plot für eine interessante Idee, aber die Umsetzung hat mich nach den ersten 50 Seiten immer weniger abgeholt. Der Text ist so geschrieben, als gäbe es heute keinerlei nonbinäre gesellschaftliche Ansätze oder auch Kunst und Kultur, auf die aufgebaut werden könnte. Die skizzierte Welt wirkt veraltet und auch die verwendete Sprache unterschlägt aktuelle feministische Entwicklungen, was möglicherweise daran liegt, dass Luise Kamisek das Buch nach eigener Aussage 2017 begonnen hat. Das Überbetonen der „Vorteile“ einer binären Gesellschaft, wie sie die Hauptfiguren leben bzw. erstreben und in überlangen Dialogsequenzen ausführen, wirft Fragen nach der Haltung des Textes auf. Die fehlenden Referenzen auf queer-feministische Kämpfe und nonbinäre Ikonen und Vorreiter:innen halte ich für respektlos. Weder sprachlich noch inhaltlich ist der Text sensibel gegenüber der nonbinären Community. Problematisch ist m.E. auch die wiederholte drastische Darstellung von Gewalt an potenziell nonbinären Personen sowie der Umgang des Textes mit anderen gesellschaftlichen Fragen wie Alkoholkonsum, oder die Rolle von Kapitalismus und Religion.
Es ist lange her, dass ich ein Buch so schlecht weglegen konnte wie dieses. Man fühlt sich wie in einem Horrorfilm, in dem man die Hauptperson(en) anschreien möchte, endlich wegzurennen. Ich konnte zu keinem Zeitpunkt vorhersagen, wie das Buch ausgehen würde, und das ist in diesem Fall sehr gut - ebenso wie das Ende an sich sehr gut ist.
Empfehlenswert für ALLE Menschen. Dieses Buch wäre eine gute Schullektüre: gesellschaftlich relevantes Thema spannend und rührend aufgearbeitet. Es regt zum Nachdenken an und macht trotzdem Spaß zu lesen.