What do you think?
Rate this book


229 pages, Hardcover
First published March 31, 2023
Nullpunkte werden im Leben von Frauen oft unterschätzt. Unsere Geschichten werden in der Regel mit dem Ausgangspunkt in unseren Beziehungen zu anderen erzählt, mit Kindern und Ehe als großes Vorher und Nachher des Lebens; auch diejenigen, die dies nicht erleben oder sich dagegen entscheiden, müssen sich dazu verhalten.(S. 164)
Immer wenn ich in diese Räume zurückkehrte, war es, als ob sie mir etwas über mich erzählten, was ich selbst vergessen oder gar nicht gewusst hatte. Ein Gefühl, mir selbst zu begegnen und freudig davon überrascht zu sein, wer dieser Mensch in Wirklichkeit war.(S. 126, E-Book). Diese Reflexion über den eigenen Raum als Spiegel der Identität fand ich besonders treffend.
Das Haus war nicht nur ein Ort, wo ich schrieb, sondern ein Ort, wo ich mich in Gedanken vertiefen, mich in meinen eigenen Kopf einklinken, Klarheit darin erlangen konnte, was ich wollte und was in mir wohnte.(S. 169). Dieses Bedürfnis nach einem Rückzugsort kennen sicher viele kreative Menschen – besonders Frauen, die ihre eigenen Wünsche oft hinter anderen Verpflichtungen zurückstellen.
Wenn mir die Geschichte etwas gezeigt hatte, dann, dass Frauen überall schreiben können, unter den unmöglichsten Bedingungen. Sie hatten am Herd geschrieben, während sie Brownies buken, und auf dem Treppenabsatz, während sie Kinder hüteten. Auf dem Wickeltisch beim Windelwechsel und im Bus auf dem Weg zur Arbeit, nachts in einer dunklen Wohnstube und tagsüber im Gefängnis. Frauen hatten in einer Höhle im Gebirge geschrieben, in einer psychiatrischen Klinik, in abgrundtiefer Armut und am Rande des Selbstmordes.(S. 146, E-Book). Dieser Abschnitt verdeutlicht eindringlich, mit welchen Herausforderungen Frauen in der Literaturgeschichte konfrontiert waren – und wie notwendig ein eigener Raum für kreatives Schaffen ist.