Linnie Gow wächst zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Arbeiterslums von Liverpool auf. Es ist ein von Armut und Entbehrung geprägtes Leben. Ihren Vater kennt sie nicht und ihr Stiefvater verkauft sie nach dem frühen Tod der Mutter bereits mit 11 Jahren an Freier. Viel später, Linny ist 17, hat jede Abscheulichkeit gesehen und geht seit Jahren auf Strich, als sie eine Fehlgeburt erleidet. Das tragische Ereignis leitet eine Wende in ihrem Leben ein, denn Linny bekommt Hilfe von Shaker, einem jungen Bibliothekar, der lieber Arzt geworden wäre. In den folgenden Monaten lebt sie bei ihm und seiner Mutter. Die beiden geben sie als Cousine aus, geben ihr Obdach und eine gutbürgerliche Erziehung. Shaker würde sie auch gerne heiraten, doch Linny sieht in ihm den Bruder, nicht den Liebhaber oder Ehemann.
Als Linnys Freundin Faith sie einlädt mit ihr nach Indien zu reisen und sich unter der dortigen -männerlastigen- englischen Kolonialgesellschaft einen Ehemann zu suchen, sagt Linny zu, und beide Frauen treffen nach monatelanger Schiffsreise in Kalkutta ein. Dort, im Indien des Jahres 1830 trifft Linny ihr Schicksal in Gestalt zweier Männer, des englischen Kolonialbeamten Somers Ingram und des Paschtunen Daoud.
Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Linda Holeman versteht es, sowohl die bedrückende Armut und Hoffnungslosigkeit der Arbeiterslums des 19. Jh. als auch die Exotik Indiens wiederzugeben. Sie schildert die Scheinheiligkeit der Gesellschaft, die Frauen in ein Korsett aus Regeln und Moral presst, ebenso wie die unsägliche Hochnäsigkeit der englischen Kolonialherren Indiens und die weitreichende Unterdrückung und Abwertung der einheimischen Bevölkerung. Auch Beschreibungen wie die für Europäer kaum erträgliche Hitze, die Heftigkeit der Monsunregen, die Düfte und Farbenvielfalt der Märkte oder die klare Schönheit des Himalaya sind so anschaulich, dass ich mich mitten in der Geschichte fühlte.
Trotzdem hängt über dem Buch ein Hauch von Schwermut, was daran liegt, dass Linnys Leben von Geburt an schwer verläuft. Dieser Frau wird nichts geschenkt, ihre Andersartigkeit (das Leben als Prostituierte) inmitten der englischen Mittelschicht und ihre Weigerung vor dem Leben zu kapitulieren lassen sie immer eine Außenseiterin sein. Romantikerinnen werden vermissen, dass die Liebesgeschichte im Roman, auch wenn sie wunderbar beschrieben ist, so kurz ist und das das Buch wenn auch ein versöhnliches so doch kein wirkliches Happy End hat.