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Die Antifeministen: Ein Buch der Verteidigung

In "Die Antifeministen " (1902) deckt Hedwig Dohm in humorvoller Sprache die Ideologien der Vordenker und Meinungsmacher ihrer eigenen Zeit auf und entlarvt deren Widersprüche und Furcht vor dem weiblichen Geschlecht als dümmliche Verteidigung von Machtansprüchen.

112 pages, Paperback

First published January 1, 1902

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About the author

Hedwig Dohm

88 books7 followers
1831-1919

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Profile Image for Rena.
19 reviews7 followers
September 13, 2026
Ich bin auf dieses Buch im Rahmen der Diskussion um Ikkimels Auftritt im ZDF-Morgenmagazin gestoßen, weil eine Bekannte in ihrer Instagram-Story einen Screenshot teilte und - in etwa - meinte, zu feministischer Kunst und Kritik von beleidigten Dudes habe Dohm schon damals alles gesagt.

Der sarkastische und zugleich poetische Ton hat mich sofort eingenommen, sodass ich das ganze Buch lesen und Dohm und ihre Gedanken besser kennenlernen wollte.

Und wahrhaftig: zwar ist das Buch 1902 und somit 124 Jahre vor besagtem Auftritt erschienen, trotzdem wirken viele Gedanken und Thesen immer noch erschreckend aktuell.

Dohm teilt ihre Kritik in Vier Kategorien der Antifeministen ein, die auch heute noch aktuell wirken:
Die Altgläubigen, die Herrenrechtler, die praktischen Egoisten und die Ritter der mater dolorosa (Unterabteilung: die Jeremiasse, die auf dem Grabe der Weiblichkeit schluchzen).

Sie nimmt sich in jeder Kategorie verschiedene antifeministische Autor:innen (ja, es sind auch Frauen darunter) vor, die zur "Frauenfrage" veröffentlicht haben und seziert ihre Argumente.

Dabei betont sie des Öfteren, dass sie manche von ihnen durchaus für andere Werke und Gedanken bewundert, was sie umso mehr ärgert, wenn sie im Zusammenhang mit der Emanzipation dann schief argumentieren.

Wie schon eine andere Rezensentin schreibt, zitiert sie zwar stets und gibt oft auch ein klein wenig Kontext zu den Verfassenden, aber vermutlich wussten Leser:innen 1902 besser Bescheid als ich heute, so hat mir manchmal etwas Kontext gefehlt bzw. hätte ich mir den parallel noch anlesen müssen.

Ich habe mich bei dem Buch gefühlt, als ob eine ältere, scharfzüngige Dame bei mir im Wohnzimmer sitzt, was ein schönes und bestärkendes Leseerlebnis war. Tatsächlich war Dohm beim Erscheinen des Bandes schon Ende 70 und hat vor allem ab 50+ zunehmend veröffentlicht. Das macht mir auch in Bezug aufs eigene Leben und Schaffen Mut.

Wie ebenfalls eine Rezensentin schreibt, gibt es einzelne Passagen, in denen Rassismus, Klassismus oder Antisemitismus vorkommt, beziehungsweise nicht korrekt eingeordnet wird. In manchen Passagen stellt sich Dohm aber auch gegen einzelne rassistische, klassistische oder antisemitische Aussagen. Ich habe den Eindruck, dass Dohms Analyse sehr auf Geschlechterfragen fokussiert war und sie hier, trotz Bemühungen, nicht immer gelang, über ihren eigenen Kontext hinauszublicken. Weitere Diskriminierungskategorien bezieht sie nicht systematisch ein. Aber das Buch ist eben auch 124 Jahre alt. Das entschuldigt es nicht, ist aber trotzdem anders einzuordnen, als wenn es in der Gegenwart geschrieben wäre.

Zuweilen streift sie am Rande auch Kapitalismuskritik oder Techniken von Propaganda. Man solle nicht darauf hereinfallen, etwas zu glauben, nur weil es die Antifeministen ständig wiederholten:

"Der Tropfen höhlt den Stein, wie viel mehr das weiche Menschenhirn"

Was Hewdig Dohm wohl in Zeiten von Social Media, Bots und Fake News sagen würde...


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476 reviews24 followers
November 16, 2024
"O Nietzsche, Du hoher, priesterlicher Geist, tiefer Geheimnisse Wisser und doch der einfachsten Wahrheiten Nichtwissen! Mit Gott und Göttern kannst du reden, mit den Gestirnen, mit dem Meer, mit Geistern und Gespenstern. Nur mit und über Frauen kannst du nicht reden."

Hedwig Dohm, eine der ersten, die sich in Deutschland für das Frauenwahlrecht einsetzten, schreibt in ihrer Einleitung, dies sei ein Buch der Verteidigung, nicht des Angriffs. 'Die Antifeministen' ist eine Auswahl an Essay-Auszügen, in denen Hedwig Dohm kritisch misogyne Aussagen von berühmten Personen auseinandernimmt. Und das macht sie verdammt gut!

Zu Beginn teilt sie Antifeministen in vier Kategorien ein, deren Beschreibungen mich schon sehr zum Schmunzeln gebracht haben. Mit sehr viel Sarkasmus und Witz geht sie auf die typischen Argumente der Antifeministen ein und stellt diese mit simplen Handgriffen bloß. Das besondere dabei: das Buch wurde 1902 veröffentlicht, Dohms Verteidigung ist also schon über hundert Jahre alt - und dennoch habe ich ganz oft an den Rand geschrieben, dass die antifeministischen Argumente heute oft noch die gleichen oder ähnliche sind.

Besonders interessant fand ich es, als Dohm sich Nitzsche vorknöpft. Ich hatte schon ganz vergessen, wie frauenfeindlich der Dude eigentlich war. Auch Nietzsches Buddy Lou Andreas-Salomé wird scharf kritisiert. Das Alter des Buchs merkt man vor allem dann, wenn diskriminierende Aussagen getroffen werden, die Rassismus oder Antisemitismus spiegeln und diese nicht korrigiert oder eingeordnet werden. An manchen Stellen merkt man Dohm klassistische Züge an, z.B. wenn sie wertend über die Bildung und Intelligenz mancher Frauen schreibt, die sich (noch) nicht für Feminismus interessieren.

Auch wenn Dohm die Aussagen stets zitiert, die sie anschließend seziert, fehlte mir bei manchen Texten der Kontext bzw. Vorwissen zu den Personen, mit denen sie sich beschäftigt hat. Hier hätte ich mir eine kommentierte Ausgabe gewünscht, z.B. mit einem Vor- oder Nachwort der Herausgebenden.

Trotz der Einschränkungen kann ich das Buch empfehlen. Es ist sehr spannend zu sehen, dass Hedwig Dohm schon so früh solch starken, selbstbewussten Widerstand geleistet hat und ihrer Zeit so weit voraus wäre. Es wäre so interessant zu erfahren, wie sie den Stand der Frau in unserer heutigen Gesellschaft einschätzen würde.

CN: Able1smus, Antisem1tismus, G3walt gegen Frauen, Ras$ismus, Su1zid, I-Wort
Profile Image for resiliest.
263 reviews1 follower
December 25, 2021
Kurzweilig, voller schmäh, sehr lustvoll zu lesen. Leider immer noch (120 Jahre nach Erscheinen) sehr wahr
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