Kleiner Disclaimer vorweg: gerade bei Büchern, die ich schlechter bewerte, möchte ich ausführlicher erklären, was ich nicht mochte, einfach damit interessierte Lesende abschätzen können, wie schwer meine Kritikpunkte für sie wiegen. Ganz ohne Spoiler werde ich aber nicht auskommen und diese entsprechend kennzeichnen.
Anderer Disclaimer: Die Autorin hat dieses Buch geschrieben, es gab ein Lektorat und Colektorat, eventuell auch Probelesende. Möglichkeit a) die von mir angesprochenen Kritikpunkte wurden beim Überarbeiten übersehen, oder b) angemerkt aber nicht eingearbeitet. Es gibt auch Möglichkeit c)- Geschmäcker sind verschieden und was ich kritisiere finden andere gut.
So dann beginnen wir mal. Ich würde die Kritik in 4 Teile gliedern: Charaktere, Sprache (beides Spoilerfrei), Plot und Weltenbau (mit Spoilern).
Die Charaktere:
Die fand ich okay. Keiner wird mir als besonders in Erinnerung bleiben, aber sie waren solide.
Meine Hauptprobleme lagen da eher bei den zwischenmenschlichen Interaktionen. Es wird schon auf dem Klappentext eine Liebesgeschichte angeteasert, leider habe ich diese so gar nicht gefühlt.
Zwischen dem „er wirkt wie ein mir auflauernder Creep“ und „der großen Liebe“ haben mir Szenen gefehlt, in denen mir glaubhaft gemacht wurde, dass die beiden sich annähern und ihre Skepsis ablegen. Und ich meine damit „show don‘t tell“ mäßig. Gedankengänge wie „oh er stellt mir nach, aber er ist so heiß“ zählen für mich nicht. Genauso wie ein-zwei Rettungsaktionen.
Ich verfalle ja auch nich eine/m ADAC mitarbeitenden, nur weil er oder sie mir ein oder zweimal Starthilfe gegeben hat.
Ich schreibe selber nicht, habe aber mehrfach gehört, wie AutorInnen das Problem hatten, dass ihre Charaktere nicht so wollten, wie der Plot es vorgeben würde und sie drumherum schreiben mussten. Das habe ich stellenweise nicht verstanden, dank diesem Buch schon- es fühlt sich sehr oft an, als ob Charaktere nicht aus der eigenen Motivation handeln, sondern weil der Plot es so möchte.
Die Sprache:
Eigentlich kritisiere ich selten die Sprache und den Schreibstil, weil die für mich nur ein Werkzeug sind, um die Geschichte, die mein Hauptaugenmerk ist, zu erzählen.
Aber hier gab es für mich zu viele Ungereimtheiten, die mich aus dem Lesefluss gerissen haben.
Gerade im ersten Drittel gab es so viele ungelenke Satzkonstruktionen. Und Wortwiederholungen. Hätte mein Hund für jedes „Nana“ einen Keks bekommen, wäre er fett. Es gab vielleicht drei oder viermal „Großmutter“ als Synonym. Man hätte der Frau ja auch einfach einen Namen geben können…
An einer Stelle hatte ich das Gefühl, einen Absatz genauso schon gelesen zu haben (Stichwort Exposition, Das Haus gehört ihr, sie will nicht, dass ihre Großmutter arbeiten geht, sie ist ihre einzige Familie,…). Stellenweise gab es auch einfach Widersprüche. (Mild spoilers) Sie ist beim Meditieren eingeschlafen. Später ist sie nur fast eingeschlafen. Sie kommt zu Geld und tätigt einen teuereren Einkauf für ihre Omi, bei dem sie auch deren Lieblingskäse holt. In einem späteren Kapitel wird gemeint, dass erst zu dem Zeitpunkt das erste mal eine bestimmte Bankkarte genutzt wird.
Ihre Großmutter meint, May hatte nie Interesse, Japanisch zu lernen, May meint später, ihr Vater hätte es nicht mehr geschafft m ihr die Sprache beizubringen. Es ist ein ständiges Flipflop.
**spoiler alert** Ein Buch gibt Informationen darüber, wie ein Kurai einen Wirt übernimmt, es steht aber nichts dazu dort, dass der Kurai im Wirt nicht seine Kräfte nutzen kann, aber May weiß es irgendwie.
