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Richard Wagner: Alle Libretti. Vollständige Texte und Bilddokumente zu allen 13 Opern.mit Einfuhrungen Und Einem Nachwort Von Dieter Zochling

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Libro usado en buenas condiciones, por su antiguedad podria contener señales normales de uso

Paperback

Published January 1, 1982

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Unknown

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Profile Image for Frank.
654 reviews130 followers
July 1, 2026
Ich bewerte hier nicht das oben angezeigte Buch, das ich so gar nicht gelesen habe, sondern nur den Inhalt, soweit es um Wagner geht. Das Buch selbst steht hier nur als Platzhalter für eine ältere Sammlung der Opernlibretti und "Dichtungen" Wagners, die seit Jahren ungelesen in meinem Regal steht und für die ich kein anderes Äquivalent gefunden habe. Die Wertung betrifft also die Qualität der Texte Wagners als "Dichtungen" unabhängig von der Musik, die mir - ich gestehe es - noch nie etwas gegeben hat und mir trotz wiederholter Versuche immer noch nicht zusagt. Der Grund meines Interesses war einfach eine Erinnerung an den Ausspruch eines Professors, der einst vor vielen Jahrzehnten anmerkte, das Wagners Lyrik nicht zu den Gegenständen der Literaturwissenschaft in der DDR gehöre, obwohl sie dazu gehören sollte. War damit gemeint, dass es hier Schätze zu bergen gelte, oder zielte das eher auf eine von der Textseite her zu begründende Relativierung von Wagners "Größe", die in der DDR ja durchaus problematisch gesehen wurde?

Nach der - allerdings nicht allzu intensiven (auch das gebe ich zu) - Beschäftigung mit Wagner als Lyriker/ Dichter tendiere ich dazu, eher die Begründung von fundierter Kritik als damaliges Motiv zu unterstellen. Begeistert hat mich der Textdichter Wagner nicht.

Zunächst fällt auf, dass sich anstatt hoher Gedanken oft einfach nur Geschwätz findet, das in seiner Ausgedehntheit zur Geschwätzigkeit tendiert. Dabei mögen Abweichungen von den mir bekannten Mythen (nordischen Sagen) oder Epen (Parzival) dem Umstand geschuldet sein, dass Wagner verschiedene Quellen nutzte. Bei den Meistersingern z.B. auch E.T.A. Hoffmann. Dabei ist nicht interessant, dass der Inhalt nicht den mir bekannten Motiven folgt, sondern dass es Inkohärenzen gibt, die den Eindruck erwecken, als habe der Schöpfer seines Gesamtkunstwerks der Effekte wegen darauf verzichtet, den Inhalt logisch folgerichtig zu präsentieren. Im "Ring" fragt man sich schon, warum Fafner zunächst unter die Riesen zählt und dann zum Drachen mutiert, der eher wie der Lindwurm beim Heiligen Georg daher kommt. Davon ab fand ich die Texte überladen schwülstig - so wie mir auch die Musik erscheint.

Die "Götterdämmerung" stellt merkwürdig kraftlose Götter vor, denen Allmacht zu fehlen scheint. Aber das mag dem mythischen Stoff geschuldet sein. Was tun dort aber die Nornen zur Sache, von der Waltraute dann ohne Ende berichtet? Es schien mir, als dehne das nur die Handlung. Davon ab ist andauernd von den Rheintöchtern die Rede, aber soweit ich sehe hat Bruni die gar nicht getroffen oder gesehen. Woher also der Gesinnungswandel?

Mit "Parsifal" konnte ich auch nicht eben viel anfangen. Ein heiliger Tor eben. Die Karfreitagsszene am Schluss erschien mir einfach einfältig religiös und als herausragendes Beispiel für den bombastischen Kitsch der Inszenierung. Das ist einfach nicht mein Ding.

Über die frühen und - wie ich denke - weniger populären Werke "Die Feen" und "Das Liebesverbot" schweige ich lieber ganz. Auch "Lohengrin" und "Tannhäuser" haben mich nicht erreicht.

Am ehesten bin ich noch mit den "Meistersingern ", dem "Fliegenden Holländer" und "Rienzi" klar gekommen. Im "Meistersinger" klappern die Verse wie beim alten Sachs und die Story um Beckmesser ist auch irgendwie witzig- das mag also angehen. Beim "Holländer" fand ich das Sujet und die Behandlung ordentlich romantisch, wenn man das so sagen darf, und "Rienzi" überzeugt mit dem historischen Stoff und der Anlage des Konflikts, also dem Umschlag von Nachsicht in politische Dummheit.

Die lyrische Qualität der Dichtung will ich lieber nicht einzeln und als solche beurteilen. Mir ist Pathos fremd, das Ganze zu wortreich - kein Wunder, dass die Opern so lang sind - und manchmal holpert es auch mächtig im Versmaß und ähnelt eher einer Reimerei denn lyrischen Meisterwerken. Kurz, als Dichter ist Wagner für mich gestorben. Als Künstler erweist er sich hingegen doch in ein paar ausdrucksstraken Stellen wie in Brunhilds Schlussmonolog oder meinetwegen auch in den Liebesszenen, wo die sonst schwer erträglichen Überhöhungen in Romantik umschlagen und also einen beinahe legitimen Platz haben.

Empörte Fans von Wagner werden sagen, dass ich keine Ahnung habe und lieber die Klappe halten sollte. Sie haben Recht. ;-) Aber ich wollte mich nicht vom Hoff stehlen, ohne wenigstens anzudeuten, warum diese Lektüre für mich kein Kunsterlebnis geworden ist.
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