"Bevor ich Ich war" fängt alles an. Mit diesen Worten jedenfalls hat der Ruhrgebietsautor Frank Goosen ein Kapitel seines neuen Buches überschrieben, das sich bereits im Titel auf witzige, ironisch distanzierte Art autobiografisch gibt. Und so beginnt auch alles vor der Geburt des Ichs, in der Nachkriegszeit, mit Onkel Theo, einem Kriegsheimkehrer aus russischer Gefangenschaft. Als der nach Hause kam, trug er "etwas anderes" auf seinen Schultern, jedenfalls nicht mehr den eigenen Kopf. Tagtäglich lief Onkel Theo in Bochums Straßen herum, sammelte die Kippen aus dem Rinnstein auf und klaute überall Zigaretten. Denn die waren in der Kriegsgefangenschaft "wertvoller als Gold". Über das exotische Gebaren ihres Mannes ist dann letztlich auch Tante Wilhelmine "bescheuert" "Daran war der Russe in jedem Fall schuld." So ragt der kohleschwarze Schatten des Krieges mitten in den Ruhrpott hinein. "Komische Geschichten" hat Goosen seine Erzähl-, Glossen- und Kolumnensammlung Mein Ich und sein Leben -- wiederum mit ironischem Anhauch -- untertitelt. Denn tatsächlich schwanken die Geschichten zwischen Komik, Skurrilität und Tragik hin und her. Das gilt auch für die Zeit, als Goosens Ich geboren wurde, als es noch Debby Harry gab und Mücke und schon Spüli. Später muss sich das Ich mit neuen Klassenlehrern herumschlagen, erkennt aber auch das "Glück der Pinguine" (die das Cover zieren) und die Vorzüge von Minibars ("Das Ich unterwegs"). Hin und wieder klingt das nach Max Goldt, aber auch nur hin und wieder. Denn Goosen hat einen ganz eigenen, unverwechselbaren Ton -- zum Beispiel dort, wo er beschreibt, wie über der neuen Wohnung von Daniel Audrey Hepburn Geige übt. --Stefan Kellerer
Und ob Beginnt so stark, dass ich nach der Hälfte glaubte, den 10er Status verliert das nicht mehr. Wird dann leider doch schwächer. Die Jugenderinnerungen sind köstlich. Auch die ersten Familiengeschichten. Strike Bossa Nova, strike. Unvergesslich. Natürlich die traurigen Liebesgeschichten besser als die glücklichen. In Bad Love verlässt ihn eine Frau, weil er zu viele Platten hat. Sehr schön. “Sie fand Annie Lennox’ Version von A whiter shade of pale besser als das Original.” - “Du hast recht, es ist gut, daß sie weg ist.” -- Und ob. (9/10)
Nach einer stressigen Woche im Büro wollte und brauchte ich etwas leichtes, das mich gut unterhält. Das hat das Buch durchaus getan. Auf den ersten Seiten hab ich mehrmals herzlich gelacht, die Kapitel über die Jugendzeit, die Familie und jenes, indem unser Protagonist über ein eher „missglücktes“ Date im heimischen Wohnzimmer berichtet, fand ich zum Schreien komisch! In der zweiten Hälfte flacht der Humor in meinen Augen etwas ab, alles in allem aber eine empfehlenswerte Lektüre, die sich flüssig weglesen lässt, wenn man eine kurze Pause vom Alltag braucht.
Wunderbar! Ich kannte ihn bisher nur vom TresenLesen (Heimspiel in Bochum), aber auch Selber-Lesen macht eindeutig Spass. Goosens Stil, die Mischung aus komischen und tragischen Geschichten, das Heraufbeschwören der Ruhrpott-Mentalität - ich wollte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Für manche Geschichten bin ich wohl etwas zu jung, die meisten sind aber einfach zeitlos.
Eine Sammlung von kurzen Geschichten. Nicht mein Fall. Viele sind total belanglos und langweilig. Es fehlt der rote Faden. Es gibt bessere Bücher von Frank Goosen.