Es wird behauptet die Kitsune sein ein Genie, aber sie liest besagte Informationen über den Kurai und dass er keine warmen Temperaturen abkann, kommt aber nicht drauf, ihren Boyfriend in Verdacht zu haben, dessen Zimmer super kalt ist. Und obwohl sie noch überlegt, dass er meinte, er mag den Sommer. Und mir kann auch keiner sagen, dass niemand auf die Temperaturidee gekommen ist, nachdem es schon Aufzeichnungen gab. Liegt der Intellekt der Kitsune ernsthaft im stumpfen lesen?
Oh und sie will eine Kiste öffnen, als nichts hilft, flucht sie, woraufhin die Kiste leuchtet und die Transferleistung ist, der Kiste etwas vorzusingen. Keine Ahnung wieso, sie war vorher in der Gegenwart der Kiste nie stumm. ICH VERSTEHE ES JA AUCH NICHT **spoiler alert**
Der Plot und die Idee:
Ehrlich, die Idee fand ich super. Nur halt die Umsetzung hat mir nicht zugesagt. Mir hätte es auch besser gefallen, wenn man bei der Seitenanzahl bleiben wollen würde, die Schwerpunkte anders zu setzen. Das erste Drittel ist nur ihr „Alltag“ das Nachstellen und die ersten Akuma Begegnungen, dann hat man sehr viel Zeit im Orden, der „Finalkampf“ kommt auf den letzten 30 Seiten. Ich denke, es hätte der Geschichte gut getan, das was man im ersten Drittel erzählen wollte, kompakter zu fassen, einen ausgiebigeren Trainingsarc zu schreiben und dem Finale viel mehr Raum zu bieten. Aber dazu nun im Spoilerteil:
**spoiler alert** Dieses Finale… Zunächst gibt es den Zwischenfall im „Eggies“ bei dem der Kurai meint, er wäre noch nicht fertig mit ihr, er käme wieder. Da war mein Gedanke schon: „Jung, wir sind auf Seite 304/334, da musst du dich aber ranhalten!“.
Ich war enttäuscht, als ihre Kitsune aufgetaucht ist, dass sie so wenig Zeit und Raum in der Geschichte hatte. Aber hey, dafür kam sie Praktischerweise im Finalkampf wieder, weil May natürlich dem Plot dienlich ihr Kitsunedasein komplett annimmt. Der Kurai hält sich natürlich auch an den Plot und greift, ähnlich wie in Magical Girl Animes, bei denen auch brav die Transformation abgewartet wird, nicht an.
Nun war meine Hoffnung, dass May mit ihrer angeteasten Feuerkitsunemagie und dem wirklich coolen Schwert dem Kurai ordentlich einheizen darf und es muntere Metzelaktion gibt.
Nein, der Endfight ist defecto ein gemeinsames Saunieren im Heizungskeller. Kreativ war es irgendwie, dennoch maximal enttäuschend. **spoiler alert**
Der Weltbau:
Hier wurden ebenfalls viele Möglichkeiten nicht ergriffen.
Die Umgebung wird kaum oder sehr gegensprüchlich beschrieben.
Z.B. gibt es ein Haus, dass „Justin Bieber besitzen könnte“, womit bei mir die Erwartungshaltung: große Villa geweckt wurde. Auf der nächsten Seite wirkt es „normal“ und während May das erste mal durchs Ordensgebäude geht, beschreibt sie es dann gar nicht mehr.
Fazit: Ich mochte die Idee. Respekt vor der kreativen Leistung.
Leider ist die Umsetzung nicht meins. Ich hatte überlegt, noch drei statt nur 2/5 Sternen zu geben, aber das wäre allen andern drei Sterne Büchern gegenüber unfair und es war einfach nicht meins und hatte für mich zu viele Schwächen.
Das wiegt so schwer, dass ich, nachdem ich nachgeschaut habe und dieses Buch eines ihrer neueren Werke ist, der Schreibstil sich tendenziell mit den Jahren verbessert, Bücher der Autorin von meiner Wunschliste entfernt habe, weil es ältere Werke waren und es mich dieses Buch leider enttäuscht hat.